Huffpost Germany
BLOG

Eine offene Plattform fĂĽr kontroverse Meinungen und aktuelle Analysen aus dem HuffPost-Gastautorennetzwerk

Ruprecht Polenz Headshot

Mach´s noch einmal!

Veröffentlicht: Aktualisiert:
MERKEL KANDIDATUR
dpa
Drucken

Mehr als die Hälfte aller Deutschen freuen sich darüber, dass Angela Merkel für eine weitere Amtszeit als Bundeskanzlerin antritt. Über 55 Prozent wollen nach einer Emnid-Umfrage, dass Merkel Kanzlerin bleibt. Tendenz steigend. Das ist ein sehr gutes Ergebnis, bedenkt man, dass die Unionsparteien derzeit auf etwa 35 Prozent Zustimmung stoßen.

Es ist vor allem eine gute Nachricht für alle, die besorgt sind wegen des weltweiten Vormarsches populistischer und nationalistischer Bewegungen: Orban in Ungarn, Kaczinsky in Polen, der Front National in Frankreich, Wilders in den Niederlanden und die völkische AfD in Deutschland. Und Donald Trump wurde auf dieser Welle ins Weiße Haus getragen.

Es war völlig richtig, dass Merkel in ihrem Glückwunsch zu seiner Wahl an die gemeinsamen Werte erinnert hat, die der deutsch-amerikanischen Freundschaft und Zusammenarbeit zugrunde liegen: Demokratie, Freiheit und der Respekt vor der Würde des Menschen, unabhängig von Herkunft, Hautfarbe, Religion, Geschlecht, sexueller Orientierung oder politischer Einstellung.

➨ Mehr zum Thema: Erstes Statement nach US-Wahl: Das ist Merkels Botschaft an Trump

Das war keine unziemliche Bedingung, die Merkel da an Trump gestellt hatte, wie einige Kritiker meinten. Diese Erinnerung an gemeinsame Werte war bitter nötig nach allem, was Trump in den letzten Monaten so von sich gegeben hatte. Ohne diese gemeinsamen Werte könnten wir mit den USA nur so zusammenarbeiten wie mit China.

Merkel steht für eine Politik, die auf Rationalität, Vernunft und Humanität setzt

"America first" - dieses Credo von Trump trifft auf ein Europa, dass sich selbst starken Re-Nationalisierungstendenzen ausgesetzt sieht, die zudem von Russland kräftig gefördert werden. Wie schnell diese schärferen Abgrenzungen gegenüber anderen Staaten zu Ausgrenzungen im Inneren führen, kann man an den neuen Tönen gegenüber Hispanics in den USA ebenso sehen, wie an einer wachsenden Fremdenfeindlichkeit in Großbritannien nach dem Brexit-Referendum.

Frankreich wählt nächstes Jahr einen neuen Staatspräsidenten. Sollte Le Pen gewinnen, hat sie bereits ein Referendum über einen Austritt Frankreichs aus der EU angekündigt. Für Deutschland wäre das ein Desaster. Nur ein europäisches Deutschland, eingebunden in eine Europäische Union und eng verbunden mit Frankreich, wird von unseren Nachbarn ertragen. (Und nur als ein europäisches Deutschland sind wir erträglich).

Pointiert und meinungsstark: Der HuffPost-WhatsApp-Newsletter

2016-07-22-1469180154-5042522-trans.png

Merkel weiß das und sie steht mit ihrer Politik dafür, auch wenn manchem hierzulande nicht unmittelbar einleuchtet, dass Deutschland von den Vorteilen des gemeinsamen Binnenmarktes für unsere exportorientierte Industrie auch etwas abgeben muss an schwächere Staaten wie beispielsweise Griechenland.

In einer Zeit, wo es normal wird, in der Politik nur noch auf Emotionen zu setzen, wo vor allem zählt, was man fühlt, ungeachtet der Fakten, steht Merkel für eine Politik, die auch auf Rationalität, Vernunft und Humanität setzt und nicht nur auf blanke Emotion. Statt Angst zu schüren, um dadurch Stimmen zu gewinnen, will sie Mut machen, wenn sie Emotionen anspricht. So war ihr viel zitierter Satz "Wir schaffen das" zu verstehen.

Ob sie es schafft, zum vierten Mal zur Bundeskanzlerin gewählt zu werden? Nun, einiges hängt auch von den Unionsparteien ab. Wenn sie in den Zustimmungswerten von Merkel aufschließen wollen nach dem Motto "Wo CDU/CSU draufsteht, ist Merkel drin", dann kann es klappen.

Auch auf HuffPost:

Leserumfrage: Wie fandet ihr uns heute?

2016-07-11-1468249306-1333267-umfrage.jpg

Hier geht es zur Umfrage.

Lesenswert:

Ihr habt auch ein spannendes Thema?
Die Huffington Post ist eine Debattenplattform fĂĽr alle Perspektiven. Wenn ihr die Diskussion zu politischen oder gesellschaftlichen Themen vorantreiben wollt, schickt eure Idee an unser Blogteam unter blog@huffingtonpost.de.