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"I am Dandy" - Die Aktualität eines soziokulturellen Phänomens

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"Der Dandy ist wieder da!", begrüßt einen die Pressemitteilung zu Nathaniel Adams' und Rose Callahans gerade im Gestalten Verlag erschienenem Buch "I am Dandy" geradezu lautstark. Nun, Skeptiker mögen leise entgegnen, dass er nie wirklich weg war. Was im Prinzip richtig ist. Zig Publikationen machen das deutlich. Betrachtet man nur den wunderbaren (deutschen!) Fashionblog Dandy Diaries, der regelmäßig einen prominenten "Dandy of the Week" kürt, werden Aktualität und Bandbreite des Themas auch im digitalen Zeitalter deutlich.

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Schillerndes Panorama
Worum es dem New Yorker Autor Adams und der kalifornische Fotografin Adams in ihrem opulenten Bildband geht, ist die Darstellung heutiger Nachfolger von Beau Brummel, Charles Baudelarie und Oscar Wilde - jener historisch evidenter Ur-Dandies im London und Paris des 19. Jahrhunderts. Fotografin Callahan und Autor Adams beschäftigen sich seit Jahren mit dem faszinierenden soziokulturellen Phänomen und besuchten für ihr Buchprojekt die "neuen", insgesamt etwa 50 Dandies in ihren jeweiligen Dependancen, vor allem in den Metropolen London, Paris und New York. Daraus entstanden ist ein schillerndes Panorama der Lebensentwürfe, Haltungen und Zugriffe der jeweiligen Protagonisten auf die dandyeske Stereotypie. Sei es der gebürtige Berliner Christian Chensevold, der eine ganz eigene Tugend des Understatements offenbart oder Simon Doonan, der sein "Liberace-Leitmotiv" erklärt. Das es nicht ausschließlich um Style, sondern viel mehr um Stil geht, das wird auch beim Blick auf die wunderbaren Interieurs und Accessoires deutlich, dessen Raffinesse Callahan mehr als gekonnt einzufangen weiß.

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Art der Überlegenheit
Wie unterschiedlich die Spielformen des Dandyism sind und ausgelebt werden - in Gatsby-Manier oder romantisch-gepuderter Melancholie, als Neo-Aristokrat oder Snob bis zum gediegenen Gentleman der Jetztzeit - all das arbeitet "I am Dandy" in feinen Einzelporträts nuanciert und mit wachem Auge heraus. Bei perfekt gefaltetem Einstecktuch und butterweichen Kalbslederhandschuhen zum Dreiteiler lassen Adams und Callahan den Charme der stilvollen Rebellion(en) aufleben. Denn Dandyism war und ist auch immer eine brauchbare, alternative Strategie, konventioneller (männlicher) Geltungssucht und Ränkespielen eine andere, ästhetisch-subversive Art der Überlegenheit entgegen zu setzen.

Das Vorwort hat kein Geringerer als Glenn O' Brien geschrieben. Einen wunderbaren Film als Appetizer hat der Gestalten Verlag für Eingeweihte wie Neugierige ebenfalls erfolgreich produziert.

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