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Mr. Trump, Sie haben sich um jährlich 200 Milliarden verrechnet

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DONALD TRUMP
Kevin Lamarque / Reuters
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Am vergangenen Donnerstag hat der Amerikanische Präsident Donald Trump angekündigt, dass die USA das Pariser Klimaabkommen wieder verlassen werden - und es mit einer ganzen Reihe angeblicher wirtschaftlicher Nachteilen für die USA begründet. Wer seine Rede gehört hat, die er mir einigen Zahlen garniert hat, könnte geneigt sein, ihm in manchen Punkten Recht zu geben.

Eines hat er dabei allerdings verschwiegen: dass die USA (wie viele andere Länder auch) die Schäden, die ihre auf fossilen Brennstoffen basierende Industrie verursacht, schlichtweg auf die Weltgesellschaft umlegt, ohne hierfür finanziell aufzukommen.

Kostenumlage auf die Gesellschaft

Während die Welt schon immer bei den für unser Überleben entscheidenden Faktoren wie Artenvielfalt, Luft- und Wasserqualität, Klima etc. global vernetzt war, war bis vor wenigen Jahrzehnten der Einfluss der Industrialisierung hierauf kaum merklich - oder zumindest kaum messbar. So hat sich unser Wirtschaftssystem daran gewöhnt, nur für denjenigen Aufwand aufzukommen, den das Ausbeuten der natürlichen Vorräte erzeugt - sofern nicht eine Verknappung die Marktpreise nach oben treibt.

Da wir bisher bei den sogenannten "Commons", d.h. Gütern, die der gesamten Gesellschaft gehören, von uneingeschränkter Verfügbarkeit ausgehen, orientiert sich bis heute der Ölpreis ebenso wie der Wasserpreis, aber auch der Preis für Rohstoffe und die Preise der industriellen Produktion im wesentlichen an den Kosten, die ihre Beschaffung verursacht - nicht allerdings an den Folgekosten.

Ob globale Erwärmung, Wasserverknappung, Abfallentsorgung, ... sofern es keine gesetzlichen Einschränkungen gibt, werden diese gesellschaftlichen Kosten von unserer traditionellen Betriebswirtschaft nicht berücksichtigt. Doch dadurch verschwinden sie lediglich aus der wirtschaftlichen Bilanzierung - nicht aus der Realität. Und was Unternehmen nicht bereit sind zu tragen, muss die Gesellschaft übernehmen.

Gesellschaftliche Kosten jeder Tonne CO2

Da die durch die Industrialisierung verursachte globale Erwärmung allerdings inzwischen nur noch von ein paar wenigen Unbelehrbaren geleugnet wird, gibt es seit ein paar Jahren Ansätze, diese Folgekosten für die Weltgesellschaft zumindest für den Ausstoß von CO2 abzuschätzen. Und auch wenn die mathematischen Modelle dafür sehr komplex und bei weitem nicht perfekt sind, so sind sie sicherlich richtiger, als die von Donald Trump vertretene Annahme, sie lägen bei Null.

Auch die US-Regierung hat sich in den letzen Jahren - wie viele andere Nationen und inzwischen auch erste Industrieunternehmen - diesen Überlegungen angeschlossen, um eine Grundlage für verantwortungsvolle Regierungsentscheidungen zu haben.

Für 2017 wurde hier aus einer Unzahl an Abschätzungen und Berechnungen ein Wert von $39 für jede Tonne CO2 an weltweiten gesellschaftlichen Folgekosten ermittelt - ein Wert, der in den kommenden Jahren immer weiter steigen wird.

Kritisiert wird dieser Ansatz, der bereits von mehreren US-Gerichten als valide bestätigt wurde, lediglich von Stimmen, die es ablehnen, für Folgeschäden ausserhalb des eigenen Staatsgebietes eine Verantwortung übernehmen zu wollen ... oder die die Berücksichtigung der Interessen kommender Generationen aus Eigennutz ablehnen.

Folgekosten, die die USA der Welt aufbürden

Bei einem jährlichen CO2-Ausstoß der USA von 5,5 - 6 Milliarden Tonnen CO2 ergeben sich aus diesem Wert ein jährlich verursachter Schaden von ca. 200 Milliarden US$, den die Weltgesellschaft aktuell tragen muss; ein Wert, der den Beitrag der USA in Höhe von 500 Millionen p.a. zum Green Climate Fund auf 1/4 Prozent zusammenschmelzen lässt.

Daran ändert sich nichts wesentliches, wenn man die Biokapazität der USA, d.h. die Fähigkeit der eigenen Wälder, CO2 wieder aufzunehmen, miteinbezieht. Da die USA schon seit den 60er Jahren deutlich über der Regenerierfähigkeit der Natur ihres eigenen Landes leben und CO2 inzwischen fast 2/3 ihres ökologischen "Fussabdruckes" ausmacht (siehe footprintnetwork.org), sind wir noch weit im einstelligen Prozentbereich, mit dem die USA im Paris-Abkommen zur Verantwortung für die von ihr in der Welt verursachten Schäden gezogen werden soll.

Wer zu spät kommt, den bestraft das Leben

Die gute Nachricht dabei ist allerdings, dies wird am Ende den USA nichts nützen. Denn angesichts der sich rapide beschleunigenden Entwicklung, mit der unsere bisherige wirtschaftliche Entwicklung inzwischen zu globalen Folgeschäden führt, werden wir zwangsläufig noch in diesem Jahrzehnt anfangen müssen, unser Wirtschaftssystem umzubauen.

Und wie bei all den unvermeidbaren Veränderungen wird es lediglich am Ende teurer, wenn wir die Herausforderungen aufschieben. So wird die Strategie des Präsidenten nicht die US-Industrie schützen, sondern ihr lediglich den Druck zur ökologischen Wettbewerbsfähigkeit für ein paar Jahre nehmen, bevor es sie dann kalt erwischt.

Denn um die 2°C-Grenze einzuhalten, können wir sowieso lediglich nur noch 20% der bereits entdeckten fossilen Vorräte verbrennen, wie das Potsdam Institut für Klimafolgen berechnet hat - und je später wir reagieren, um so schwerer wird uns das Platzen der fossilen Wirtschaftsblase treffen.

Vielleicht wäre hier ein Kontakt von President Trump zur (ehemaligen) russischen Regierung am Ende doch hilfreich - denn schon vor fast 30 Jahren ermahnte Michail Gorbatschow die DDR-Regierung: "Wer zu spät kommt, den bestraft das Leben".

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