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Warum so viele gute Mitarbeiter unglücklich sind - ein ehemaliger Konzernchef packt aus

28/04/2017 16:29 CEST | Aktualisiert 28/04/2017 21:11 CEST

Es gibt eine Sache, die viele Unternehmen noch nicht verstanden haben. Die dazu führt, dass viele gute Mitarbeiter unglücklich sind. Es geht um einen weit verbreiteten Irrglauben.

Aktuell kursieren immer wieder Begriffe wie "Industrie 4.0" und "Digitalisierung". Und zwar so, als sei beides notwendig, damit wir die nächste Stufe der wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit erklimmen können. Was aber wirklich nötig ist, wenn sich Unternehmen weiterentwickeln und verbessern wollen, ist: der Mensch.

Unternehmen brauchen unbedingt eine höhere Mitarbeiterbindung

Aber die aktuelle Basis diesbezüglich ist in den meisten Unternehmen geradezu desaströs. Der Mensch ist unglücklich. Der "Gallup Engagement Index" zeigt seit Jahren, dass nur etwa 15 Prozent der Mitarbeiter in Deutschland eine hohe Bindung zu ihrem Unternehmen haben.

Doch genau dies ist die Voraussetzung dafür, dass Menschen bereit dazu sind, nicht nur die Vorgaben zu erfüllen, sondern ihre Fähigkeiten in einer Form einzusetzen, wie dies zukünftig für unternehmerischen Erfolg notwendig wird.

Der Raum für die immer wichtiger werdende kognitive Leistungsfähigkeit (dazu später mehr) wird nämlich nicht dadurch geschaffen, dass wir die Stellschraube der Zielvorgaben, der Belohnungssysteme oder der Kontrollmechanismen weiter anziehen. Kreativität, Kollaboration und Selbstverantwortung entstehen erst, wenn wir hierzu innerlich motiviert sind.

Neben dem "physischen" Arbeitsvertrag braucht es einen "psychischen"

Und für diese Form der "intrinsischen" Motivation sind unsere bisherigen Führungsmethoden geradezu Gift. Sie entsteht erst dann, wenn wir ein Umfeld des Vertrauens und der Sinnhaftigkeit schaffen, in dem Arbeit wieder als Teil eines bereichernden Lebens erfahren werden kann - wie in vielen Start-Ups oder bei Freizeitaktivitäten.

Hierfür muss allerdings nicht nur der "physische" Arbeitsvertrag in Form von materieller Kompensation erfüllt werden, sondern auch der "psychische", der all die stillschweigenden gegenseitigen Erwartungen enthält, die in vielen Unternehmen angesichts zunehmenden Leistungsdruckes unter die Räder gerät.

Bei dieser Herausforderung können wir von dem kleinen Staat Bhutan im Himalaya lernen, dessen König schon vor über 40 Jahren erkannt hat, dass Führung mehr als die Erfüllung der materiellen Bedürfnisse bedeutet.

Aktuell entsteht bei Mitarbeitern der Eindruck, sie würden digital "ersetzt"

Die gute Nachricht der "Industrie 4.0" ist, dass Führung zukünftig den Menschen in den Mittelpunkt stellen muss, um erfolgreich zu sein. Hierzu müssen wir allerdings unser Menschenbild eines egoistischen und rationalen "Homo Economicus" überarbeiten, das wir bisher unserer Wirtschaft zu Grunde legen.

Aktuell geraten in vielen Unternehmen aber Mitarbeiter mehr und mehr in den Hintergrund. Es entsteht sogar der Eindruck, als seien sie bald überflüssig, weil sie digital "ersetzt" werden. Aber das Gegenteil ist der Fall.

Die Menschen werden nicht aus der Wirtschaft verschwinden

Denn mit ein wenig Abstand sollte uns diese Annahme verdächtig vorkommen - es gab sie auch schon zu Anfang der industriellen Revolution. Und wie damals werden auch diesmal nicht die Menschen aus der Wirtschaft verschwinden.

Lediglich die Art ihrer Arbeit wird sich verändern: weg von vorgegebenen sogenannten transaktionalen Tätigkeiten wie zum Beispiel Produktionsvorgängen. Von Aufgaben, bei denen die gleiche Tätigkeit sich immer wiederholt. Und hin zu steigenden kognitiven Anforderungen an Kreativität. Was genau es damit auf sich hat, erkläre ich oben im Video.

Kein Widerspruch mehr zwischen Arbeit und Leben

Nach der Landwirtschaft, der Produktion und der Dienstleistungsindustrie wird auch diese vierte Phase der Wirtschaftsentwicklung viele Menschen benötigen. Und während wir uns den Kopf zerbrechen, wie wir möglichst schnell die noch etwas schwer zu greifenden neuen Technologien in unsere bestehenden Geschäftsmodelle integrieren können, sollten wir uns dringend mit einer ganz anderen Frage beschäftigen: wie Führung in einer solchen Industrie aussehen muss.

Für die Antwort werden wir einige unserer gewohnten Annahmen über den Menschen in der Arbeitswelt über Bord werfen müssen - zuallererst, dass der Mensch nur für Geld arbeitet. Geld ist zwar ein notwendiger "Hygienefaktor", aber es reicht nicht aus.

(In meinem Buch "Bionische Unternehmensführung" beschreibe ich weitere wichtige Bereiche, die in einer Organisation relevant sind, damit die Menschen sich aus eigener Überzeugung engagieren.)

Wenn Unternehmen das berücksichtigen, bekommen sie einen Zugang zu bisher ungenutztem Potential bei durchschnittlich 85 Prozent ihrer Mitarbeiter. Und die Mitarbeiter gewinnen bis zu fünf zusätzliche Tage pro Woche für ihr Leben - wenn für sie Arbeit und Leben kein fundamentaler Widerspruch mehr ist.

Die HuffPost hat mit Rüdiger Fox darüber gesprochen, was Mitarbeiter glücklich macht. Das Gespräch seht ihr hier:

(jds)

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