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Deutschland hörst du mich?

15/09/2015 19:01 CEST | Aktualisiert 15/09/2016 11:12 CEST
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Ich stelle mir vor, wie meine Eltern, die eine Revolution und einen Krieg überlebt haben, mit einem Kind unterm Arm über Berge gegangen, durch Flüsse geschwommen, vor Unterdrückung und Angst vor dem Tod, politisch verfolgt und im Gefängnis gestraft, für das Kundgeben der eigenen Meinung, hier in Deutschland ankamen.

Deutschland ich hoffe du hörst mich!

Du gabst meinen Brüdern und mir, meinen Eltern und Freunden ein Zuhause. Gabst uns Sicherheit. Gabst uns Obdach. Gabst uns Ziele, Perspektiven, Freiheit. Gabst uns das Leben, dass wir jeden Tag, den wir hier sind, mit Freuden genießen, mit Dankbarkeit führen und ehren.

Ich beherrsche die deutsche Sprache besser, als einige meiner deutschen Freunde.

Träume auf deutsch, diskutiere auf deutsch, studiere deutsch.

Sag mir Deutschland, auf wen bist du stolzer?

Auf einen Deutschen der "reinrassige" Vorfahren hat und Menschen mit Migrationshintergrund mit Steinen bewirft oder auf einen Deutschen mit Migrationshintergrund, der sich für Asylanten stark macht, in einem Land, in dem keiner betteln muss?

Armut hat keiner von uns je gespürt, geschweige denn erlebt - die Bruchteile von Sekunden, die wir Armut in sozial schwächeren Ländern gesehen haben, ist nicht ein Millionstel von dem Leid das Menschen spüren, die ihre Heimat, ihre Familie, ihr Leben zurücklassen.

Verwöhnt von unseren Luxusproblemen und Sorgen über den Hygienezustand unserer in teuren Restaurants zubereiteten Mahlzeiten, Empörung über den Stilbruch von irgendeinem erbärmlichen Clown der Medienbranche oder den fehlenden Lachs auf dem Frühstückstisch, all das sind Probleme, die Scham in uns verursachen sollten.

Soviel schwaches, dummes Zeug wird im Internet verbreitet- Meinungen, die zeigen, dass nicht einmal soviele Generationen nach der geschichtlichen Tragödie der Hass in den Köpfen verschwunden ist - unaufgeklärte Jugendliche, die sich mit dem Aufschrei des Stromes mitbewegen, Grenzen ziehen- welcher Flüchtling es Wert ist, gerettet zu werden und welcher nicht. Welcher Mensch lässt freiwillig sein Leben, sein Herz, sein Vaterland, seine Wurzeln zurück?

Ich höre immer wieder sogar Migranten sagen, sie würden es auch nicht gutheißen können, wenn nochmal 800.000 Flüchtlinge Deutschland besiedeln. Wer bist du und welches Recht nimmst du dir heraus, dich selbst auf eine andere Stufe zu stellen?

Du selbst kamst mit leeren Händen her und wurdest mit offenen Armen empfangen, hast dich integriert- nein bist assimiliert und hast vergessen, wo du herkommst. Öffne dein Herz- am Ende des Tages bist du Mensch- genau wie dein Gegenüber, das sich nicht aussuchen konnte, wo es das Licht dieser unfairen Welt erblickt.

Refugees Welcome! Let freedom ring!

#AsylantenheimebrennennichtnurwegendemFeuer

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200 Menschen aus Deutschland, darunter Politiker, Schauspieler, Musiker, Studenten und andere Menschen haben in der Huffington Post ein wichtiges Zeichen gesetzt: Sie haben den Flüchtlingen in Deutschland zugerufen: "Willkommen, gut, dass ihr hier seid, weil..."

Seit dieser Aktion erreichen uns täglich weitere Dutzende Beiträge zu diesem Thema. Wenn Sie sich an der Diskussion mit einem eigenen Artikel beteiligen wollen, schreiben Sie an blog@huffingtonpost.de.

Es ist Zeit, dass wir in Deutschland ein Zeichen setzen. FÜR Weltoffenheit, FÜR Toleranz und FÜR Menschen in Not

Ein Mann im Regen bewegt das Netz: Inmitten des Horrors: Diese Flüchtlingsbilder sind herzzerreißend