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Workation: Wenn Arbeit und Freizeit sich verbinden

23/09/2017 15:36 CEST | Aktualisiert 23/09/2017 15:36 CEST
littlehenrabi via Getty Images

Die Verbindung von Job und Urlaub, Workation genannt, scheint ein wachsender Trend zu sein. Manchmal wünsche auch ich mir, eine digitale Nomadin zu sein und freiberuflich von überall aus zu arbeiten. Dann wieder frage ich mich: Wäre das nicht pure Selbstausbeutung? Die Unternehmensberaterin Simone Stargardt sagt mir dazu in einem Interview: "Ich sehe eher den Trend, dass Arbeit und Freizeit - und damit auch Urlaub - immer mehr zusammenfließen."

Arbeiten, wenn andere Urlaub machen

Die Kombination von Arbeiten und Urlaub wünschen sich offenbar immer mehr Menschen. "Ich bin ein großer Fan davon", outet sich Simone Stargardt. Als digitale Nomadin sieht sich die Inhaberin einer Weiterbildungsakademie zwar nicht. "Doch im Urlaub habe ich immer meinen Laptop zum arbeiten dabei - trotzdem ist diese Zeit für mich erholsam", betont sie.

Bislang wollte ich im Urlaub meist nichts - also wirklich nichts - vom Job hören. Wenn ich dann doch mal ins Smartphone schaue und E-Mails sehe, die mit der Arbeit zu tun habe, regt sich oft mein schlechtes Gewissen - und das ist definitiv nicht gut für die Erholung. Muss das sein, dass ich mir jetzt auch noch den Urlaub klauen lasse, wo ich doch schon Teile meines Wochenendes opfere?

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Plädiert für Workation: Unternehmerin Simone Stargardt (Foto: Carriere&More)

„Nein, im Gegenteil, Sie erhalten sogar Zeit geschenkt", antwortet mir Stargardt. Schon allein, weil damit die stressige Zeit vor dem Urlaub wegfalle, in der man eine Woche lang versucht, alle offenen to do's zu erledigen um mit gutem Gewissen in die Ferien fahren zu können. Und auch der erste Tag nach dem Urlaub sei meistens schlimm, wenn sich alles stapelt und der E-Mail-Account eine dreistellige Anzahl von neuen Nachrichten anzeigt. „Wenn ich auch im Urlaub E-Mails beantworte, ist die Zeit vor dem Urlaub und nach dem Urlaub entspannt - so hält die Erholung viel länger an", erklärt mir die Betriebswirtin.

Arbeit und Leben trennen zu wollen, ist schizophren

Das hieße aber doch im Klartext, dass ich dann immer arbeite? Dazu Stargardt: „In gewisser Weise - ja. Denn eine Trennung zwischen Arbeit und Leben, wie es das Wort Work-Life-Balance suggeriert, ist doch fast schizophren. Das würde doch bedeuten, dass ich während ich arbeite, nicht leben darf." Ich muss zugeben: Das klingt traurig. Dabei habe ich sogar das Glück, sagen zu können: Ich habe einen Beruf, der mir - meistens jedenfalls - viel Spaß macht. Und der einen großen Teil meines Lebens ausmacht.

Doch werde ich nicht automatisch zum Workaholic, wenn ich Arbeit und Urlaub verbinde? „Das ist Definitionssache", sagt mir die Expertin. So sei es etwa auch möglich, während der Arbeit private Dinge zu erledigen. Wie etwa die Buchung meines nächsten Urlaubsfluges vom Arbeitsrechner aus. Oder die Überweisung an die Ferienunterkunft. „Ich selbst bin an Arbeitstagen mittags regelmäßig mit den Hunden unterwegs", gibt Stargardt ein weiteres Beispiel, wie sich privates und berufliches verbinden lässt.

Nicht alle Berufe eignen sich für Workation

Während es für mich als Journalistin nicht schwer ist, meine Arbeit mit in den Italien-Urlaub zu nehmen, sieht es bei einem Facharbeiter, der bei Daimler in der Produktion arbeitet oder einer Verkäuferin, die in der Drogerie an der Kasse sitzt, anders aus. Die können ihre Arbeit ja nicht mitnehmen. Ist Workation also nur etwas für Privilegierte?

„Tatsächlich lässt es sich nicht mit jedem Beruf kombinieren", gibt Stargardt zu. „Nichtsdestotrotz glaube ich, dass es sich in immer mehr Bereichen weiterentwickelt". In vielen großen Konzernen sei Homeoffice und damit auch Workation längst gang und gebe. Doch auch immer mehr kleinere Firmen, beobachtet die Rednerin, zeigen sich flexibel, was diese Themen betrifft.

Geschäftsmodell Workation

Inzwischen gibt es auch Veranstalter, die Workations organisieren: Etwa ein Haus auf Bali oder eine Wohnung in Barcelona anmieten, Workshops organisieren und für Freizeitprogramm sorgen. Teilnehmer machen sich dabei nicht alleine, sondern in einer größeren Gruppe Gleichgesinnter auf den Weg und arbeiten etwa ein ganzes Jahr lang an verschiedensten Plätzen der Welt. Einmal pro Monat wird der Aufenthaltsort gewechselt. Vielleicht wäre das ja eine Option für mich.

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