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IHK-Energiemanager schaffen die Energiewende

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Erste Firmen erreichen Ziele 30 Jahre vor der Pariser Klimakonferenz für 2050

Um die Pariser Klimaziele ist es wieder ruhig geworden. Besprochen hatten 180 Staatschefs und ihre Vertreter im November in Paris, dass sich die Erde bis 2050 um maximal zwei Grad erwärmen darf. Mit dem aktuellen Engagement weltweit läge die Erwärmung laut Club of Rome aber 0,7 Grad höher - mit fatalen Folgen für den Meeresspiegel, die Ausweitung der Wüsten oder schwersten Unwettern.

2500 Energiemanager in Deutschland ausgebildet

Doch statt in allgemeinen Pessimismus zu verfallen, lohnt sich der Blick auf die Erfolge. So wird der Energiemanager, den die IHK Mittelfranken 1999 in Nürnberg konzipiert hat, zunehmend zum Exportschlager. Die 240-stündige Weiterbildung, die mittlerweile bundesweit 30 IHKs anbieten, haben aktuell 2500 Teilnehmer absolviert. Das berichtet Robert Schmidt, der das Curriculum mit 17 Themenbereichen von der Beleuchtung über die Industriekälte bis zum Energiemanagement federführend kreiert und abgestimmt hat.

"Austausch ist die beste Weiterbildung"

2004 nach Österreich und England als Weiterbildung erstmals exportiert, bieten mittlerweile 30 Nationen weltweit den European Energy Manager an. Darunter große Schwellenländer und Industrienationen wie China, Indien oder Brasilien. „Der vertrauensvolle Austausch über Firmengrenzen hinweg ist die beste Weiterbildung", sagt Schmidt. Der promovierte Chemie-Ingenieur hatte 1992 mit einem Arbeitskreis Energie, den er viermal jährlich für mittelfränkische Betriebe moderierte, den Grundstein gelegt.

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Bild: Hat den Energiemanager (IHK) 1999 ins Leben gerufen, der mittlerweile weltweit in 30 Ländern als Weiterbildung gefragt ist: Der Nürnberger IHK-Mann Dr. Robert Schmidt. FOTO: IHK

Sowohl Konzernvertreter als auch Mittelständler interessiert

In den Kursen sitzen heute Betriebsleiter, Instandhalter und Gebäudemanager von Konzernen, aber auch Inhaber von Automobilzulieferern oder Brauereien mit 100 Mitarbeitern. Üblicherweise findet die Weiterbildung berufsbegleitend über einen Zeitraum von neun Monaten statt. Jeder der zehn bis 16 Teilnehmer macht in dieser Zeit eine bewertete Projektarbeit, die seinem Unternehmen konkret im Bereich Abwärme, Druckluft oder technische Antriebe Nutzen stiftet.

Jährlich 700 MWh weniger

Schmidt: „Der Einspareffekt je individuellem Projekt und Jahr liegt zwischen 400 und 700 MWh." Nach Beobachtung des Franken sind fast alle Teilnehmer „energetische Überzeugungstäter", die den Kurs freiwillig besuchen, engagiert sind und deshalb auch untereinander vernetzt. Die Nachfrage nach der IHK-Qualifikation wächst aber auch, weil sich viele Betriebe Energie-Auditieren müssen. Dafür brauchen sie interne Fachleute, bei denen die Querschnittsaufgaben aus Produktion, Engineering oder Facility Management zusammenlaufen.

Mehr Effizienz weniger Verschwendung

Dass die Kompetenz bei diesen Themen wächst, bestätigt Friedrich Riempp, der seit 2013 ein Software-basiertes Energiemanagementsystem vertreibt. Dieses vernetzt sämtliche Verbrauchs- und Energieerzeugerquellen in einem Unternehmen, so dass sie untereinander kommunizieren können. Die Folge: Die Effizienz steigt und Verschwendung nimmt ab. Anwender erreichen teils mit 20 bis 40 Prozent weniger Energie dieselben Ergebnisse.

„Solche Verfahren sind sehr erklärungsbedürftig und nur im Zusammenspiel aller Bereiche wirkungsvoll," sagt Riempp, dem in den Betrieben immer häufiger ein Energiemanager gegenübersitzt, der erst nach der IHK-Weiterbildung das Verständnis für all diese Prozesse hat. Das bestätigt auch Bernd Gantner, Geschäftsführer bei Hafner Muschler Kältetechnik in Balingen.

Ganzheitliche Ausrichtung der Energiepolitik

„Wenn man weiß, dass in der Regel 80 Prozent der Abwärme, die bei der Produktion von Kälte zwangsläufig entsteht, ungenutzt entweicht, sieht man, wie viele Potentiale durch Verbundlösungen locker zu heben sind", nennt Gantner ein Beispiel für Handlungsbedarf. In den Energiemanagern sieht er eine Chance, dass in den Firmen zunehmend ganzheitlicher gehandelt wird.

Denn dem Produktionsleiter reiche es, wenn dank optimaler Kälte die Qualität seiner Produkte stimmt. Der Energiemanager achte aber darauf, dass der CO2-Einsatz je produziertem Teil jährlich um zwei und mehr Prozent sinkt. Gantner: „Davon profitiert die Umwelt, die Firma spart langfristig Ausgaben und auf den Vertrieb wirkt Energieeffizienz zunehmend absatzfördernd."

Den Pariser Klimazielen 30 Jahre voraus

Gute Beispiele dafür sind etwa der Waldenbucher Schokoladen-Hersteller Ritter Sport, dessen Geschäfte hervorragend laufen, oder der Münchner Senf-Hersteller Develey. Beide Produzenten wollen bis 2020 CO2-neutral produzieren. Damit sind sie den Pariser Klimazielen durch engagiertes Handeln 30 Jahre voraus. Ritter Sport forstet zudem weltweit Kakao-Plantagen und Wälder, die CO2 binden, mit bäuerlichen Kooperationen auf. Diese verzichten auf Pestizide und Kinderarbeit und garantieren den Erzeugern faire Einkommen.