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Medien, Freiheit und die Deutsche Welle

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Immer im Juni wird Bonn für einige Tage zum Medien-Mekka. Dann lädt die Deutsche Welle zum Global Media Forum (GMF) ein. Die dreitägige Konferenz des Auslandssenders ist ein globales Top-Ereignis an der Schnittstelle von Medien, Politik und internationaler Zusammenarbeit.

Große Mühe geben sich die Bonner bei der Themenwahl: Im neunten Jahr stand die Konferenz unter der Überschrift "Medien, Freiheit, Werte".

Abermals fanden sich über 2000 Gäste ein; sie kamen aus über 100 Länder in die umgebauten Räumlichkeiten des alten Bundestages. Die meisten waren Medienschaffende, hinzu kamen Vertreter der Zivilgesellschaft und Politiker aus nah und fern. Das ist eine gute Mischung, wenn es darum geht, ein Bild von der Lage der Medien in der Welt zu malen, über die Chancen dieser Branche, aber auch die zahlreichen Herausforderungen zu informieren.

Das Global Media Forum will auch ein Forum sein für die Präsentation innovativer Konzepte. Dabei geht es weniger um technologische Aspekte; dies ist keine Technik-Messe. Im Vordergrund stehen die gesellschaftspolitischen Wirkungen des medialen Wandels, der keine Pause kennt.

Paradigmenwechsel

Ein Paradigmenwechsel hat stattgefunden: Längst verflogen sind Optimismus und Hype vergangener Jahre, wenn es um die sozialen Medien geht. Wurden digitale Netzwerke wie Facebook, Twitter und YouTube von vielen als politische Heilsbringer verklärt, hat sich die Stimmung eingetrübt. Vor nicht langer Zeit feierten Referenten aus Arabien und Afrika in Bonn die emanzipative Kraft der sozialen Medien. Jetzt brachten die Experten dieselben Medien eher mit Manipulation und Desinformation in Verbindung.

"Im digitalen Zeitalter ist es wesentlich leichter geworden Falschinformationen und Manipulation zu verbreiten", sagte DW-Intendant Peter Limbourg. In einer Videobotschaft an die Delegierten wiederholte Bundespräsident Joachim Gauck diese traurige These fast wortgetreu.

Manipulationen und Fälschungen sind die eine Dimension des Problems, Einschränkungen der Presse- und Meinungsfreiheit eine weitere. In Bezug auf diese Grundfreiheiten ist die Welt eine schlechtere geworden, belegen internationale Studien.

Die Einschränkungen der Medienfreiheit gehen nicht allein auf staatliche Verbote und Zensur zurück. Heimtückischer, bisweilen auch gefährlicher ist das illiberale Wirken der so genannten nicht-staatlichen Akteuren. Wenn Terrorgruppen Medien angreifen und Journalisten ermorden, führt das zu einer Einschüchterung, die vielerorts die Vorstufe von Selbstzensur ist.

Das sehen wir zum Teil sogar in westlichen Demokratien, wesentlich dramatischer sei die Erosion der journalistischen Freiheit in Staaten der arabischen Welt, in Teilen Asiens und Afrikas, wo liberale Journalisten um ihr Leben fürchten müssen.

Die Einschränkung der Meinungsfreiheit hat weitgehende politische Konsequenzen: „Das Ende der Meinungsfreiheit ist der Anfang vom Ende der Demokratie", formuliert Intendant Limbourg den Zusammenhang. In der Konsequenz ist internationale Medienförderung auch Demokratieförderung. In diesem Bereich leisten die Deutsche Welle und die ihr angeschlossene DW Akademie wichtige Dienste.

Am Rande des Forums kam die Rede auch auf Deutschland. Hiesige Referenten verwiesen auf die Gefahr, die davon ausgehe, dass Populisten die Medien als "Lügenpresse" diffamieren. Für Delegierte aus Ländern, in denen Journalisten regelmäßig umgebracht werden, ist dies allerdings allenfalls ein Luxusproblem.

Nicht zuletzt den sozialen Medien ist geschuldet, dass wir heute über mehr Informationen verfügen als jemals zuvor in der Menschheitsgeschichte. "Doch sind wir deshalb besser informiert?" fragte - durchaus rhetorisch - die Programmdirektorin der Deutschen Welle Gerda Meuer.

Vieles, was über die Bildschirme läuft, hat eingeschränkten Nutzwert. Neben Ramsch, Spam und unendlichen Banalitäten ist das Internet zunehmend auch ein bevorzugter Kanal zur Verbreitung gefährlicher Inhalte. Es sei eine Mär, dass die Radikalisierung der Jihadisten einzig über Online-Kanäle erfolgt, erklärte eine Professorin aus Paris.

Der "Trigger", der das Abdriften in die islamistische Gewaltsszene auslöse, sei meist eine Erfahrung in der realen Welt. Gleichwohl: Die elektronischen Medien sind längst zu einem Rekrutierungsfeld des internationalen Terrorismus geworden und somit zu einer Waffe im Kampf der Freiheitsfeinde gegen die westlichen Werte.

Zensur und Verbote allein sind keine geeigneten Waffen, um der Gefahr Herr zu werden. Ein probates Mittel sei die Förderung der Medienkompetenz der Bürgerinnen und Bürger. Hier sind Schulen, Universitäten, und auch die Medien gefordert.

Wer die Freiheit beschützen will, darf sie nicht durch die Hintertür abschaffen. So lautete eine zentrale Botschaft der Bonner Diskussionen.

Freiheit ist ein wertvolles Gut, das es zu schützen und zu fördern gilt - auch auf der Ebene der internationalen Beziehungen. Es ist gut, dass das Freiheitsthema beim Global Media Forum im Mittelpunkt stand; noch besser ist, dass das Thema längst einen festen Platz in den Programmen des deutschen Auslandssenders einnimmt.

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