BLOG

Eine offene Plattform für kontroverse Meinungen und aktuelle Analysen aus dem HuffPost-Gastautorennetzwerk

Prof. Dr. Rolf Tilmes Headshot

Warum Anleger nicht auf den Ausgang der Bundestagswahl 2017 spekulieren sollten

Veröffentlicht: Aktualisiert:
Drucken

Es sind nur noch wenige Wochen, dann wird in Deutschland der neue Bundestag gewählt. Bei der Wahl zum 19. Deutschen Bundestag am 24. September 2017 werden nach Angaben des Statistischen Bundesamtes etwa 61,5 Millionen Deutsche die Qual der Wahl haben, davon 31,7 Millionen Frauen und 29,8 Millionen Männer. Doch die Richtungsentscheidung im bevölkerungsreichsten Land der Eurozone lässt die Mehrzahl der Bürger trotz des TV-Duells der Spitzenkandidaten bislang noch kalt. Das war vor ein paar Monaten in den Niederlanden und Frankreich ganz anders.

Dabei ist der genaue Ausgang der Wahl noch ziemlich offen. Immerhin 42 Parteien nehmen an der Wahl teil. Die möglichen Optionen stehen seit Wochen und Monaten im Fokus: Wie geht es aus, wer geht mit wem ein Bündnis ein? Gibt es diesmal Jamaika, Schwarz-Grün, Schwarz-Gelb oder doch wieder GroKo? Tatsächlich gibt es eine ganze Reihe möglicher Koalitionen, was - je nach Konstellation - Einfluss auf die künftige Wirtschaftspolitik und die Finanzmärkte haben kann.

Klar ist: Die wirtschaftliche Zukunft des Landes würde unter einer Großen Koalition mit Bundeskanzlerin Merkel an der Spitze anders aussehen als etwa bei einer Rot-Rot-Grünen Regierung. Das verdeutlicht auch ein Blick in die Wahlprogramme der Parteien. So will die CDU/CSU die Einkommensteuer generell senken und eine Finanztransaktionssteuer einführen, während die SPD nur kleine und mittlere Einkommen entlasten, Großverdiener stärker belasten und die Mietpreisbremse verschärfen will.

Liberalisierung oder Regulierung?
Ebenfalls eine Senkung der Abgabenlast haben sich die Grünen auf die Fahnen geschrieben, während die Linke nach eigener Aussage für Alternativen zum Kapitalismus kämpft und die Finanzmärkte beschränken will. Die AfD dagegen ist für die Aufhebung von Klimaschutzabkommen und tritt für den Austritt aus der Währungsunion ein, während die FDP für mehr Eigenverantwortung und Liberalisierung steht.

Der Ausgang der Bundestagswahl wird somit auch für Sparer und Anleger entscheidend sein. Gerade die unterschiedlichen Steuerpläne der Parteien haben zum Teil gravierende Auswirkungen auf die Höhe des zur Verfügung stehenden Haushaltseinkommens. Diese Differenzen können sich nach der Wahl spürbar im Portemonnaie der Bürger bemerkbar machen. Doch auch die Finanzmarkttransaktionssteuer, die einige der Parteien fordern, würde Auswirkungen für Anleger haben. Sie soll nach Aussagen ihrer Befürworter kurzfristige Spekulation verteuern und weniger attraktiv machen.

Politische Börsen haben kurze Beine
Es mag deshalb reizvoll erscheinen, mögliche Wahlausgänge schon vorher im Portfolio zu berücksichtigen. Doch davon rate ich Anlegern dringend ab. Zum einen ist der Ausgang solcher Wahlen kaum seriös zu prognostizieren und zum anderen reagieren Börsen, wenn überhaupt, nur kurzfristig. „Politische Börsen haben kurze Beine" heißt nicht von ungefähr eine bekannte Börsenweisheit.

Das bedeutet aber nicht, dass Anleger die Hände in den Schoß legen und alles, was da kommt, einfach hinnehmen sollten. Doch Hektik oder sogar Panik sind ein schlechter Ratgeber. Anleger sollten ihr Portfolio vielmehr langfristig ausrichten, am besten mit professioneller Unterstützung durch unabhängige Finanzplaner. Und politische Ereignisse wie Wahlen im besten Fall als Anlass nehmen, um die strategische Ausrichtung zu überprüfen.

Denn ohne Zweifel hat die Politik in den vergangenen Jahren immer mal wieder die Finanzmärkte auf Trab gehalten. Schließlich gab es eine ganze Reihe folgenschwerer Entscheidungen: das Brexit-Votum, die Wahl des neuen US-Präsidenten sowie die Wahlen in den Niederlanden und Frankreich. Und bei jeder dieser Entscheidungen wurde im Vorfeld viel über den potenziellen Ausgang und die möglichen Folgen spekuliert.

Langfristige Portfolio-Ausrichtung entscheidend
Das Portfolio aber vorab kurzfristig darauf auszurichten, bringt Anlegern unter dem Strich nichts. Warum, das zeigt die jüngste Erfahrung. Zum einen gingen insbesondere das Brexit-Votum und die US-Wahlen anders aus als erwartet. Zum anderen war die Reaktion der Börse, wenn es überhaupt zu einer kam, nur kurzfristiger Natur. Anders sieht es aus, wenn die Wahl vorbei ist. So kann es beispielsweise durchaus Sinn machen, ein Portfolio angesichts eines US-Präsidenten Trump zu hinterfragen. Schließlich kündigte dieser einerseits Steuererleichterungen und Ausgabenerhöhungen an, andererseits aber auch protektionistische Maßnahmen. Langfristig kann das, wenn es umgesetzt wird, sehr wohl Auswirkungen auf die Kapitalmärkte haben.

Klar ist: Politische Entscheidungen haben immer auch Einfluss auf die gesamte Finanzplanung. Deshalb ist die Bundestagswahl ein guter Anlass, einmal genauer über die persönliche Finanzplanung nachzudenken. Politische Rahmenbedingungen können sich ändern, und deshalb ist es sehr wichtig, das Portfolio regelmäßig zu analysieren und falls nötig anzupassen.

Kosten und Nerven schonen
Mit Hilfe einer umfassenden Analyse der derzeitigen Vermögenssituation, der Risikoeinstellung und einer Liquiditätsrechnung sollten Anleger Lösungsansätze suchen, mit denen sie sich besser auf politische Entwicklungen vorbereiten können. Professionelle Finanzplaner können hier die nötige Unterstützung bieten. Sie arbeiten mit modernen Analysetools und können so die Auswirkungen zu erwartender grundlegender politischer Richtungsänderungen auf ein Portfolio analysieren. Und darauf basierend Empfehlungen erarbeiten, ob und wie Anleger ihr Portfolio strategisch anpassen sollten. Wer so vorgeht anstatt voreilig zu handeln, spart Kosten und Nerven.

____

Lesenswert:

Leserumfrage: Wie fandet ihr uns heute?

2017-03-08-1488965563-6721107-iStock482232067.jpg

Ihr habt auch ein spannendes Thema?
Die HuffPost ist eine Debattenplattform für alle Perspektiven. Wenn ihr die Diskussion zu politischen oder gesellschaftlichen Themen vorantreiben wollt, schickt eure Idee an unser Blog-Team unter blog@huffingtonpost.de.

googletag.pubads().setTargeting('[cnd=cld]').display('/7646/mobile_smart_us', [300, 251],'wxwidget-ad');