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Warum Anleger auch bei Dividendenstrategien genau hinsehen sollten

03/08/2017 13:10 CEST | Aktualisiert 03/08/2017 13:10 CEST
Yozayo via Getty Images

Dass Dividendenstrategien seit einiger Zeit Hochkonjunktur haben, kann kaum überraschen. Schließlich gibt es bei Zinsanlagen kaum noch etwas zu verdienen. Und sollten die Zinsen in nächster Zeit steigen, dann drohen bei festverzinslichen Wertpapieren sogar Kursverluste. Es braucht also Alternativen. Und da kann eine Dividendenstrategie interessant sein. Ich muss aber davor warnen, diese mit einer Zinsanlage gleichzusetzen oder einfach nur nach jenen Titeln zu greifen, die aktuell die höchsten Dividendenrenditen bieten. Denn dann sind Enttäuschungen programmiert.

Aber von vorn. Über 32 Milliarden Euro schütten allein die 30 DAX-Unternehmen in diesem Jahr an ihre Aktionäre aus. Nimmt man die MDAX-, SDAX- und TecDAX-Firmen dazu, dann sind es sogar über 42 Milliarden Euro. Dazu kommt, dass die Dividendenrenditen mancher Aktien bei über drei Prozent und mehr liegen. Sie sind damit deutlich attraktiver als zehnjährige Bundesanleihen, die aktuell gerade Mal 0,34 Prozent abwerfen.

Allerdings müssen Anleger die Besonderheiten von Ausschüttungen berücksichtigen. Denn anders als der Zinskupon einer Anleihe ist die Dividende vom Geschäftsverlauf des Unternehmens abhängig. Laufen die Geschäfte schlecht, dann können die Ausschüttungen gekürzt werden und auch ganz ausfallen. Noch schlimmer kann es kommen, wenn eine Firma trotz schlechter Geschäfte hohe Ausschüttungen vornimmt. Reicht der Cashflow nämlich nicht für die Dividendenzahlungen, dann muss die Firma dafür die Substanz angreifen. Und das kann über kurz oder lang das Bestehen eines Unternehmens gefährden.

Kursschwankungen berücksichtigen

Aber Dividendenjäger müssen noch mehr berücksichtigen. Auch wenn oft propagiert wird, dass die Kurse gerade von Dividendentiteln mit nachhaltig stabilen Ausschüttungen weniger stark schwanken, so bleiben es doch Aktien. Selbst eine Dividendenrendite von drei oder vier Prozent kann in wenigen Stunden aufgezehrt sein, wenn der Aktienkurs wegen schlechter Unternehmenszahlen oder negativer Marktstimmung einbricht.

Um diese Risiken zumindest zu reduzieren, sollten Anleger Verschiedenes beachten. Zuallererst ist es wichtig, die Dividendenstrategie unbedingt langfristig anzulegen. Denn nur wer einen Anlagehorizont von vielen Jahren hat, für den spielen kurzfristige Kursschwankungen keine Rolle und derjenige kann zwischenzeitliche Kursverluste aussitzen. Schließlich kehrten die Aktienkurse auch nach längeren Schwächephasen in der Vergangenheit stets zu ihrem langfristigen Durchschnittswert zurück. Eine Garantie für die Zukunft ist das jedoch nicht.

Genau analysieren und breit streuen

Eng damit verbunden ist der zweite wichtige Punkt: Nämlich die gründliche Analyse der Dividendentitel. Anleger sollten, so sie das unverhältnismäßig höhere Risiko einer Einzeltitelauswahl eingehen wollen, auf eine hohe Qualität der Unternehmen, also eine solide Bilanz, hohe Cashflows und ein etabliertes Geschäftsmodell, achten und Dividendenaristokraten bevorzugen. Das sind Unternehmen, die in der Vergangenheit bewiesen haben, dass sie auch in wirtschaftlich schwierigen Zeiten ihre Dividende nicht kürzen mussten, über lange Zeiträume ihre Ausschüttung mindestens stets beibehalten haben oder - noch besser - steigern konnten.

Der dritte Punkt betrifft schließlich eine ausreichende Streuung. Auch ein noch so gründlich ausgewähltes Unternehmen kann irgendwann aufgrund strategischer Fehlentscheidungen in Schwierigkeiten geraten. Dann droht vielleicht ein Kurseinbruch, die Kürzung der Dividende oder gar der Konkurs. Um solche Risiken abzufedern, sollten Investoren stets auf eine Vielzahl an Titeln, idealerweise auf mehrere Tausend große, mittlere und kleine Aktiengesellschaften aus dem In- und Ausland, setzen.

Nicht auf professionelle Unterstützung verzichten

Auch deshalb dürften für die meisten Anleger aktiv gemanagte Fonds oder passive Indexstrategien auf Basis von Exchange Traded Funds (ETF), die automatisch breiter streuen, die passendere Alternative sein. Dabei gilt grundsätzlich, dass Einzeltitelstrategien und aktiv gemanagte Fonds ein Vielfaches an höheren Kosten- und Managementrisiken aufweisen als ETF-Anlagen. Zudem sollten Anleger bei börsengehandelten Indexfonds, aber auch bei klassischen Investmentfonds darauf achten, dass die Titelauswahl auf einer fundamentalen Analyse oder einem Fundamentalindex basiert und dort idealerweise Dividendenaristokraten bevorzugt werden.

Insgesamt kommen Anleger aus meiner Sicht nicht darum herum, neben ihrer persönlichen Risikobereitschaft auch das bestehende Portfolio, den Anlagehorizont und ihre Vermögensverhältnisse zu berücksichtigen. Nur so lässt sich festzustellen, ob und welche Art des Investments sich wirklich eignet. Aus diesem Grund zahlt es sich in jedem Fall aus, auf professionelle Hilfe zu setzen. Ein professioneller und unabhängiger Finanzplaner kann überprüfen, ob die Dividendenstrategie zu einem Anleger passt und welche Art der Umsetzung im Einzelfall die passende ist. Nur so können Anleger wirklich sichergehen, dass sie Freude an dieser Strategie haben und am Ende nicht enttäuscht werden.

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