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Sorgfalt beim Trendthema Infrastruktur notwendig

19/06/2017 18:39 CEST | Aktualisiert 19/06/2017 18:39 CEST
EXTREME-PHOTOGRAPHER via Getty Images

Jedes Mal, wenn Investment-Stories zu überzeugend klingen, fangen bei mir die Alarmglocken an zu läuten. Aktuell gilt das für das Thema Infrastruktur. So zeigen zahlreiche Studien auf, dass Straßen, Flughäfen oder Wasserleitungen weltweit veraltet und für die wachsende Weltbevölkerung längst nicht ausreichend sind. Die konkreten Zahlen kommen dann von internationalen Organisationen wie der OECD, die zum Beispiel darauf verweist, dass weltweit mehr als 40 Billionen US-Dollar bis zum Jahr 2030 in Infrastruktur investiert werden müssen. Gleichzeitig haben Politiker in den USA, in Europa und in Asien in den vergangenen Monaten höhere Ausgaben für Infrastruktur in Aussicht gestellt. Und schließlich gehen Regierungen aufgrund leerer Staatskassen dazu über, private Investoren mit ins Boot zu holen.

Und genau hier kommen die Anleger in Spiel: Die massiven notwendigen und auch angekündigten Infrastrukturmaßnahmen treffen nämlich auf das derzeitige Niedrigzinsumfeld. Und mit Anlageprodukten auf das Thema Infrastruktur, so die Idee vieler Produktanbieter, können Anleger dem Problem der niedrigen und zum Teil negativen Zinsen ein Schnippchen schlagen. Denn dieser künftig boomende Bereich wird für die Investoren hohe Renditen abwerfen.

Infrastruktur ist nicht gleich Infrastruktur

Das alles klingt auf den ersten Blick außerordentlich überzeugend. Ganz so einfach ist es bei näherem Hinsehen aber nicht. Denn erstens profitiert nicht jede Art von Infrastrukturinvestment gleichermaßen von dieser Story. Und zweitens eignet sich nicht jede Art von Investment für jeden Anlegertyp.

Lassen Sie mich mit dem ersten Punkt beginnen. Damit eine Geldanlage in Infrastruktur tatsächlich eine Antwort auf das aktuelle Niedrigzinsumfeld bieten kann, sollte diese nachhaltig stabile Ausschüttungen liefern. Das ist aber nicht bei allen Infrastrukturinvestments, die angeboten werden, der Fall. So werden manchmal auch Bauunternehmen oder Fluggesellschaften in diesem Zusammenhang genannt. Sie können zwar in der Tat von einem Ausbau der Infrastruktur profitieren, deren Geschäft ist aber auch noch von anderen Faktoren abhängig - bei Fluggesellschaften ist dies zum Beispiel der Ölpreis. Wer nachhaltig stabile Erträge sucht, ist bei diesen Anlagen deshalb nicht gut aufgehoben.

Denn die eigentliche Idee, und sie ist tatsächlich spannend, ist eine andere: Es gibt in diesem Bereich Unternehmen, die in zum Teil staatlich geschützten Bereichen mit hohen Eintrittsbarrieren tätig sind und die deshalb nur geringem Wettbewerbsdruck ausgesetzt sind. Sie können ein weitgehend konjunkturunabhängiges Geschäft betreiben und auf diese Weise regelmäßige und stabile Cashflows erwirtschaften. Das klassische Beispiel dafür ist der Betreiber einer Mautstraße. Und nur bei solchen Firmen profitieren Anleger wirklich von einer stabilen Dividende oder einer vergleichsweise hohen laufenden Verzinsung.

Dazu kommt nun aber, dass es ganz unterschiedliche Anlagearten gibt. Angefangen von Anleihen, über Aktien bis hin zu Direktinvestments. Für eher vorsichtig ausgerichtete, konservative Anleger könnten Infrastrukturanleihen von Unternehmen, die regelmäßige und stabile Cashflows erwirtschaften, interessant sein. Zu beachten ist dabei allerdings, dass die höheren erwarteten Renditen auch durch das Eingehen höherer Liquiditäts- und Bonitätsrisiken erkauft werden. Dazu kommt, dass es hier bislang noch kaum Anlagemöglichkeiten gibt.

Immer auf die persönliche Risikoneigung achten

Die meisten Anleger werden deshalb bei Direktanlagen, die eher der Kategorie Private Equity zuzuordnen sind, oder bei Aktien landen. Dabei ist aber gerade bei direkten Infrastrukturinvestments über geschlossene Fondsstrukturen Vorsicht angebracht. Diese sind nämlich meist teuer und in der Regel kaum liquide. Anleger können solche Produkte also nicht rasch verkaufen und wenn, dann oft nur mit erheblichen Verlusten. Und schließlich sind diese Fonds wenig transparent und es ist für Privatanleger kaum möglich, bei den Fonds und deren Anbietern die guten von den schlechten zu unterscheiden.

Bleiben Aktien. Diese sind neben einer Direktanlage über Investmentfonds oder Exchange Traded Funds einfach und oft auf transparente Weise zugänglich. Und Anleger bleiben damit liquide. Allerdings müssen Investoren hier berücksichtigen, dass sie dem Aktienmarktrisiko ausgesetzt sind. Fallen dort die Kurse, dann werden sich Infrastrukturaktien dem kaum entziehen können, auch wenn deren Kurse oft nicht ganz so stark schwanken.

Dies zeigt schon, was ich meine: Auch wenn das Thema noch so überzeugend und einfach klingen mag, es ist unter dem Strich doch komplex. Und entsprechend hoch ist die Gefahr, in diesem Bereich auf das falsche Vehikel zu setzen und Risiken einzugehen, die man gar nicht eingehen will. Anleger sollten sich deshalb Unterstützung bei professionellen Finanzplanern holen. Diese können feststellen, ob überhaupt und wenn ja, welche Art von Infrastrukturinvestments zur individuellen Risikoneigung und zum Anlagehorizont eines Anlegers passt. Und sie können bei der Auswahl geeigneter Produkte wertvolle Hilfestellung leisten. Sonst kann ein Infrastrukturinvestment schnell zur herben Enttäuschung werden.

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