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Private Equity: Ertragsstark, aber nicht für jeden geeignet

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PRIVATE EQUITY
Dutko via Getty Images
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Private Equity, die Beteiligung an nicht börsennotierten Firmen, gilt als renditestark und unkorreliert zu traditionellen Anlageklassen. Das sind zwei gewichtige Argumente, die für diese Anlageklasse sprechen. Für Privatanleger lauern hier jedoch zahlreiche Fallstricke - die am Ende zu herben Enttäuschungen führen können.

Die Idee hinter Private Equity klingt zunächst einmal sehr überzeugend. Das Management eines Private-Equity-Fonds sucht nach geeigneten Unternehmen, in die es investieren kann. Dies können sehr junge Firmen mit hohen Ertragschancen sein, reifere Unternehmen, die expandieren wollen oder auch Firmen, in denen versteckte Potenziale schlummern und die sich durch operative Verbesserungen heben lassen. So kann sich der Wert des Zielunternehmens steigern lassen und die erworbenen Anteile können später mit hohem Gewinn wieder verkauft werden - sei es über einen Börsengang oder durch einen Verkauf an strategische Investoren.

Das kann ein sehr einträgliches Geschäft für den Investor sein. Laut Zahlen von Cambridge Associates zum Beispiel hat diese Anlageklasse gemessen am Global Buyout Index in den vergangenen 20 Jahren ein sagenhaftes Plus von über 13 Prozent pro Jahr gebracht. Zum Vergleich: Beim amerikanischen Aktienindex S&P 500 waren es nur knapp zehn Prozent, der Weltaktienindex MSCI World brachte sogar nur knapp sieben Prozent und globale Anleihen rentierten mit etwas mehr als sechs Prozent. Dazu kommt als weiteres Argument, dass es bei Private Equity keine täglichen Börsenkurse gibt. Auch wenn der Wert der Zielunternehmen schwankt, entwickelte sich diese Anlageklasse gerade in turbulenten Marktphasen deshalb dennoch stabil.

Private-Equity-Fonds: Extrem große Unterschiede

Das alles klingt nach dem perfekten Investment. Ganz so einfach ist es aber nicht, dort erfolgreich zu investieren. Zuallererst müssen Anleger bedenken, dass das gute Abschneiden dieser Investmentkategorie auf eine Besonderheit zurückzuführen ist: Nämlich auf die mangelnde Liquidität. Wer dort sein Geld anlegt, muss sich darüber im Klaren sein, dass er an dieses Kapital über Jahre hinweg nicht heran kommt. Für diese Illiquidität bekommt der Investor eine Prämie - die so genannte Illiquiditätsprämie. Ein Grund, warum Private Equity so renditeträchtig ist.

Dazu kommt, dass jeder Anleger ein anderes Risikoempfinden hat und andere Anlageziele verfolgt. Hier stellt sich die grundsätzliche Frage, ob und wie viel Private Equity ein Anleger seinem Portfolio beimischen sollte. Und welche Art von Private-Equity-Investment sich dann im individuellen Fall eignet. Schließlich gibt es Fonds, die Firmen in sehr frühen Phasen finanzieren und wo die Chancen, aber auch die Risiken enorm hoch sind. Andere dagegen fokussieren sich auf reifere Unternehmen - mit entsprechend geringeren Risiken, aber auch Chancen.

Vor allem aber gibt es kaum eine Anlageklasse, bei der die Unterschiede zwischen den besten und schlechtesten Fonds so groß sind wie bei Private Equity. Die Guten von den Schlechten zu unterscheiden, das ist eine große Kunst und erfordert zeitaufwändiges und intensives Research und sehr viel Erfahrung. Etwas, was fast nur professionelle Anlageberater leisten können. Denn wer den falschen Fonds erwischt, der wird am Ende nicht viel Freude an seinem Investment haben.

Die besten Fonds sind oft schwer zugänglich

Aber selbst wenn ein Anleger einen passenden Fonds gefunden hat, ist nicht sicher, dass er dort überhaupt investieren kann. Die besten Fonds stehen oft nur professionellen Vermögensverwaltern, die über viele Jahre den Kontakt zu einer Private-Equity-Gesellschaft aufgebaut haben, offen. Und schließlich sollten Anleger auch den Kostenfaktor berücksichtigen.

So kann ein Fonds zwar hohe Erträge mit seinen Investments erzielen, nach Abzug der Kosten aber bleibt oftmals deutlich weniger übrig, als erwartet. Vermögende Kunden und institutionelle Investoren gehen deshalb immer häufiger dazu über, direkt in nicht börsennotierte Unternehmen zu investieren und eben nicht über die oftmals recht teuren Fonds. In ganz besonderem Maße gilt das übrigens für Dachfonds. Denn bei ihnen kommt noch eine weitere Kostenstufe dazu.

Und schließlich gilt es auch innerhalb des Private-Equity-Teils in einem Portfolio breit nach Regionen und Branchen zu streuen, um die Risiken zu reduzieren. Über alle diese Aspekte müssen sich Privatanleger, die in diese Anlageklasse investieren und deren Vorteile nutzen wollen, Gedanken machen.

Vor allem aber gilt es zu bedenken, dass auch diese Investmentkategorie keine Eier legende Wollmilchsau ist, wie es so schön heißt. Wer herbe Enttäuschungen vermeiden möchte, sollte sich deshalb an einen erfahrenen und professionellen Finanzplaner wenden. Sie können Anleger beraten, ob und wie viel Private Equity individuell ratsam erscheint und helfen, passende Investmentprodukte zu finden.

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