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Neuerungen beim Garantiezins - warum Anleger jetzt dringend handeln sollten

24/03/2016 16:53 CET | Aktualisiert 25/03/2017 10:12 CET
belchonock via Getty Images

Mit der angedachten Abschaffung des Garantiezinses steht die klassische Lebensversicherungen vor dem Aus. Für die Finanzierungs- und Altersvorsorge ergeben sich daraus mitunter große Lücken. Was jetzt zu tun ist.

Erst sollte er ganz abgeschafft werden, nun bleibt er - vorerst zumindest. Die Rede ist vom Garantiezins für Lebensversicherungen. Aber unabhängig davon, ob nun endgültig abgeschafft, wie im Finanzministerium zumindest angedacht oder weiter auf dem aktuellen Tiefstand: Das Geschäft mit klassischen Lebensversicherungen wird allmählich endgültig zum Auslaufmodell.

Mit dem Garantiezins können bekanntlich Besitzer von klassischen Kapitallebensversicherungen nach Abzug der Vertragskosten sicher rechnen. Ein Großteil der mehr als 90 Millionen Verträge des Altersvorsorge-Klassikers basiert auf diesem Modell. Die Höhe des Garantiezinses wird vom Bundesfinanzministerium auf Empfehlung von Versicherungsmathematikern und der Finanzaufsicht Bafin festgelegt. Die Änderungen gelten jeweils nur für Neuverträge.

Doch für die Lebensversicherer sind die hohen Zinsversprechen in Altverträgen zum Problem geworden. Für Neuverträge liegt der Garantiezins nur noch bei 1,25 Prozent. Aber auch auf diesem geringen Niveau belasten diese starren Zusagen die Versicherer angesichts der niedrigen Zinsen. Insofern wäre meiner Ansicht nach eine Abschaffung des Garantiezinses im gegenwärtigen Niedrigzinsumfeld durchaus nachvollziehbar.

Anbieter wickeln Bestände ab

Weil das Lebensversicherungs-Geschäft künftig kaum Gewinn abwerfen dürfte, aber viel Kapital bindet, wollen einige Gesellschaften ihre Lebensversicherungs-Bestände abwickeln oder an Finanzinvestoren verkaufen. Und einige Anbieter haben dies bereits getan. Das große Problem dabei: Diese Investoren, die dann nicht im Wettbewerb um Kunden stehen, haben kein Interesse, hohe Überschussbeteiligungen an die Kunden auszuschütten. Die Rendite für Altverträge dürfte entsprechend sinken.

Die Folgen können gravierend sein. Das gilt vor allem, wenn die Verträge als Sicherheiten bei Finanzierungen dienen, beispielsweise zur Tilgung von Hypotheken. Dann kann es sehr problematisch für den Kunden werden. Außerdem können Deckungslücken schon alleine aufgrund der schwachen Überschussbeteiligung entstehen. Möglicherweise sind sie auch schon vorhanden. Ein weiteres Problem sind die bestehenden Verträge, die für die Vorsorge im Alter abgeschlossen wurden.

Die Gefahr besteht, die möglichen Auswirkungen zu verschieben beziehungsweise ganz zu ignorieren. Während im Finanzierungsbereich das Thema spätestens beim nächsten Prolongationstermin bei der Bank besprochen wird, fehlen im Altersvorsorgebereich diese Betrachtungszeitpunkte. Sie müssen manuell angestoßen werden.

Folgenschwere Auswirkungen

Das bedeutet konkret: Es besteht Handlungsbedarf. Und zwar jetzt. Denn wer seine Vorsorge vernachlässigt, muss möglicherweise im Alter länger arbeiten und kann weniger konsumieren. Die geringe Liquidität wirkt sich dann auch negativ auf das Kranken- und Pflegebudget aus. Aufgrund der Länge der Betrachtungszeiträume, die auch für einen 60-Jährigen noch 25 bis 30 Jahre betragen können, und den nicht erwirtschafteten Erträgen wirken zwei Größen auf das Budget und den Lebensstandard des Kunden, die kaum beeinflussbar sind.

Es gibt also bei den meisten Anlegern und Sparern jede Menge Gesprächs- beziehungsweise Beratungsbedarf. Im Rahmen der Beratungspflichten sollten zeitnah alle Lebensversicherungsverträge entsprechend überprüft werden, um betroffene Kunden vor zukünftigen Schaden zu bewahren.

Liquidität unter der Lupe

Entscheidend ist es, das Liquiditätsmanagement der Verbraucher genau unter die Lupe zu nehmen. Eine umfassende Liquiditätsanalyse, in der auch verschiedene Szenarien berücksichtigt werden, ist als Teil einer ganzheitlichen Vermögensplanung unerlässlich. Aufgabe des professionellen Beraters sollte es also sein, eine aktualisierte Budgetierung vorzunehmen beziehungsweise alternative Handlungsszenarien aufzuzeigen.

Wie auch immer die Lösung im Einzelnen aussieht: Das voraussichtliche Ende des Garantiezinses ist ein wichtiger Anlass für ein Beratungsgespräch. Die unangenehmen Überraschungen bleiben aus, wenn man den Finanzplanungsprozess kontinuierlich fortführt und auf Basis von regelmäßigen Updateplanungen einen Veränderungsbedarf zeitnah erkennt.

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