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Die eigenen vier Wände - darauf gilt es zu achten

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BUILDING HOUSE
Jetta Productions via Getty Images
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Immer mehr Menschen hierzulande spielen mit dem Gedanken, sich ein Haus oder eine Wohnung für die Eigennutzung zu kaufen. Sie sollten sich dabei aber die richtigen Gedanken machen.

Verglichen mit den meisten Ländern in Europa haben die Bundesbürger in Sachen Wohneigentum Nachholbedarf. In Spanien zum Beispiel besitzen nach Angaben des Datenanbieters Statista fast 79 Prozent der Menschen eine Wohnung oder ein Haus, in Italien sind es rund 73 Prozent und in Frankreich etwa 65 Prozent. Hierzulande scheinen dagegen viele Menschen die Mietzahlung zu bevorzugen. Mit nur 52,5 Prozent ist die

Wohneigentumsquote vergleichsweise niedrig

Dabei kann Wohneigentum durchaus seinen Reiz haben. Dazu zählt natürlich das Wohlbefinden, in den eigenen vier Wänden zu leben, keinen Vermieter mehr zu haben und sich nicht mehr über Mieterhöhungen ärgern zu müssen.

Dazu kommt aber vor allem der Vorteil, für die private Altersvorsorge etwas zu tun, zum Beispiel um die selbst genutzte Immobilie irgendwann zu verkaufen und damit zusätzliche Liquidität für den Ruhestand zu haben. Zunehmendes Interesse an den eigenen vier Wänden

Diesen Schritt gerade jetzt zu wagen, kann durchaus Sinn machen. Tatsächlich denken derzeit immer mehr Menschen darüber nach, sich ein Haus oder eine Wohnung anzuschaffen, um selbst darin zu leben. Das zumindest belegen zahlreiche Umfragen.

Laut der aktuellen Verbraucherumfrage ‚bau-o-meter' von Town & Country zum Beispiel hat unter den Normalverdienern mit einem Haushaltsnettoeinkommen zwischen 2.000 und 3.500 Euro monatlich mehr als jeder Zweite Interesse, ein Haus zu bauen oder zu kaufen.

Die Gründe dafür liegen auf der Hand: Selten war die Finanzierung dafür so günstig wie jetzt. Vor rund 15 Jahren musste ein Kreditnehmer für ein Hypotheken-Darlehen schätzungsweise rund dreimal so viel zahlen wie heute. Der Grund sind die extrem niedrigen Zinsen.

Allerdings ist der Erwerb von Wohneigentum zur Eigennutzung, anders als der Kauf einer Immobilie zu Investitionszwecken, keine Geldanlage. Vielmehr handelt es sich genau genommen um eine spezielle Form des Konsums. Es ist schließlich egal, ob jemand bis an sein Lebensende Miete zahlt oder eine Immobilie abbezahlt. Schließlich muss eine Familie ja irgendwo wohnen.

Grenzen der eigenen finanziellen Belastbarkeit berücksichtigen

Aus diesem Grund ist die Entscheidungsgrundlage, ob sich dieser Schritt lohnt, auch eine andere als bei der Geldanlage. So spielt in diesem Fall die Mietrendite keine Rolle. Allerdings muss ein Käufer in der Lage sein, sein Darlehn zu bedienen - auch wenn die Finanzierungskonditionen aktuell günstig sind.

Dabei kann es helfen, die Höhe der bisherigen Mietzahlung als Maßstab zu nehmen. Wenn diese bislang ohne größere Schwierigkeiten in jeder Lebensphase geleistet werden konnte, dann ist das eine sehr gute Indikation für die finanzielle Belastbarkeit durch die Finanzierung.

Zu bedenken ist aber, dass die Belastung bei steigenden Zinsen, anders als bei der Miete, plötzlich stark zunehmen kann. Um abschätzen zu können, wie sich ein Anstieg der Zinsen auf die eigene finanzielle Situation auswirkt, kann die Unterstützung durch einen professionellen Finanzplaner sinnvoll sein.

Diese Experten können mit Hilfe von entsprechenden Analysetools die Auswirkung eines Zinsanstiegs auf die eigene Vermögenssituation durchrechnen und so einen wichtigen Beitrag zur Entscheidungsfindung leisten.

Wohnungsmarkt Deutschland driftet auseinander

Wer darauf spekuliert, die eigengenutzte Immobilie irgendwann zu verkaufen, sollte aber auch auf den Standort achten. Denn schließlich ist es ärgerlich, wenn das Haus oder die Wohnung im Laufe der Zeit an Wert verliert. Wie sich der Wohnungsmarkt in Deutschland in den kommenden Jahren entwickeln wird, das hat das Wirtschaftsforschungsunternehmens Prognos jüngst untersucht.

Und es kam zu dem Ergebnis, dass dieser in den kommenden Jahren noch weiter auseinanderdriften wird. Demnach werden bis 2030 bei gleich bleibender Bautätigkeit in den zehn beliebtesten Regionen Deutschlands, also vor allem in den Großstädten und Ballungszentren, insgesamt bis zu 940.000 Wohnungen fehlen. Entsprechend, so die Schlussfolgerung, werden dort die Preise weiter anziehen.

Dagegen droht in strukturschwachen Gebieten ein massiver Leerstand. Und bis 2045 wird sich die Spaltung des Wohnungsmarktes der Studie zufolge noch weiter zuspitzen. In rund 53 Prozent der Regionen hierzulande wird dann das Wohnungsangebot die Nachfrage deutlich übersteigen. Einen ausgeglichenen Wohnungsmarkt wird es nur noch in jeder zehnten Region geben.

Ballungszentren wenn möglich bevorzugen

Da in den großen Ballungszentren in den kommenden Jahren mit hohem Zuzug zu rechnen ist, besteht dort die größte Chance, dass die Preise langfristig steigen und die Immobilie im Wert zulegt. Allerdings besteht in den beliebtesten Wohngegenden auch die Gefahr, einen Preis zu zahlen, der möglicherweise den finanziellen Rahmen sprengt.

Käufer sollten sich deshalb professionelle Unterstützung holen. Ein Finanzplaner kann genau analysieren, ob der Erwerb einer Immobilie zum Eigennutz finanziell machbar ist, er kann individuell passende Finanzierungsangebote finden und analysieren, wie sich ein solcher Kauf auf die Einnahmen- und Ausgabensituation des Käufers auswirkt.

Und rät im Zweifelsfall auch ab. All das ist wichtig, denn schließlich ist der Kauf einer Wohnung oder eines Hauses für die langfristige Finanz- und auch Lebensplanung von immenser Bedeutung.

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