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Wo ist eigentlich die "Lügenpresse" hin?

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Mit Sergej Nussbaum, zur Zeit in Tel Aviv.

Ist Ihnen etwas aufgefallen? Nein, na da denken Sie doch noch einmal scharf nach. Genau! Wo ist eigentlich der Vorwurf hin, es gäbe eine "Lügenpresse"? Einfach weg...! Stattdessen spricht das ganze Land von "postfaktischen" Nachrichten und "Fake News". Man nennt so etwas auch den Umkehrtrick. Aber der Reihe nach.

Das Volk maulte ein wenig zu laut?

Einem Teil des Volkes gefiel es nicht, dass Bundeskanzlerin Merkel ihre Politik für alternativlos erklärte. Nun ja, ist auch eine etwas merkwürdige Haltung in einer Demokratie, die vom Wettbewerb der Ideen leben sollte. Also entstand eine neue Partei, die AfD und diese Pegida Demonstrationen. Man kann davon halten, was man will, aber sie waren Fakt. Echt gut besucht, anfangs viele Bürger aus der arbeitenden Mitte, und es gab große Aufregung darüber, dass die Medien eine "Lügenpresse" wären. Der Vorwurf erschütterte das Land und die Talkshows redeten über kaum etwas anderes.

Es wurde radikaler...

Bald verschob sich Zusammensetzung der Teilnehmer, die AfD wanderte noch ein Stück weiter nach rechts. Denken Sie darüber, was Sie wollen. Hier geht es um den einen Aspekt, jenen des "Lügenpressevorwurfs", egal ob berechtigt oder unberechtigt. Denn sein Schicksal lehrt uns etwas.

Lügenpresse! Wirklich?

Natürlich gibt es nicht die eine Presse und auch lügen nicht alle Journalisten, weil sie zu doof sind oder bestechlich oder politisch beeinflusst. Nein, so geht das nicht. Die Sache ist viel einfacher. Es gab schon X Umfragen, die alle zeigen, dass die Mehrheit der deutschen Journalisten mehr oder weniger rot-rot-grün ticken, oder "r2g" wie die linke Einheitsfront hip genannt wird. Der Anwurf, dass viele Journalisten nicht gerade rechts schreiben, ja er scheint nicht ganz falsch. Der Vorwurf, es würde sich um bewusste Lügen handeln, ist dagegen eine Verschwörungstheorie. Macht es das besser? Nein. Es wäre ja mal ein lohnenswertes Unterfangen, wenn mehr konservativ gesinnte Schreibtalente in diesen Beruf gehen würden. Aber diese Leute zieht es mehr in die gut bezahlten Jobs wie Bankster oder Anwalt - und so wird die unterbezahlte deutsche Presse auch weiterhin links ein wenig überhängen.

Und dann kam der Zaubertrick?

Der traditionellen Presse und den meisten Politikern waren sowohl Pegida als auch der Vorwurf der Lügenpresse ein riesen Ärgernis. Was macht man in einer solchen Situation? Ganz einfach. Erst sorgt man dafür, dass das Phänomen Pegida so extrem wird, dass ein Normalbürger sich dort nicht mehr hin wagt. Als nächstes dreht man den Spieß um und ersetzt den Diskurs zur "Lügenpresse" mit der Behauptung, nicht die traditionellen Medien wären das Problem, sondern die neuen und alternativen Nachrichtenquellen. Diese würden Lügen verbreiten ("Fake News") und "postfaktisch" berichten, also ohne echte Fakten und nur mit Emotionen spielend.

Und das Wahljahr... kann kommen!

Die Demonstrationen beseitgt, den Vorwurf der "Lügenpresse" durch eine Vorwurfsumkehr durch "Fake News" Hysterie ersetzt - und schwupp kann das Wahljahr für die etablierten Parteien kommen. Ob das noch einer freiheitlichen Demokratie entspricht, das ist allerdings eine andere Frage. Und es ist, das muss man in aller Deutlichkeit festhalten, kein deutsches Phänomen. Es hat mehrere Epizentren. Eines ist in den USA. Wer daran zweifelt, der möge an seinem Englisch feilen und sich durch die Presse dort arbeiten. Das zweite ist Russland, das fraglos eine Medienoffensive gegen den Westen fährt. Macht der Westen zwar auch schon seit Jahren in alle möglichen Richtungen, doch die Russen haben das ganze scheinbar perfektioniert. Wie dem auch sei...

Sie können etwas tun!

Schauen Sie genau, wem Sie trauen und informieren Sie sich am besten immer aus verschiedenen Quellen. Zum Beispiel sollte man nicht vergessen, dass es mehr als ein deutschsprachiges Land gibt. Die Österreicher und die Schweizer haben auch teilweise sehr hochwertige Presseerzeugnisse und die deutschen Nachrichten des Schweizer Fernsehens sind ein Hort der Neutralität und der direkten Demokratie. Laufen auf 3Sat. Können Sie schauen. Also, nicht meckern, sondern die gegebene Informationsvielfalt nutzen. Es muss nicht immer das "heute journal" sein.

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