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Die vergessenen Retter: Tierrettungsdienste in Deutschland

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Eyecandy Images via Getty Images
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Jeder, der eine Runde durch den Park joggt, am Nachbarhaus vorbeiläuft oder sich bei Instagram, Facebook und Co. durch die Bilder der Follower klickt, wird sie finden: Haustiere aller Art. Ob es Katzen, Hunde, Hamster oder Vögel sind, sie stellen einen enormen Wert für die Besitzer dar und bieten dem Halter eine gewisse Gesellschaft, die von Tierfreunden oft als "treue Begleitung" oder sogar "Freundschaft" bezeichnet wird.

Dieses Verlangen nach einem Gefährten oder einer tierischen Familienerweiterung scheint aktueller denn je: Einer aktuellen Studie zu Folge hielten die Deutschen 2015 rund 30 Mio. Haustiere, davon 12,9 Mio. Katzen und 7,9 Mio. Hunde. Das sind über 3 Mio. mehr als noch vor 5 Jahren.

Eine Erkrankung oder sogar das Versterben der Tiere, die ein derart fester Bestandteil des Lebens der Besitzer geworden sind, ist oft schmerzhaft und wird, heute mehr denn je, präventiv, durch gute Nahrung, viel Auslauf und Interaktion versucht, so gut es geht, zu verzögern.

Doch bei Notfällen kann - genauso wie beim Menschen - meist nur noch der Rettungsdienst helfen, und der wird gerade in Deutschland immer noch sehr belächelt und eher als dekadent betrachtet: "Es sind doch nur Tiere - man sollte sich mal besser um die Menschen kümmern" hört man dann oft, dabei kommen genau diese Stimmen meist von Menschen, die die Bindung zwischen Tier und Mensch nur unzureichend kennengelernt haben, sich nicht in den Besitzer hineinversetzen können.

Tierrettungsdienstleistungen, die deutschlandweit agieren, waren vor wenigen Jahren noch Mangelware. Doch über die letzten 5 Jahre hat sich einiges verändert, mittlerweile gibt es einige Vereine wie die Tierrettung UNA, Tierrettung Deutschland oder die deutsche Tierrettung, die sich es zur Aufgabe gemacht haben Tieren in Not vor Ort zu helfen und dabei wird sich nicht zuletzt qua Professionalität an den Humanrettungsdiensten orientiert.

Um einen Einblick zu bekommen, wer diese Sanitäter sind, die meist gemeinnützig arbeiten, wofür sie rauskommen und wie wichtig deren Arbeit nicht nur für Haustiere ist, habe ich mich mit dem größten deutschen Tierrettungsservice - der Deutschen Tierrettung (DTR) - zusammengesetzt und erfahren, wie weit der Service eigentlich reicht:

(Kleiner Ausschnitt aus dem Interview)

Wenn ich merke mein Hund/meine Katze oder mein Hamster verhält sich ungewöhnlich, gibt komische Töne von sich, oder ist nicht mehr so aktiv, wie ich es gewohnt bin, rufe ich Sie dann an? Wo liegt die Grenze zwischen: Ich kann noch zum Tierarzt, oder ich muss den Tierrettungsdienst anrufen?

Grundsätzlich ist es immer gut einmal öfter den Notdienst angerufen zu haben, als hinterher mit den negativen Konsequenzen da zu stehen, jedoch ist es auch so, dass bei leicht unnormalem Verhalten nicht der Rettungsservice angerufen werden muss. Da ist es ähnlich wie beim Menschen, da gehen Sie ja auch bei leichtem Unwohlsein erst zum Hausarzt.

Die DTR fährt allerdings mehr als andere Tierrettungsdienste. Ist eine ältere Dame bspw. gesundheitlich beeinträchtigt und kann nicht mehr die Nägel ihres Hundes schneiden, kommen wir raus und übernehmen das.

Bin ich denn auch bei Ihnen richtig, wenn ich ein verwahrlostes Tier finde, das halterlos ist und nicht mehr den Weg zum Tierarzt überleben würde, oder ist dafür ausschließlich die Feuerwehr zuständig?

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Nein, das machen wir auch. Unsere Dienstleistung beschränkt sich nicht nur auf Haustiere. Wir kümmern uns um alle Arten von Tieren, die Sie verletzt in der Umgebung vorfinden können. Wenn Sie zum Beispiel eine verletzte halterlose Katze auffinden, kümmern wir uns darum, nehmen sie auf und bringen sie nach der Erstversorgung ggf. in eine Tierklinik.

Wie kann man sich die Organisation denn vorstellen? Sind Sie auch, wie die Humanrettungsdienste, rund um die Uhr, 24 Stunden, erreichbar?

Organisiert sind wir ähnlich wie der Humanrettungsdienst, wir haben einige Rettungswagen, meist ausrangierte Wagen aus der humanitären Hilfe und ein sehr kompetentes Tierrettungssanitäter-Team. Wir sind auch 24 Stunden lang einsatzfähig und kümmern uns von der Ersten Hilfe an bis zur Übergabe an die Klinik, in die wir das Tier bringen.

Der Interviewausschnitt zeigt deutlich, wie wichtig Tierrettungsdienste für das Wohl der Tiere in Deutschland sind und wie umfassend diese deutschlandweit tätig sind. Mit Hinblick auf die immer deutlicher steigende Anzahl an Haustieren ist eine Unterstützung jener Organisationen also unabdingbar und alles andere als dekadent.

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