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Theater: Viel Lärm um nichts!

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CINEMA
Ariel Skelley via Getty Images
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Der Bund der Steuerzahler ist ein löblicher Verein, der mit seiner gut geschulten Spürnase versucht, Steuerverschwendung und vermeintliche Fehlinvestitionen von Bund und Ländern aufzudecken. Das ist aller Ehren wert und gerade in der kürzlich erschienen Aprilausgabe monieren die Steuerspürnasen (wieder einmal), dass die Subventionen für Theater in Deutschland in keinem nachvollziehbaren Verhältnis zu ihrem gesellschaftlichen Nutzen stehen.

Zuschüsse in Millionenhöhe

Allein im Land Baden-Württemberg wurden im Jahr 2013 die Theater mit fast 300 Millionen Euro vom Staat unterstützt. Bei diesen Zahlen schlackern einem die Ohren und wenn man diese (Un-)Summen auf die einzelnen Besucher umrechnet, dann kommt man zu dem Schluss, dass zum Beispiel das Staatstheater Stuttgart etwa 190 Euro an staatlichen Zuschüssen für jede einzelne Karte erhält. Bei solchen Hausnummern darf wohl berechtigter Weise mal vorsichtig nachgefragt werden, wie es zu dieser Legitimation kommt, dass das Geld der Steuerzahler für den Erhalt und Betrieb der Theater in einem solchen Ausmaß verwendet wird.

Stimmen der Kritiker

Stimmen melden sich zu Wort die vorschlagen, dass weniger Programmvielfalt angeboten wird und Theater sich zusammenschließen. Sicherlich ließen sich dadurch Kosten einsparen, jedoch scheitert die Praktikabilität dieses Vorgehens an der Theaterrealität. Der Anspruch der Theaterdirektoren ist es, möglichst alle Bevölkerungsschichten anzusprechen und ihnen (aufgrund der subventionierten Kartenpreise) zu ermöglichen, eine Vorstellung zu besuchen.

In der Theorie klingt das bestechend einleuchtend, doch wenn die Direktoren mal ehrlich zu sich selbst wären, dann würde es ihnen auch wie Schuppen von den Augen fallen, dass sie mit ihren Programmen das „Bürgerlichsein" fördern und in den Theaterreihen zumeist nur Schulklassen und das vermeintliche Bildungsbürgertum zu finden sind.

Ein weiterer Kritikpunkt ist, dass durch die staatlichen Subventionen schon vor Jahrzehnten die Unabhängigkeit des Theaters begraben wurde. Dieser Aspekt führt zu kontroversen Diskussionen, denn das Deutsche Theater gehört zu den besten der Welt und ist international renommiert. Viele Regisseure und Schauspieler kommen nach Deutschland, um von den hervorragenden Bedingungen zu profitieren, die sie hier durch die staatliche Förderung vorfinden.

Ein Systemfehler?

Meiner Ansicht nach, handelt es sich hier um einen Systemfehler der sich über die Jahrzehnte verselbständigt hat und der inzwischen zu einer Normalität geworden ist, die nicht weiter hinterfragt wird von den Beteiligten. Es ist gut, wenn diese Debatte öffentlich geführt wird und kritische Stimmen zu Wort kommen. Nur so kann ein vielschichtiges Bild zutage treten, welches dann auch in den Theaterhäusern dieses Landes abgebildet wird. Ich würde es auch begrüßen, wenn die Steuergelder für eine möglichst große Zielgruppe eingesetzt werden und die Diskussion über Fördermittel, eine Qualitätssteigerung und womöglich eine neue Unabhängigkeit nach sich zieht.

Ganz schön viel Theater wird um diese Fördergelder gemacht

Also bitte liebe Steuerzahler und Entscheidungsträger, beteiligt euch an einem öffentlichen Austausch! Nur mit einer offenen Kommunikation der Kritikpunkte und Verbesserungsvorschläge können Systemanpassungen zufriedenstellend vorgenommen werden.

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