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Drama, Baby! Drama!

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MUSICAL COLOGNE
Marc Pfitzenreuter via Getty Images
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Hat die Welt nicht schon genug Drama? Ja, zu viel in der Tagesschau in Form von Krieg und Grauen. Zu wenig aber, wenn es um Herz, Emotionen und das Feuerwerk an Kreativität geht, das in unser allen lodern will und nach Luft schreit, um flackern zu können.

Kein Wunder also, das die Welt der Musicals seit Jahren bei Jung und Alt in Deutschland boomt. All den Herrschaften in der Oper, wo man die Nase rümpft über die Gattung Musical, vergessen eines: Opern und Operetten waren die Musicals der Vergangenheit. Musical ist nicht neu. Musical ist Oper - in neu.

Besucherzahlen steigen

Die Besucherzahlen steigen also kontinuierlich an, zurecht! Die Welt braucht Liebe, Lieder, Leidenschaft. Kann es davon je zuviel geben? In der Spielzeit 2013/2014 wurde in Deutschland erstmals die magische Grenze von 1,5 Millionen Musicalbesuchern überschritten, ich hatte den Boom vorhergesehen und mir seelische Prügel eingefangen von meinen Opernkollegen. Aber ich habe Recht behalten, denn die Welt braucht Drama, oh Gott, ja, Drama, Baby, Drama!

Werden wir praktisch. Woher die Begeisterung für das Genre kommt, mag unterschiedliche Ursachen haben. Einer der größten Anreize eine Musicalkarte zu kaufen, dürfte dabei sicherlich die Kombination mit einer Städtereise sein. Inzwischen haben die Veranstalter und Reiseanbieter den Musicaltourismus perfekt auf die Zielgruppe abgestimmt und werben nun seit einigen Jahren immer aggressiver, um die zahlungswillige Kundschaft.

Musicaltourismus

Im internationalen Vergleich ist diese Form des Musicaltourismus einzigartig und eine Eigenheit der Deutschen. Der Musicalbesuch wird bei uns als Anlass genommen, ein (verlängertes) Wochenende in einer der bundesweiten Metropolen zu planen und dort das Musicalevent in einen kleinen Kurzurlaub einzubetten.

Es mag auch in Zukunft vermeintlich feingeistige Kritiker geben, die sich über die ach so seichte Abendunterhaltung echauffieren und diese als gehaltlos abstempeln. Wichtig ist aber doch schlussendlich, dass die Erwartungen der Zuschauer erfüllt werden und diese während der Vorstellung eine Flut von Gefühlen durchleben, sich dabei selbst erfahren. Das Leben ist schon komplex und tiefsinnig genug. Da sei es dem Publikum doch vergönnt, einen Abend abzuschalten und in die Lebenswelt von Tarzan, Aladdin, Rollschuhen, Menschenkatzen und Co. einzutauchen.

Gebt mir mehr davon!

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