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Gesundheitsrisiken: Lebensmittel als harte Drogen

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Acht Jahre nach ihrem Bestseller „Die Joghurt-Lüge" publizieren die Autoren Marita Vollborn und Vlad D. Georgescu mit „Food Mafia" auf den Tag genau ein neues Sachbuch, in dem es um die unlauteren Methoden der Lebensmittelindustrie geht. Und die Leserinnen und Leser erfahren schnell: Skrupellosigkeit, Geldgier und das Verschweigen von Risiken gehören zu den Ingredienzien der Lebensmittelindustrie. Und die Politik - macht mit.

Beispiel Nanofood. „Die Schokolade der Zukunft macht nicht dick - selbst der Verzehr von mehreren Tafeln täglich geht ohne Gewichtszunahme der Konsumenten einher. Was heute nach Science-Fiction klingt, ist ein reales Szenario - und wird in Laboren unter Ausschluss der Öffentlichkeit entwickelt".

Tatsächlich ist die kalorienfreie Schokolade mit vollem Schoki-Geschmack nur eine Kreation der Nanofood-Branche, offenbart das Buch. Weltweit mehr als 600 Lebensmittel zählen mittlerweile zum Repertoire einer Industrie, „für die es weder gesetzliche Bestimmungen, noch Kontrollmöglichkeiten gibt - und die für den Menschen teils lebensbedrohliche Risiken birgt". Hinzu kommen bis zu 500 Lebensmittelverpackungen, die aus Nanobeschichtungen und -Materialien bestehen.

Tatsächlich kommen laut Vollborn und Georgescu die Substanzen in immer mehr Bereichen der Lebensmittelbranche vor - auch dort, wo wir sie gar nicht erwarten. So sollen sie in Erfrischungsgetränken, Chips oder Schokolade den Vitamingehalt erhöhen - ein beliebter Trick, um den Konsumenten den vermeintlich gesundheitsfördernden Nutzen der Produkte zu suggerieren.

In Gemüsebrühe, Kochsalz, Gewürzmischungen und Puderzucker wird Nano-Siliziumdioxid als Rieselhilfe eingesetzt. Selbst in Fleisch und Backwaren fanden Wissenschaftler Nanopartikel - in Form von Kapseln mit Vitamin A und E oder Omega-3-Fettsäuren.

Die Winzlinge erweisen sich als nahezu unerschöpfliches Reservoire - und als ultimative Gelddruckmaschine zugleich. Denn ihre wahre Funktion besteht darin, die eingesetzten Mengen an Zusatzstoffen drastisch zu senken, und das bei gleicher oder sogar stärkerer Wirkung. Farbstoffe etwas leuchten in geringen Mengen als Nanopartikel zugesetzt ebenso gut wie herkömmliche Pendants in hoher Dosis.

„Getreu dem Motto „aus nichts mach viel" setzt die Branche Nano dort ein, wo es nur geht. Selbst Kühlschränke sind mittlerweile oft mit einer Nanosilberbeschichtung ausgestattet, verkauft werden sie als besonders hygienisch - was zunächst auch stimmt. Nanosilberpartikel wirken nämlich stark antibakteriell, gegen derart beschichtete Geräte haben Keime & Co. keine Chance".

Der Lebensmittelindustrie wiederum verspricht die Technologie astronomische Gewinne. Entgegen der landläufigen Meinung erobert die Nanotechnik nicht nur die Supermarktregale, sondern auch die Landwirtschaft. „Ohne es zu ahnen, bringen Bauern Dünger und Pestizide mit Nanopartikeln in den Boden ein, erhalten Nutztiere Futter mit Nanobestandteilen oder gelangen Getränke in nanobeschichteten Behältnissen in unsere Haushalte".

Nano - hinter diesen vier Buchstaben stecke weit mehr als eine PR-Kampagne der Lebensmittelhersteller und die Suche nach Profit. Hinter dem Begriff Nanofood stehe „die Verabschiedung von ethischen und moralischen Grenzen - keine andere Schlüsseltechnologie des 21. Jahrhunderts kann, im Bereich der Lebensmittel eingesetzt, so viel Schaden für den Menschen anrichten", mahnen die Autoren.

Und keine neue Technologie zuvor wurde dem Buch zufolge „so wenig kontrolliert wie diese". Erlaube man den Einsatz von Nanopartikeln in unserem täglichen Essen, „könnte man auch den Konsum von Drogen freigeben - beide Substanzklassen können lebensgefährlich sein". Der Food-Mafia seien die Zusammenhänge durchaus bekannt, nur: „Solange keine gesetzlichen Regelungen den Umgang mit den neuen Materialen regeln, sprudeln die Gewinne auf Kosten der Verbraucher weiter".

Nanofood: Werdende Mütter in Gefahr?

Die von Vollborn und Georgescu aufgeführten Beispiele sind hart. Sie sollen schocken - und die Verbraucher sensibilisieren. Forscher am Universitätshospital Zürich haben beispielsweise mit Wissenschaftlern der Schweizer Anstalt für Materialforschung (EMPA) bereits im Jahr 2010 nachgewiesen, dass Nanopartikel die Plazenta des Menschen durchdringen und auf diese Weise die Ungeborenen erreichen.

Auf kritische Berichte über die gesundheitsschädigende Wirkung von Nanopartikeln reagierten Lebensmittelhersteller noch vor wenigen Jahren harsch: Selbst große öffentlich-rechtliche Sender, die auf Nanofood aufmerksam machten, sahen sich mit Klagedrohungen konfrontiert. Doch seit der viel beachteten Schweizer Studie dürften die Drohgebärden der Vergangenheit angehören.

Die Studie belegt: Der Transport von Nanoteilchen im menschlichen Körper erfolgt nahezu ungebremst, und macht auch vor der Plazenta der werdenden Mutter nicht halt.

Die im Fachblatt Environmental Health Perspectives veröffentlichte Studie zeigte damit in aller Deutlichkeit, wie sehr ungeborenes Leben durch die Nanotechnologie bedroht werden kann: Die Partikel dringen ungehindert in den Blutkreislauf der Ungeborenen.

Marita Vollborn, Vlad D. Georgescu
Food-Mafia: Wehren Sie sich gegen die skrupellosen Methoden der Lebensmittelindustrie.
Campus Verlag Frankfurt am Main/ New York