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Rückblick: 2015 - das Jahr der Industrie 4.0

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REVOLUTION FIST
Atypeek via Getty Images
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Seit mehr als drei Jahren begleite ich redaktionell das Thema Industrie 4.0. Ich habe viel darüber geschrieben, mit vielen Anwendern, Entwicklern, Forschern und Skeptikern gesprochen.

Ich gehöre selber zu den kritischen Betrachtern und durfte viel Kritik einstecken, weil ich mit dem Industrial Internet Consortium (IIC) sprach und Probleme in der deutschen Industrielandschaft offen thematisierte.

Heute muss ich aber die Industrie, den Mittelstand und die Plattform Industrie 4.0 in Berlin in Schutz nehmen. 2015 hat sich viel getan. Zeit, eine Bestandsaufnahme zu machen.

1. Nationale Alleingänge funktionieren nicht. In einer globalisierten Welt können wir nicht mehr ausschließlich von "deutschen" Unternehmen sprechen. Siemens und Co. verdienen ihr Geld weltweit. Allerdings: Die Politik denkt noch in diesen Kategorien.

2. Die Plattform Industrie 4.0 hat Schwächen. Es fehlt an der Öffentlichkeitsarbeit, es fehlt ein Evangelist für dasThema und die Politisierung stößt manchen Firmenlenker ab. Aber: Die Unternehmen innerhalb der Plattfom haben letztes Jahr eine Referenzarchitektur entwickelt, an die auch die amerikanischen Wettbewerber nicht drumherumkommen werden.

Diese Referenzarchitektur (RAMI 4.0) verbreietet sich weltweit - Chinesen und Japaner lassen sich von den deutschen Ideen inspirieren.

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3. Ja, in der Industrie 4.0 sind neue Geschäftsmodelle gefragt. Vielleicht hinken wir in diesen Bereichen hinterher. Aber nur vielleicht. Besucher der SPS IPC Drives in Nürnberg konnten sich Ende November vor neuen Geschäftsmodellen aus der Automatisierungsindustrie kaum retten.

"Deutsche Beispiele": Beckhoff (Daten), Harting (Daten), Siemens (Daten), Weidmüller (Daten), Centigrade (Gamification), Cadera Design (Usability und User Experience) oder Igus (3D-Druck). Dazu kommen Vordenker wie der Maschinenbauer Trumpf, der über einen Appstore für die Blechbearbeitung nachdenkt.

4. Der Industrie 4.0 fehlt ein Kommunikator. Der kommt. Eberhard Veit, scheidender Festo-Manager, will sich stärker in der Plattform engagieren, könnte den Mittelstand als ehrlicher Mittler unterstützen, ist technikbegeistert, kennt die Probleme der Unternehmen und berichtet ab Frühjahr im eigenen Blog über seine Erfahrungen. Wenn Veit zum Envagelist 4.0 wird, kann die Plattform nur profitieren.

5. Mittelständische Unternehmen spüren den Handlungsdruck, allerdings lassen sich die Unternehmensgründer ungern von der Politik vorschreiben, was sie zu tun oder zu lassen haben.

Die Politisierung der Industrie 4.0 ist ein Problem. Aber: Die Mittelständler sind zum Handeln gezwungen, denn glaubt man einem prominenten Siemens-Manager, dann erhöhen die OEMs den Druck auf ihre Zulieferer mehr Transparenz in den Prozessen und in der Produktion zuzulassen.

5a. Die Plattform Industrie 4.0 und das Industrial Internet Consortium (IIC) werden, das ist meine persönliche Meinung, zusammenarbeiten müssen. Sie können voneinander profitieren. Allerdings global gesehen, nicht national. Tut Euch endlich zusammen.

Mein Plädoyer.

Industrie 4.0 ist kein Selbstbetrug. Industrie 4.0 kommt - in Deutschland, in Frankreich, in Japan - weltweit. Und in Köln. Freue mich auf den Austausch vor Ort.

Auf ein Neues in 2016. Und mein Tipp: Bis zum 28. März 2016 zeigt das Stadtmuesum in Berlin Bilder von Adolph Friedrich Erdmann von Menzel - dem Maler der ersten industriellen Revolution.

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