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Le Pens heimliche Freunde im Trump-Tower

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Es war ein Bild, das um die Welt ging: Am 12. Januar entdeckten Fotografen die französische Front-National-Chefin Marine Le Pen beim Kaffeetrinken - im Trump-Tower in New York.

Le Pen gab damals an, dass sie sich mit dem designierten US-Präsidenten Donald Trump treffen wollte, dies aber nicht geklappt habe.

Doch hinter dem Bild steckt noch eine ganz andere Geschichte, wie das unabhängige Brüsseler Politik-Magazin "EUobserver" berichtet. Denn, was nur wenige wissen: Am Abend vor dem gescheiterten Treffen fand im Trump-Tower eine Veranstaltung statt, um Gelder für Le Pens Partei Front National (FN) zu sammeln.

Der Veranstalter der Party war der amerikanische Geschäftsmann George "Guido" Lombardi.

Lombardi, der im Trump-Tower lebt, unterhält enge Verbindungen zu Rechten in Europa, besonders zur populistischen Partei Lega Nord aus Italien. Er sei seit 20 Jahren mit Marine Le Pen befreundet, berichtet er.

"Diese Vichy-Regierung in Paris braucht eine Landung in der Normandie, einen D-Day ", sagte Lombardi dem "EUobserver". Er verglich damit den gegenwärtigen französischen Staat mit dem Regime, das mit Nazi-Deutschland kollaborierte - und stellte einen Umsturz in Aussicht.

Ein Umsturz, der offenbar im Trump-Tower beginnen soll. "Es waren Leute [auf der Party], die ihr wohlgesonnen sind, Unterstützer, Freunde von mir, Unternehmer, mindestens drei UN-Botschafter, einige Lobbyisten sowie Berater", erklärte Lombardi gegenüber dem "EUobserver" in einem Telefoninterview.

Geschäftsleute aus vielen Ländern kamen zusammen

Allerdings weigerte sich Lombardi, Namen zu nennen. Die Gäste, die gekommen seien, um Le Pen kennenzulernen, beschrieb er als "amerikanische Geschäftsleute, amerikanische Vertreter der Wall Street, israelische Geschäftsleute, ein paar russische Geschäftsmänner, ein paar asiatische Geschäftsleute, ein paar Italiener, einige französische Staatsangehörige".

Die Veranstaltung deutet an, wie Le Pen und ihre Partei versucht haben, sich die Unterstützung des neuen US-Präsidenten sowie seiner Unterstützer, vor den französischen Präsidentschaftswahlen am 7. Mai zu sichern.

Zudem wirft sie ein Schlaglicht darauf, wie einflussreiche Figuren aus Übersee versuchen, die europäische Zukunft mitzugestalten.

"Marine hat seit Jahren Freunde im Trump Tower", erklärte die Präsidentin des französischen Trump-Komitees, Rosine Ghawji, gegenüber "EUobserver".

"Ein Haufen Freunde im Trump-Tower"

Ghawji sagte, ein "Haufen" von Le Pens Freunden seien auf der Party erschienen. Einige von ihnen würden im Trump Tower leben und "lieber anonym bleiben wollen".

Es gab "gute Schokolade" und eine "angenehme Atmosphäre", erzählte Ghawji über die Veranstaltung. "Der Islam war ein großes Thema, vor allem die Gefahr, die von der Muslimbruderschaft ausgeht."

Mehr zum Thema: Le Pen attackiert Macron mit einer Fake-Nachricht - das zeigt, wie Russland die Wahl in Frankreich beherrscht

Die in den Vereinigten Staaten geborene Ghawji, deren Eltern Immigranten aus Italien und Frankreich sind, ist ein ehemaliges Mitglied der konservativen US-amerikanischen Tea-Party-Bewegung. Sie ist eine langjährige Freundin und Anhängerin von Donald Trump und der Familie Le Pen.

"Wir lieben die Art, wie sie über die Liebe zu ihrem Land sprechen", sagte Ghawji mit Blick auf den FN.

Das sind die drei Männer auf dem Bild

Auf den Bildern, die am 12. Januar veröffentlicht wurden, ist Le Pen zu sehen, wie sie mit drei Männern in der Lobby des Trump Towers Kaffee trinkt.

Der Erste ist ihr Partner Louis Aliot, der ebenfalls Europaabgeordneter für den FN ist. Der zweite ist Lombardi. Der dritte Mann ist Pierre Ceyrac, ein ehemaliges Mitglied des FN.

"Der Front National unterhält seit langem sehr gute Kontakte in den USA", sagte Ceyrac gegenüber dem „Euobserver". Er habe Jean-Marie Le Pen mehrere Male, im Jahre 2003 auch Marine Le Pen bei Besuchen in den USA begleitet.

"Sie hat eine Vision, die ganz anders ist als die ihres Vaters", sagte Ceyrac, der die Präsidentschaftskandidatin seit über 30 Jahren kennt. "Marine ist weltoffen und hat ein großes menschliches Einfühlungsvermögen."

"Sie ist nicht rassistisch"

"Sie ist überhaupt nicht antisemitisch und rassistisch", sagte er und fügte hinzu: "Das gleiche gilt übrigens für ihren Vater." Die Cocktailparty, die am 11. Januar im Trump Tower stattfand, sei "wirklich nett" gewesen.

"Die Leute waren sehr glücklich darüber Marine zu sehen", sagte Ceyrac. "Es waren Inder, Israelis, Pakistanis und Iraner anwesend. Wohlhabende Leute... Ein Chinese, der Pensionsfonds im Wert von mehreren Milliarden Dollar verwaltet, hat gesagt, dass Marine Le Pen sehr nett war."

Hinter dem Werben um internationale Anerkennung scheint System zu stecken. Die US-Reise im Januar war eine von mehreren Reisen, die Le Pen in den letzten Monaten unternommen hat. Im Februar reiste sie in den Libanon, im März in den Tschad und am 24. März wurde sie vom russischen Präsidenten Wladimir Putin im Kreml empfangen.

"Warum nicht in den Vereinigten Staaten?"

Le Pen selbst gab zu, ihre Partei sei "überall auf der Suche nach finanzieller Unterstützung". "Also warum nicht in den Vereinigten Staaten?", fragte sie im Gespräch mit dem tschechischen rechten Online-Magazin "Nova Burzoazie".

► Unbekannt ist, wie viel Geld Le Pen durch ihre Spenden-Veranstaltung sammeln konnte.

Der französische Experte für Rechtsextremismus, Jean-Yves Camus, sagte gegenüber dem „EUobserver", dass er erfahren habe, dass der FN noch eine ganze "Reihe von kleinen Treffen" in den Vereinigten Staaten organisiert habe. "Zweifelsohne war das Ziel Gelder zu sammeln", sagte der Experte.

Dennoch sei der Einfluss der Trump-Anhänger auf die französische Präsidentschaftswahl gleich "Null", da die "Trump-Unterstützerkreise in Frankreich extrem klein sind".

Doch das muss nicht so bleiben. Lombardi zumindest plant, seinen Einfluss in Frankreich auszuweiten. Dafür will er auch in Frankreich Veranstaltungen für Le Pen organisieren.

Und Frankreich ist nicht das einzige Land in Europa, in dem Lombardi sich für Rechtspopulisten engagiert. Er unterhält gute Kontakte zum Niederländer Geert Wilders, hat für ihn schon Veranstaltungen in Trumps Florida-Residenz Mar-a-Lago organisiert.

Außerdem steht er in regem Austausch mit der italienischen Lega Nord und der österreichischen FPÖ, ein Treffen mit dem ungarischen Ministerpräsidenten Viktor Orbán ist in Planung.

Der Artikel erschien zuerst im Brüsseler Politik-Magazin "EUobserver" und wurde aus dem Englischen übersetzt und editiert.