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Unternehmen an der Schule - Fünf Forderungen an die Politik

05/08/2015 10:00 CEST | Aktualisiert 05/08/2016 11:12 CEST

„Das Schulbuch als Werbeplattform" schreibt die Zeit, „Kunden im Klassenzimmer" titelt die Süddeutsche Zeitung - Schulsponsoring und Beziehungen zwischen Wirtschaft und Schule stehen seit einiger Zeit im Fokus. In der Tat sind die Grenzen zwischen Bereicherung und Beeinflussung oft fließend. Schreibhefte mit Unternehmenslogo erkennen wir schnell als unzulässige Werbung. Doch was ist, wenn ein Betrieb Bewerbungstraining anbietet oder die Gärtnerei Werkzeuge für den Schulgarten verleiht?

Was wir von Schule erwarten

Zwei Umstände haben dazu geführt, dass Schule und Wirtschaft immer häufiger aufeinandertreffen: Der Fachkräftemangel in vielen Branchen verschärft sich, weshalb Unternehmer/innen ihre Bemühungen verstärken, durch Angebote zur Berufsorientierung den Nachwuchs frühzeitig anzusprechen.

Vor allem aber ändern sich die Anforderungen, welche die Gesellschaft an das System Schule stellt. Schule soll Kinder und Jugendliche auf den Beruf vorbereiten, den Umgang mit Medien lehren, sie in gesunder Ernährung unterweisen und soziale Nachteile auffangen. Um all diese Aufgaben zu erfüllen, müssen Schulen sich öffnen: für die Personalerin, die beim Bewerbung schreiben hilft, für den Jugendhilfeträger, der bei sozialen Problemen vermittelt, für den Sportverein, der die Basketball-AG organisiert. Die Rolle der Lehrkräfte wandelt sich - hin zu Netzwerkern, Moderatoren und Qualitätsbeauftragten, die aus den Angeboten für Schulen herausfiltern, was für die Lehre wirklich hilfreich ist.

Kooperationen brauchen klare Regeln

Um den schmalen Grat zwischen Bereicherung und Beeinflussung zu sichern, braucht es jedoch klare Regeln. Wir von SchulePLUS unterstützen die Forderungen von LobbyControl, der gemeinnützigen Initiative für Transparenz und Demokratie:

Forderungen an die Politik

1) Einrichtung einer staatlichen Monitoringstelle für Unterrichtsmaterialien, die den kritischen Umgang mit Materialien fördert und LehrerInnen mit externem Rat unterstützt.

2) Pflicht zur Offenlegung der Finanzierung von einzelnen Unterrichtsmaterialien.

3) Prüfung von offiziellen Kooperationsverträgen durch das jeweilige Kultusministerium.

4) Verbot von Werbung an Schulen und Schließung der vorhandenen Schlupflöcher in den Schulgesetzen der Länder.

5) Sensibilisierung von zukünftigen Lehrkräften für die mögliche Einflussnahme von Unternehmen bereits in der Ausbildung.

Mit diesen Regeln kann der Spagat zwischen gewinnbringender Kooperation und dem Schutz von Minderjährigen gegenüber der Einflussnahme privatwirtschaftlicher Akteure gelingen. Dafür müssen sich allerdings die KultusministerInnen bewegen - die Forderungen von LobbyControl stammen aus dem Jahr 2013. Viel passiert ist bei dem Thema noch nicht.

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