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10 x mehr Zuchtshrimps in 30 Jahren: Gesundheits- und Umweltbelastung

08/02/2016 12:54 CET | Aktualisiert 08/02/2017 11:12 CET
maelms via Getty Images

Shrimps sind ein wichtiges Nahrungs- und Futtermittel. Wegen dem gestiegenen Bedarf und leer gefischter Meere gibt es von 1985 bis 2004 ca. 10x mehr Zuchtshrimps aus intensiven Monowirtschaften. Diese zerstören nicht nur regional die Umwelt.

Die Meere werden weiter überfischt, um Futter für die Shrimps zu bekommen. Es gelangen Giftstoffe auf die Teller. Dass z.B. die Ostsee zwischenzeitlich sehr belastet war und man aus gewissen Gewässern keinen Fisch essen sollte, ist vielen bewusst. Intensive Shrimpfarmen haben jedoch den Nachteil einer Monokultur: Breitet sich ein Parasit oder eine Krankheit einmal aus, kippt alles um. Das ist bereits mehrfach regional geschehen. Dieses ist mit erheblichen Ausfällen für Investoren und Arbeitnehmer verbunden. Deswegen werden die meisten Shrimpfarmen mit verschiedenen Giften behandelt. Es ist häufig nicht möglich, die Giftstoffe wieder aus der Natur zu filtern sowie dieses aus Kostengründen gar nicht gemacht werden würde.

Wer meint, dass mit den Shrimpfarmen die Meere weniger überfischt werden, der irrt gewaltig: Woher kommt das Futter für die Shrimps? Ein Großteil stammt aus dem Meer und für ein Kilo Shrimp werden mehrere Kilo Fischmehl verfüttert. Die Shrimp scheiden einiges wieder aus und belasten damit die Gewässer. Zum einen werden immer mehr Shrimpfarmen in Betrieb genommen, zum anderen werden „kaputte" Shrimpfarmen durch neuere ersetzt. Ist die Umwelt einmal derart dahin, zieht der Investor einfach 50 km weiter und überlässt die Einheimischen sich selber.

Müssen Shrimpfarmen so intensiv bewirtschaftet werden?

Es ist immer alles eine Frage der Kosten. Der Hobbyaquarianer hat im Garnelenbecken gelegentlich Totalausfälle, da Shrimps sehr empfindlich sind. Es muss sehr genau auf die Wasserqualität geachtet werden. Es werden durchaus Naturprodukte eingesetzt, um die Wasserqualität zu stabilisieren. Der Hobbyaquarianer muss jedoch nicht 1 Kilo Shrimps für unter 10 Euro produzieren, damit die folgenden Händler auch noch verdienen können. Bei der Produktionsmenge von vermutlich über 2 Millionen Tonnen Shrimps, gezüchtet auf engsten Raum, wären vermutlich nicht einmal genügend Naturprodukte für eine Bioproduktion verfügbar. Es handelt sich um Dimension, die sich vor dem geistigen Auge kaum erfassen lassen!

Es wäre durchaus möglich, die Garnelenzucht weniger intensiv zu betreiben, damit die Bestände weniger anfällig sind. Mit der Intensivhaltung werden derzeit bereits große Flächen benötigt. Würde man weniger intensiv wirtschaften, wüsste man in vielen Regionen vermutlich nicht, woher man den nötigen Raum nehmen sollte.

Shrimpfarmen müssen also nicht so intensiv bewirtschaftet werden. Dann müsste der Kunde für die gleiche Menge allerdings den mehrfachen Preis bezahlen. Mit weniger Absatz würden sich einige der aktuellen Probleme vom Shrimpfarming sogar noch weiter auflösen.

Auf Raubbau verzichten

Vielfach wird erklärt, dass die Macht beim Konsumenten liegt: Kauft er keine Coca Cola, dann geht der Konzern einfach ein! Ganz so einfach ist dieses jedoch nicht, da sich viele ein gutes Gewissen beim Einkaufen nicht leisten können oder wollen. Außerdem kann ein Konzern schnell sein Image wandeln oder einfach für die „Ökos" ein paar Tochterfirmen aufmachen. Es ist wie mit dem Atomstrom: Der Öko verbraucht weniger davon und alle anderen mehr. Aber unterm Schnitt wird erst dann weniger Atomstrom verbraucht, wenn die AKWs vom Netz gehen.

Es ist ein netter Gedanke, sich eine „schöne heile Welt" zu kaufen und für viele ist es ein gutes Gefühl, sich ein „reines Gewissen" kaufen zu können. Es ist jedoch eher ein tauschen: Wer etwas mehr zahlt, erhält vom gleichen Produkt die weniger bedenklichen Teile. Deswegen gibt es immer noch alle bedenklichen Teile. Dieser Gedanke, für eine bessere Welt im Supermarkt ein paar Euro mehr auszugeben, mag ein netter Impuls sein und das Marketing vieler Unternehmen richtet sich bereits auf den Aufbau vom eigenen „Positivimage" aus. Selbst Ölkonzerne machen inzwischen auf ökologisch!

Wesentlich mehr würde es vermutlich bewirken, wenn man auf Produktkategorien mit einem hohen Raubbau-Charakter komplett verzichtet und ein paar Organisationen mit Spenden, Mitarbeit oder wenigstens der eigenen Anwesenheit unterstützt.

Auf den schlimmsten Raubbau am Supermarktregal verzichten und diejenigen unterstützen, die ihn bekämpfen, wäre vermutlich die beste Strategie für den einfachen Bürger, diese Welt der Werbekulissen einzureißen.

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