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Wut ist eine Krankheit

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Gesunde Menschen gibt es nicht

Wer „antriebslos" ist, der ist es möglicherweise durch eine Krankheit. Wer „hyperaktiv" ist, der ist es möglicherweise ebenfalls durch eine Krankheit. Schlechte Laune liegt nicht am mäßigen Leben sondern es sind Depressionen, wegen denen das Leben mäßig verläuft. Wer impulsiv ist und schnell überreagiert, hat vielleicht ein psychisches Defizit. Wer regelmäßig Alkohol trinkt, hat ein Alkoholproblem. Wer einmal kifft, ist süchtig und hat ein Drogen(verbots)problem. Dann gibt es noch Kleptomanie, die sich in unserem Wohlfahrtsstaat nicht auf Armut zurück führen lässt sondern ein Krankheitsbild ist. Andere Leute sind derart von sich eingenommen, dass man sie als Narzisten betitelt. Und dann gibt es natürlich noch diejenigen, die wahnhaft denken, die Welt wäre schlecht, sie werden innerhalb von diesem gesellschaftlichen System oder durch Menschen ungerecht behandelt. Man wolle sie nur in eine Schublade stecken, abstempeln und in diesem System würde der einzelne unter gehen, wenn er nicht konform zu diesem ist.

Das kann einen natürlich alles wütend machen, wenn man in einer Gesellschaft lebt, in der wirklich jeder psychisch krank ist, da man eben bei jedem etwas findet. Wer noch keinen Befund hat und wütend ist, hat ihn vielleicht bald aufgrund seiner Wut. Denn wenn man in unserem Wirtschaftswunderland- Sozialstaatssystem mit all den Freiheitsrechten auf etwas wütend wird, dann stellt sich doch für jeden Psychologen oder Psychiater die Frage: „Warum wirst du denn wütend?" Wer dann meint, dass in unserem gesellschaftlichen System etwas nicht stimmt, ist vielleicht bereits am phantasieren und aufgrund seiner damit unbegründeten Wut sogar eine Gefahr für sich selber oder die Gesellschaft? Zum Schutz all der freien Menschen muss man dann vielleicht seiner Freiheiten beraubt und in eine dieser Schubladen gesperrt werden, aus denen man nie wieder raus kommt. Aber das alles ist nur gut gemeint, man selber macht eine ganz tolle Entwicklung und es hilft einem ganz viel. Man ist dann auch nicht medikamentensüchtig sondern gut eingestellt, wenn man das Zeug irgendwann schon nehmen muss, um überhaupt noch durch den Tag zu kommen.

Wer noch keinen psychischen Befund hat, gehört in der heutigen Welt einfach nicht mehr dazu. Aber mit nur einem Besuch beim Psychiater hat man seinen Befund, da es in deren Welt keine gesunden Menschen gibt und sie bei jedem fündig werden. Es scheint dabei sogar ums Prinzip zu gehen.

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Man muss sich schon verstecken

Es ist wirklich so, dass der Psychologe einen nicht in die Zwangsjacke steckt und einem nicht die Knallermedis verschreibt. Er sammelt schon mal Beweismaterial für den Psychiater, der das dann nachholt. Es stellt sich ohnehin die Frage, warum Menschen zum Psychologen gehen. Normale Menschen tauschen sich mit ihren Freunden, Verwandten und Mitmenschen über ihr Leben aus oder spielen Mozart für ihre Topfpflanzen, denen sie es dann erzählen.

Wer jetzt noch der Meinung ist, er habe halt charakterliche Eigenschaften und als freier Mensch das Recht dazu, der Norm nicht zu entsprechen, der sollte in keinem Fall zum Psychologen oder Psychiater gehen. Charakterliche Eigenschaften deuten stark auf Krankheitsbilder hin, die man gar nicht haben möchte. Wenn man nicht in eine der vielen Schubladen passt, dann wird halt eine neue entworfen.

Zurück zur Wut. Diese kann leider wirklich krankhaft entarten. Die einen kriegen vor Wut eine Herzattacke, die anderen schlagen sich jedes dritte Wochenende in der Kneipe. Außerdem ist es definitiv nicht schön, wenn man wütend ist und mit seiner Wut trifft man häufig die falschen. Oder hätte man die richtigen getroffen, würde man vor Wut durch die Einkaufsstraße laufen und wild um sich ballern? Das ist der springende Punkt, dass man seine Wut an anderen aber den falschen ablässt, die damit wiederum ängstlich und wütend werden, zum Psychologen oder Psychiater gehen und in einer der vielen Schubladen landen. Schnell kann der Politiker noch den Datenschutz aufweichen, die Bundeswehr im Inland gegen die eigenen Bürger einsetzen, die Polizei hochrüsten und sich als Politiker ganz toll vorkommen, wenn er deswegen auch noch gewählt wird.

Wenn man seinem Psychologen oder Psychiater einfach mal die Meinung sagt, seinen Monitor vom Tisch fegt und seine Notdurft vor seiner Türe verrichtet, hat man all seine Befunde damit nur um Inkontinenz erweitert, hat sie in Zement gegossen und hat ihm all das vorherige auch noch begründet. Warum wehrt sich denn keiner dagegen? Weil diejenigen dadurch dann erst wirklich mit all ihrem Papierkram bestätigt werden. So ist es auch bei der Polizei, dass man sich bereits fragen muss, ob man sich noch für sein eigenes Recht einsetzen kann oder denen damit bereits in die Hände spielt.

Wer sich aufgrund seiner Wut nun verstecken und tarnen muss, der sollte wissen, dass viele potenziell gewalttätige Personen in den Lebensabschnitten, in denen sie den Alkohol und die typischen Trinkerbrennpunkte zumindest etwas mieden und anstelle dessen einen Joint rauchten, friedlicher wurden. Das löst natürlich keine Probleme. Aber wenn man im Wutanfall nicht mit ner Herzattacke umkippt oder die ganze Kneipe mit Unbeteiligten auseinander nimmt, weil man sich an den eigentlichen Personen aus gutem Grund nicht auslassen möchte, kann das dazu beitragen, dass einige dieser Probleme nicht doch noch schlimmer werden. Bei latent aggressiven Personen kann der wutlindernde Cannabiskonsum wirklich eine medizinische Notwendigkeit haben und die Gesellschaft damit auch sicherer werden lassen.

Weiterhin gibt es bereits trockene Alkoholiker, die auf Cannabis umstiegen, um vom Alk weg bleiben zu können und vielleicht auch deswegen noch nicht am Leberversagen starben. Diese Menschen können häufig wieder am täglichen Leben teilhaben. Zumindest ein trockener Alki holt sein Marihuana aus einer deutschen Apotheke, da er sich sonst schon tot gesoffen hätte.

Leider sind Kiffer in ihrem Handeln sogar derart friedlich, dass sie sich wie die Schafe zusammen treiben und in den Knast oder das Therapiezentrum stecken lassen. Das macht viele Kiffer sehr wütend, was sich jedoch nicht dementsprechend in ihrem Handeln äußert. Sonst hätten wir bei täglichen Amokläufen kein Interesse mehr am Zeitunglesen.