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Wirken Joints ohne THC gegen die Sucht?

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Rauchen wir Zigaretten ohne Nikotin?

Tabak ist sehr schädlich und wegen dem Nikotin rauchen viele ihn bis zum Tod. Jetzt möchte das Schweizer Unternehmen Medropharm Marihuana mit unter 0,2% THC in der EU und mit unter 1% THC in der Schweiz vertreiben. Bis zu diesen Grenzen ist das legal. Viele Jugendliche haben wirklich zu starke Konsummuster und sollten deswegen dringen weniger kiffen. Wenn anstelle vom potenten Hanf dieser „kastrierte" geraucht wird, können die Problemfälle ihre „Rituale" ausleben und angenehmer vom Marihuana weg kommen.

Tolle Strategie. Warum ist denn jetzt noch niemand auf die Idee gekommen, anstelle vom Tabak einen bereits seit vielen Jahren erhältlichen Tabakersatz zu rauchen, um vom Nikotin los zu kommen? Wer die Nikotinsucht erst einmal durchbrochen hat, kann dann mit dem ebenfalls schädlichen Rauchen ganz aufhören.

Der Junk könnte anstelle vom Heroin, Kokain oder Amphetamin einfach eine Kochsalzlösung spritzen, um seine Rituale auszuleben. Das würde seinen kalten Entzug gewiss viel angenehmer verlaufen lassen und er wäre geheilt?

Warum nicht einfach das Wasser kochen und den Kaffee weg lassen, um endlich die schlimme Koffeinsucht zu durchbrechen?

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Warum Marihuana von Medropharm helfen könnte

Diese Begründung, dass es bei der Entwöhnung helfen kann, die „Rituale" beizubehalten, ist eine Erklärung für alle, die keine Ahnung haben. Ansonsten haben diejenigen, die Ahnung haben, was zu lachen. Demnach wurde auch einem Freund empfohlen, er könne alkoholfreies Bier nehmen, da es ihm laut seiner Aussage um den Geschmack und nicht den Alkohol geht. „Alkoholfreies Bier schmeckt doch nicht" war die prompt entsetzte Antwort. Das Ritual allein reicht nicht aus, um vom Wirkstoff los zu kommen, auch der Geschmack macht hier keinen Unterschied. Bevor der Mann alkoholfrei trinken würde, nähme er gewiss lieber das alkoholhaltige Bier von der Heizung, wegen dem „Geschmack" am besten mit ordentlich Zucker.

Beim Medropharm Marihuana ist ein hoher CBD Anteil enthalten. Dieses Cannabidiol ist derzeit als Hipe in aller Munde, da es bei sehr vielen Krankheitsbildern den entscheidenden Unterschied ausmachen kann: Patienten können sich wieder wohl fühlen oder sich sogar von ihrem Leiden heilen.

Dieses Cannabidiol hat zudem eine Eigenschaft, die wenigstens seit einigen Jahren bekannt ist: Das Suchtverlangen wird gedämpft. Wer süchtig ist, hat nicht immer einen körperlichen Entzug, wenn er seine „Dosis" nicht kriegt. Er kriegt aber immer einen richtigen Rappel, mit dem er fast automatisch konsumieren wird. Mit dem CBD wird dieser Rappel gedämpft und die eigentliche Entwöhnung kann gelingen. Diese ist selbst bei einer körperlichen Abhängigkeit immer eine Kopfsache und selbst diejenigen, die seit Monaten clean sind, rennen oft wie angestellt zum nächsten Dealer. Deswegen substituiert man solche Kandidaten mit anderen Substanzen, die mitunter nicht unbedenklicher als die eigentliche Drogen sind. Cannabidiol ist im Vergleich zu anderen Wirkstoffen als vergleichsweise harmlos oder sogar harmlos anzusehen. Es berauscht nicht und ein Todesfall durch eine tödliche Überdosis ist bislang unbekannt.

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Wer ein Suchtproblem hat und dieses CBD haltige Marihuana raucht oder mit viel Öl verbacken isst, wird leichter vom Nikotin, Alkohol, Heroin, Kokain, Amphetamin, Medikament oder eben dem THC los kommen. Das hat jetzt weniger mit den „Ritualen" als mit diesem medizinischen Wirkstoff zu tun. Anstelle vom Medropharm Marihuana könnte auch ein im Internet oder Ladenlokal (in vielen Ländern) legal erhältliches CBD Extrakt oder Liquid verwendet werden.

Wer sich für ein Medropharm Marihuana entscheidet, sollte dieses ohne Tabak konsumieren. Dieser Tabak ist auch beim potenten Marihuana bei sehr vielen Konsumenten der Grund, warum sie starke Konsummuster ausprägen. Nikotin macht erheblich abhängiger als THC und drängt den Mischkonsumenten dazu, den nächsten Joint zu rauchen. Deswegen kann man starke Konsummuster beim Cannabis häufig auch durch das Weglassen vom Tabak durchbrechen.

Viele wollen gar nicht vom Marihuana lassen. Dennoch sollte immer auf einen gesunden Konsum geachtet werden. Tabak ist Gift, rauchen ist schädlich aber man kann das Marihuana mit einem Vaporizer verdampft inhalieren oder mit Öl verbacken essen. Dann ist der Marihuanakonsum weniger bedenklich und für viele Patienten sozusagen gesund oder gar notwendig.