BLOG

Eine offene Plattform für kontroverse Meinungen und aktuelle Analysen aus dem HuffPost-Gastautorennetzwerk

Robert Brungert Headshot

Winterfütterung einmal anders

Veröffentlicht: Aktualisiert:
Drucken

Warum Wildtiere gefüttert werden

Zum einen erklären Jäger, dass sie das Wild jagen müssen, da es nicht genug natürliche Feinde gibt. Es würde sich sonst so stark mehren, dass es krank wird. Aber auch mit „kontrollierten" Beständen wird das Wild im Winter gefüttert. Warum eigentlich? Da in der industrialisierten Landwirtschaft ein Großteil der Flächen auf eine Weise bewirtschaftet wird, dass es für die Tiere gerade im Winter richtig knapp wird. Die zugeschneite Naturwiese hätte unter dem Schnee noch Rasen, die Nutzfläche vom Bauern hingegen nicht.

Es gibt zwei Möglichkeiten der Winterfütterung. Zum einen kann man einfach den Tieren das Futter an die Futterstellen bringen und sie füttern, wie Stalltiere. Zum anderen kann aber ein Teil der Ernte stehen bleiben, damit die Tiere kommen und es fressen. Angebaut wird jedoch nicht das, was Wildtiere gerne fressen. Harte und große Maiskörner vom Kolben runter fressen ist für kleine Rehe gewiss kein Zuckerschlecken.

Und dabei ginge es doch anders. Wenn ohnehin geplant wird, dass ein Streifen vom Feld für die Winterfütterung stehen bleibt, dann kann doch auch etwas angebaut werden, was die Tiere lieber fressen. Anstelle von Weizen und Mais wären doch Hafer, Sonnenblumen, Rüben oder Hanf die wesentlich besseren Früchte. Nicht nur Vögel fressen gerne Ölfrüchte. Hasen, Rehe und andere Gräserfresser würden sich über einen Streifen mit gemischten Gräsern und Kräutern freuen. Für die Kühe wird jedoch ein hartes Futtergras angebaut, welches zur Silage wird, womit es weicher ist.

Für die Winterfütterung müsste man also nicht einfach nur etwas von der Ernte stehen bleiben. Der stehen bleibende Streifen müsste zugleich mit anderen Feldfrüchten bepflanzt werden.

Die private Winterfütterung

Seite Jahren wächst im eigenen Balkonkübel fast immer eine Sonnenblume. Diese stammt vermutlich von der Winterfütterung der Vögel aus oberen Etagen. Es scheint nämlich nicht jedes Jahr die gleiche Sorte zu sein. Und jedes Jahr sitzen die Vögel in den großen runden Blüten, nachdem die Kerne reif sind.

Aus rechtlichen Gründen darf man im praktischen Leben als Privatbürger noch keinen Hanf zur Winterfütterung anbauen. Es wäre aber doch schön, wenn eine Stelle im Garten mit Sonnenblumen bepflanzt wird, die im Herbst einfach stehen bleiben. Schon hat man eine Winterfütterung, die im Sommer gut ausschaut, die im Winter keine Arbeit macht und kein Geld kostet. Es kann natürlich betrachtet werden, was es sonst noch für Pflanzen gibt, die den im eigenen Garten heimischen Tieren gefallen könnten. Hafer hat weichere Körner als andere Getreidesorten. Es können natürlich auch Buchweizen, Hülsenfrüchte oder Fuchsschwanz angebaut und stehen gelassen werden. Raps wäre hingegen nicht generell geeignet.

Solange die Pflanzen stehen und noch nicht am Boden liegen, bleiben die Körner besser erhalten sowie die Vögel sich diese nach und nach holen können. Eine einzige Sonnenblume ist natürlich nach 14 Tagen leer gefressen. Es macht also Sinn, wenn mehrere m² bepflanzt werden. Die Bauern lassen immerhin nicht grundlos ganze Feldstreifen stehen.

2017-10-05-1507221111-4392309-IMG_0755heikohpklein.JPG

Immer weniger Vögel und Insekten

Es sind nicht allein Windkraftanlagen, die man vermutlich mit anderer Technik auch als spitzwinklige, dreieckige Kegel, die auf der Spitze stehen, bauen könnte. Es ist zugleich das Insektensterben, mit dem auch die Vögel weniger zu Fressen finden. Es fällt auf dem eigenen Balkon bereits auf, dass es vor Jahren mehr Fluginsekten waren. Dass die Vögel nicht mehr gehäuft kommen, liegt jedoch an den Katzen, die zum Glück nicht auf die Sonnenblume klettern werden. Neben einer Winterfütterung macht es also Sinn, wenn Insektenpflanzen angebaut werden, die möglichst über das ganze Jahr verteilt blühen.

Wer vor allem Bienen helfen möchte, der macht mit dem Bienenfreund kaum etwas falsch. Dieser blüht von Juni bis August, wenn man ihn ab April alle drei Wochen neu aussät. Die Dotter-Berberitze blüht von Mai bis Juni, die Goldgarbe bis September. Alle drei Pflanzen sind winterhart, wobei die Dotter-Berberitze sich für Hecken eignet. Schon hätten die Wildbienen und andere Tierchen von Mai bis September Nektar und Pollen sowie die Vögel in der Dotter-Berberitze brüten könnten.

http://i.huffpost.com/gen/1900599/images/s-BIRDS-FARM-small.jpg