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Wenn Pflanzen kämpfen

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Knapper Lebensraum im eigenen Balkonkübel

Seit rund 18 Monaten findet im eigenen 4 Meter Beton-Balkonkübel ein Boxkampf mit Dreifach KO statt. Im Balkonkübel stehen Stachelbeersträucher, die wegen dem wenigen Bodenraum nicht sehr groß werden. Es kommt immer Unkraut auf, deswegen wurden Erdbeeren als Bodendecker gesetzt. Jedes Jahr fressen Raupen die Blätter der Stachelbeersträucher. So war es das Jahr 2016, als im Web geschrieben stand, dass Knoblauch die Raupen der Stachelbeersträucher fern hält. Es wurde Knoblauch im Supermarkt erstanden, gesetzt und abgewartet. Der Knoblauch ging auf, dann ging er ein. Es wurde noch mehr Knoblauch gesetzt. So stand es im Web geschrieben, dass man diesen doch im Herbst setzen müsse. Also gut, dann wurde im Herbst noch einmal Knoblauch gesetzt.

Beim genaueren Hinsehen kann jedoch fest gestellt werden, dass der weiße Knoblauch im Herbst, die violetten und rosarnen Sorten jedoch im Frühjahr gesetzt werden.

Der Kampf geht in die zweite Runde

Aus dem Jahre 2015 schaffte es ein Langgriffliger Rosenwaldmeister kaum über den Winter. Damit dieser sich richtig erholen konnte, wurden auf dem Abschnitt die Erdbeeren entfernt. Auch an zwei anderen Stellen wuchsen nur einige Erdbeeren im Balkonkübel mit den neun Stachelbeersträuchern.

Der Knoblauch wurde also im Herbst 2016 gesetzt, der Langgriffliger Rosenwaldmeister erholte sich und an dieser erdbeerfreien Stelle stehen im Frühjahr 2017 zwei üppige Knoblauchpflanzen. Dort, wo jedoch die Erdbeeren dicht standen, entwickelt dieser sich nicht und stagniert einfach.

Die Erdbeeren hätten schon lange frisches Laub bilden müssen und wollten sich gar nicht entwickeln. Sie sollen ohnehin weg, der Langgriffliger Rosenwaldmeister wird bis zum Sommer den ganzen Balkonkübel zu wuchern. Beim genauen Betrachten der Erdbeeren fällt auf, dass diese die Wurzeln nicht mehr im, sondern auf dem Boden haben und nur noch etwas Humus fest halten. Die Erdbeeren wurden entfernt. Auch über einem Monat später wächst der Knoblauch an diesen Stellen noch immer nicht. Dort, wo nur einige Erdbeeren standen, fängt er jetzt erst an zu wachsen.

Das ist nicht alles. Wo die Erdbeeren dicht standen, sind drei Stachelbeersträucher ein gegangen. Da diese ohnehin gegen Johannisbeeren ausgetauscht werden sollten, war das nicht schlimm. Die anderen Stachelbeersträucher scheinen es zu überstehen, einige sind möglicherweise jedoch beeinträchtigt und werden keine Früchte bilden.

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Welch ein Fight

Jetzt haben sich der Knoblauch und die Erdbeeren gegenseitig das Leben so schwer gemacht, dass sie beide stagnierten. Dabei gingen glatt drei Stachelbeersträucher zu Boden. Reichte der Knoblauch im Jahr 2016 noch nicht, um die Raupen von den Stachelbeersträuchern fern zu halten, so sind auch diese im Jahr 2017 zu Boden gegangen. Vermutlich zum ersten Mal bleiben die Stachelbeersträucher grün. Zumindest die, die den Fight überlebten.

Das alles wurde im Jahr 2016 noch gar nicht alles begriffen, dass der Knoblauch und die Erdbeeren sich in der Erde bekämpfen. Beide Pflanzen schütten etwas aus, das zusammen so giftig wird, dass selbst die Stachelbeeren eingehen. Beide Pflanzen für sich würden diesen jedoch nicht schaden.

Bei so viel Action auf dem eigenen Balkon braucht es dann wirklich keinen Sportsender, um Unterhaltung zu finden. Wer auf dem Balkon ein paar Pflanzen setzt, ein Bienenhotel aufstellt und gegen Kleinvieh und Unkraut kämpft, der hat mit jedem Jahr eine neue Runde.

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