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Vom Alkoholiker zum Kiffer und noch am Leben

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Cannabis ist eine Ausstiegsdroge

Karl Huber alias „Shorty" wäre als Alkoholiker ohne den Hanf vermutlich bereits tot und ist damit kein Einzelfall. Sucht ist eine anerkannte Krankheit. Auch nachdem der körperliche Entzug lange ausgestanden ist, findet der Suchtkranke zurück zu seiner Droge - oder einer anderen. Wer sich in den gewissen Szenen bewegt, der trifft immer wieder auf Personen, die Opiat- Alkohol- oder auch Spielsüchtig waren und mit dem Hanf davon los kamen.

Mit jeder Anzeige kommt der Rückfall, da die Betreffenden in der Stresssituation und ohne den Hanf nicht anders können. Cannabis ist damit eine Ausstiegsdroge, Prohibition ist der Einstieg in Drogenprobleme und Rückfälle.

Shorty ist nur einer der vielen Alkoholiker, der mit dem Hanf von der Flasche lassen kann. Er ist jedoch eine Ausnahme, da er seine Marihuanablüten dank seiner Ausnahmegenehmigung nach §3 Abs. 2 BtMG aus der Apotheke beziehen darf. Seine Leberwerte waren sozusagen kurz vor den chronischen Schäden mit folgendem Organversagen, heute hat er bessere Leberwerte als andere Personen ohne Alkoholproblem. Wenn er seinen Joint vor der Türe rauchen darf, geht er zum Fußball schauen gerne in die Kneipen, es ist ihm egal, wenn die Leute trinken. Cannabis ermöglicht ihm ein ganz normales Leben, welches er sonst niemals haben könnte. Es nimmt diesen „Suchtdruck", selbst wenn neben ihm Bier getrunken wird. Vielen Süchtigen könnte einfach diese innere Unruhe, mit der ein nächster Rückfall stattfinden muss, genommen werden.

Unter einem Artikel zu seiner Story findet sich ein trauriger Kommentar einer durch den Hanf trockenen Alkoholikerin, deren Freund mit 24 Jahren durch Alkohol an Organversagen verstarb. Diese andere Realität von Alkohol sollte sich jeder vor Augen halten, wenn er Hanf als „Rauschgift" betiteln will.

„Vorher habe ich mir Cannabis besorgt, dann bin ich in den Entzug"

Shorty hat seine Ausnahmegenehmigung für Marihuanablüten nicht einfach in die Hand gedrückt bekommen, er hat sie erst seit April 2015 und ist seit dem Rückfallsfrei. Vorher hat er schon lange den Hanf für sich genutzt, noch bevor er dessen Wirkung auf sich erkannte. Es ging damit los, dass er nach einem Entzug „irgendetwas brauchte". Er hatte große Angst davor, dass er mit dem Joint wieder am Tresen landet und rauchte ihn dennoch. Schon war diese ganze Unruhe weg, und die Erkenntnis kam, dass er anstelle von Bier auch einfach zum Joint greifen kann. Damit ist er nicht durch Rausch oder Nebenwirkungen weg getreten, er kann am Leben teilnehmen und sich dabei wohl fühlen.

Das geht in einem Verfolgersystem mit Drogenverboten leider nicht, dass man einfach beliebige Mengen Marihuana erwerben und besitzen darf. Wenn sein Stammdealer hoch ging und er keinen anderen fand, hing er wieder an der Flasche. Wenn er selber in der Polizeikontrolle hoch ging, landete er wegen dem Stress wieder an der Flasche. Wegen dieser ganzen Verfolgung mit der richtigen Signalwirkung zur Kindererziehung würde Shorty letztendlich doch an Organversagen versterben. Es würden auch dann genauso viele Kinder und Jugendlichen kiffen. Dabei könnte ihnen der Hanf bei den wirklichen Drogenproblemen zum Ausstieg verhelfen, wäre er legal erhältlich.

Shorty baute leider wegen dieser Repression zig Rückfälle, er hatte jedoch eine Strategie. Er ging zuerst los und kaufte eine gute Menge Marihuana. Dann ging er in den Entzug. Aus diesem heraus ging er mit dem Joint und nicht zurück in die Kneipe, wie es viele andere machen. Er erklärt, dass all diese Alkoholiker wissen, dass Hanf ihnen helfen kann und selbst einige Mediziner ihm erklärten, er sollte halt kiffen, wenn er damit trocken bleiben kann.

„Mit Ihrer Diagnose kann ich doch kein Rauschgift verschreiben"

Nachdem die ersten deutschen Patienten ihre Ausnahmegenehmigung in der Tasche hatten und Shorty dieses als eine reale Möglichkeit erkannte, aus diesem ganzen Alkoholsumpf heraus zu kommen, suchte er Ärzte. Er hatte es schwer mit den Ärzten zu reden, die ihn immerhin als Suchtkrank erkannten und deswegen doch kein „Rauschgift" verschreiben können. Dass diese Ärzte das täglich mit Benzodiazepinen, Opiaten und anderen Medikamenten machen, ist denen dabei gar nicht bewusst. Diese heutige Gesellschaft ist derart verblödet, dass selbst studierte Mediziner keine Ausnahme machen, Cannabis als „Rauschgift" zu betiteln und dieses sogar so meinen.

Shorty hatte einen dokumentierten Leidensweg und auch ein paar andere Diagnosen, mit denen er dann schlussendlich seine Ausnahmegenehmigung für Marihuanablüten aus der Apotheke erhielt. Ihm geht es gut und er hat Hoffnung, sein Leben jetzt richtig in den Griff zu kriegen. Diese Hoffnung wird vielen anderen mit der nächsten Polizeikontrolle wieder genommen, das kann nicht die richtige Signalwirkung zur Kindererziehung sein, wenn erwachsene Menschen dabei verrecken.

http://i.huffpost.com/gen/4970520/images/s-ALCOHOLISM-small.jpg