Huffpost Germany
BLOG

Eine offene Plattform für kontroverse Meinungen und aktuelle Analysen aus dem HuffPost-Gastautorennetzwerk

Robert Brungert Headshot

(USA) Welchem Führerlemming folgen wir?

Veröffentlicht: Aktualisiert:
Drucken

2016-10-04-1475607017-1294004-IMG_2906hmVorschau.jpg

Wer brüllt lauter und verzichtet auf Inhalte?

Der Wahlkampf in den USA mag für vielen einen Unterhaltungswert bieten, wegen dem sie diesen sogar ganz unbewusst sehr intensiv verfolgen. Edward Snowden fragte im Rahmen von einem Interview, ob es denn jemanden gibt, der Donald Trump nicht liebt bei seinen unterhaltsamen Auswüchsen und erklärte direkt dazu, dass der Präsident der USA keine Macht habe. Vielleicht repräsentiert er jedoch einen politischen und wirtschaftlichen Flügel innerhalb der USA, der mächtig ist?

Ob so oder so, es gibt nichts, worauf man sich nach der Wahl wirklich freuen muss, da dieses Wahlprogramm mit Wahlversprechungen den Bürgern gegenüber untere Priorität hat und es erst einmal darum geht, den „Sponsoren" ihren Gegenwert zu bieten. Es macht dabei vermutlich sogar einen großen Unterschied, ob Hillary Clinton oder Donald Trump gewählt werden, eine weitere aussichtsreiche Alternative gibt es eigentlich nicht. Jetzt stellt sich die Frage, welcher beider Kandidaten oder vielleicht Machtblöcke denn letztendlich den geringeren Schaden anrichtet oder in welchen Regionen der Welt besonders zur Geltung kommt. Spekulieren kann man immer viel aber die humanen oder human sinnvollen Wahlkampfpunkte fliegen nach alter Sitte als erstes über Board. Soviel sollte man bereits vor der Wahl wissen und sich vielleicht nicht mehr fragen, wen sondern ob man wählt.

Wenn der Führerlemming brüllt, dann gehen wir baden

Der heutige Mensch wird mit Reizen überflutet und möchte sich nicht in Themen einarbeiten und seinen Geist fordern. Er geht arbeiten, hat Familie, muss unbedingt shoppen, will ausgehen und was erleben oder aber er sumpft vor dem Fernseher, Computer oder im Park ab, da er keine Perspektive hat. Wehr kommt im Wahlkampf weiter? Wer die Inhalte vermittelt und Einblicke in komplexe politische Situationen gibt oder derjenige, der inhaltslos laut daher brüllt und dabei frei fantasiert, wie es gerade passt? Es wird zu oft derjenige gewählt, der die Beachtung der Massen auf sich zieht, selbst wenn ein Teil der Beachtung eher Ablehnung ist.

Wenn der Führerlemming inhaltslos brüllt, dann lassen sich die Wähler emotionalisieren und wer sich fest entschieden hat und 48 Stunden vor der Wahl noch mit einer taktisch platzierten Schmierenkampagne geblendet wird, wählt dennoch anders.

Wenn wir als Bürger uns nicht mit der richtigen Politik detaillierter befassen und selber Informationen auswerten, dann wird Politik auch weiterhin eine Form des Entertainmentprogrammes bleiben, mit dem wir alle ruhig gehalten werden. Aber wie genau hält man uns ruhig bei den ganzen Schandtaten? Die Strategie ist einfach und alt: Sich langsam steigern und wenn dann doch der große Knall kommt, ist es halt zu spät. Aber solange es immer nur schrittchenweise schlimmer wird und wir uns daran gewöhnen können, fackeln wir denen ihren Präsidentenpalast nicht ab.

Natürlich kann der einzelne für sich wenig machen womit er aber immerhin etwas machen kann. Und natürlich sollte man sich nicht von Wut leiten lassen sondern sich genau überlegen, was denn human und sinnvoll auf lange Sicht ist. Das, was in der Welt heute alles passiert, ist es leider zu einem Großteil nicht.

Wir müssen nicht bis zur US Wahl warten

Wir müssen gar nicht bis November zur US Wahl abwarten um zu sehen, wohin es schneller gehen kann, als man es für möglich halten würde. Viele millionen Menschen haben das in den letzten Jahren schon live vor Ort erleben müssen, dass es schnell gehen kann und alles anders ist. Das aktuellste Beispiel ist jetzt nicht ganz so direkt aber vielleicht doch irgendwo durch die USA „inspiriert", das neue Pulverfass sind die Philippinen. Rodrigro Duterte erhielt genügend Stimmen, um jetzt als Präsident das zu betreiben, was er vorher schon mehrfach als Bürgermeister in der Millionenstadt Davao fabrizierte: Er gebietet einfach, dass die Polizei und auch die Bürger Drogendealer und Drogenkonsumenten auf offener Straße erschießen dürfen. Dass es bislang Tausende traf ist tragisch. Immerhin traf es bislang noch nicht mehr Menschen, die als einziges Verbrechen lediglich Pech im Leben hatten. Jetzt sollten alle einen kühlen Kopf bewahren, um da irgendwie raus zu kommen, ohne dass einem alles um die Ohren fliegt, sollte man meinen. Fakt ist jedoch, dass jetzt, wo man vielleicht noch viel retten kann, es in dieser abgestumpften Welt dann auch wieder nicht wirklich jemanden interessiert.

2016-10-04-1475607066-3752755-IMG_2877hm.jpg

Wutbürger

Das Konzept ist einfach und funktionierte schon so oft: Die Bürger sind irgendwann nicht nur enttäuscht sondern auch wütend und lassen sich nur zu gerne von einfachen Lösungen blenden. Die Philippinen haben genau wie andere Länder ihr zum gewissen Teil auch hausgemachtes Drogenproblem mit Drogenelend und dem War on Drugs, mit dem alles schlimmer und nicht besser wird. Das wirkliche Problem ist doch eher die Armut und soziale Verelendung von großen Teilen der Bevölkerung, mit der solch eine Wutwahl überhaupt gewonnen werden kann. Die Probleme sind doch in Wirklichkeit wirtschaftlicher Natur und werden auf den auserkorenen Sündenbock projektiert. Und mit allem anderen, was ist, wird mit dem Finger auf diesen Sündenbock gewiesen, der dafür einstecken muss. Das wird kein einziges der Probleme lösen sondern nur den Führerlemming an der Macht halten, der auch keine Probleme lösen möchte, da es Wutbürger sind, die ihn wählen.

Wutbürger gibt es immer mehr in der heutigen Welt, wer gehört nicht zu ihnen? Aber das darf sich nicht damit äußern, blind den brüllenden Führerlemming zu wählen, da man ihm damit in den Abgrund folgen wird. Und genau dieser Gefahr stellen wir uns leider 2017 auch in Deutschland. Leider sinkt man auch als Nichtwähler, da immerhin die oftmals nur fehlgeleitete aber nicht böswillige Mehrheit entscheidet. Aber wie ist es in den USA? Haben die Bürger überhaupt eine Wahl, für die man wählen gehen müsste?