Huffpost Germany
BLOG

Eine offene Plattform für kontroverse Meinungen und aktuelle Analysen aus dem HuffPost-Gastautorennetzwerk

Robert Brungert Headshot

Tierinvasionen stoppen oder nutzen?

Veröffentlicht: Aktualisiert:
LOCUST
PaoloBis via Getty Images
Drucken

Wenn aus pflanzlicher Kost tierische Eiweiße werden

In vielen ärmeren ländlichen Regionen sind die Menschen auf das angewiesen, was sie vor der eigenen Haustüre erwirtschaften können. Ein Heuschreckenschwarm, der die Ernte frisst, bedeutet Entbehrung oder sogar Hungertot. Dabei enthalten Heuschrecken doch wertvolle Proteine.

In der Entwicklung des Menschen nahm dieser die unterschiedlichsten Lebensräume für sich ein und passte sich eher durch seine Technik und Lebensweise als durch seine Erbanlagen an. Durch eine globalen Supervulkan starb einst vor zehntausenden Jahren der Großteil der Menschheit und deswegen sind heute alle Menschen miteinander genetisch sehr nah verwand, da sie aus wenigen Exemplaren hervorgehen. In dieser Entwicklungsgeschichte wäre die optimale Ernährung überwiegend pflanzlich mit einem Anteil von Tiererzeugnissen oder Fleisch. Gerade die Menschen ab der Mittelschicht essen im Schnitt viel zu viel Fleisch, ein kleiner Anteil tierischer Erzeugnisse wäre durchaus erstrebenswert. Die ärmeren Menschen müssten dann jedoch häufig mehr Tiererzeugnisse verzehren.

Ernte weg, Fressfeinde einsammeln?

In der Natur gibt es immer wieder Plagen, die häufig durch das Wetter bedingt werden, sich jedoch nicht immer auf direkte Ursachen zurück führen lassen. In vielen Regionen haben die Menschen wiederholt kritische Jahre, die sie überwinden müssen. Bei den bereits genannten Heuschrecken könnte man einen „Krötenzaun" aufbauen, um sie damit aufzuhalten, solange diese noch nicht flugfähig sind. Es gibt jedoch zu viele Heuschrecken in diesen Plagejahren, als dass man seine Ernte damit wirklich retten könnte. Aber anstelle dessen erntet man Heuschrecken und kann diese verwerten. Es stellt sich nur die Frage, wie man diese Mengen verarbeitet, wenn man sie nicht haltbar machen kann.

In gewissen Regionen gibt es Mückenplagen und die Einheimischen fangen mit einem Tuch solange Mücken, bis sie eine Mahlzeit zusammen haben. Solange man diese Tierchen effektiv fangen kann, kann man sie auch nutzen.

Einige Pomacea - Apfelschnecken treten in Reisbauregionen immer wieder als Plagen auf, sie werden aber auch gezüchtet, um sie zu verzehren. Hier könnte man lediglich die größeren Exemplare absammeln oder überall dort, wo die Felder abgefressen sind oder die Schnecken wandern Köderfallen aufstellen, um mit weniger Arbeit diese Apfelschnecken zu fangen Weil diese eingeschleppten Apfelschnecken bereits in den südlichen europäischen Regionen vereinzelt Ernten vernichtet haben, sind alle Pomacea Arten für Einfuhr und Handel innerhalb der EU im Jahr 2013 verboten worden. Alle anderen Apfelschneckenarten sind weiterhin legal sowie man bestehende Pomacea Bestände anscheinend weiter halten darf.

Gleichwertiger Gegenwert?

Wer eine Feldfrucht anbaut, die von Heuschrecken oder Apfelschnecken nieder gefressen wird und diese anstelle dessen einsammelt, hat gewiss keinen gleichwertigen Gegenwert. Was will man in diesen Klimaregionen mit einer derartigen Masse von nicht lagerbaren Gütern? Man hätte jedoch immerhin irgendetwas und die abgefangenen oder eingesammelten Exemplare werden nicht weiter Pflanzen fressen.

In der industrialisierten Landwirtschaft denken die „Experten" gewiss intensiver über Spritzmittel als über „Krötenzäune" nach. Man kann aber nicht gegen alles und nicht zu jedem Zeitpunkt spritzen und auch dann ist das immer sehr bedenklich für die Umwelt und vor allem die Wasserkreisläufe. Innerhalb der EU die Einfuhr oder den Handel der Pomacea Apfelschnecken zu unterbinden, mag deswegen eine sinnvolle Maßnahme sein. Allerdings braucht es nur wenige Exemplare, die sich in den warmen Regionen vermehren, um innerhalb kurzer Zeit doch zur Plage zu werden. Derartige Maßnahmen haben gegen die kritischen Arten eigentlich nie genügend Wirkung gezeigt. Nachfragen kann man gerne Australier.

Der Mensch sollte sich in Anbetracht seiner Auswirkungen auf die regionale und vor allem die globale Umwelt durchaus wieder dessen bewusst werden, dass er, wenn auch als Sonderrolle, innerhalb der Natur lebt und auch stirbt. Diese zu erhalten und nicht durch Raubbau zu zerstören wäre kurzfristig vielleicht unbequem aber langfristig zielführender oder sogar die Voraussetzung für das Überleben unserer „Wertekulturen" oder gar der Menschheit.

Ihr habt auch ein spannendes Thema?
Die Huffington Post ist eine Debattenplattform für alle Perspektiven. Wenn ihr die Diskussion zu politischen oder gesellschaftlichen Themen vorantreiben wollt, schickt eure Idee an unser Blogteam unter blog@huffingtonpost.de.

Auch auf HuffPost:

Lesenswert: