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Mit Hanf in die Öffentlichkeit

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Was sagen die Passanten?

Viele trauen sich nicht mit ihrer Leidenschaft zum Hanf in die Öffentlichkeit. Es wird sogar abgelehnt, eine dem Datenschutz unterliegende Petition zu unterzeichnen, da man „im öffentlichen Dienst" arbeitet. Und viele der Bedenken sind nicht unbegründet, da man mit einem Eintrag ins Führungszeugnis für viele Jobs die Kündigung erhält. Wer jeden Abend säuft, kann die Kinder betreuen, nicht aber einer, der am Wochenende vom Joint zieht. Dann gibt es die Berufsfahrer oder auf das Fahrzeug angewiesenen, die um ihren Job bangen, wenn sie in eine Kontrolle gelangen.

Viele haben noch immer Angst um ihre Existenz und verstecken sich beim kiffen. Man will immerhin nicht wegen einer Auffälligkeit in den sozialen Abstieg „eingestiegen" werden. Aber was genau passiert, wenn man sich mit dem Thema Hanf in die Öffentlichkeit begibt? Was passiert, wenn man einen Infostand macht und den Leuten erklärt, dass es das Recht des Bürgers ist, ob er er aus medizinischen oder Genussgründen kifft?

Argumentativ chancenlos das Gespräch ausweichend

Wenn die Cannabisgegner einem ebenbürtig und nicht als Richter oder Polizist gegenüber stehen, dann haben sie argumentativ keine Chance gegen einen Aktivisten, der im Thema steckt. Ob Jugendschutz, Einstiegsdroge, Psychosen oder sonstige Kotzwörter, man kann alles weg schmettern. Man muss sich nur auf die Realität beziehen und auf das Freiheitsrecht. Die wollen also ernsthaft erwachsene Menschen bevormunden, ihre Existenz zerstören und der Freiheit berauben, um für Kinder in der Schule eine „Signalwirkung" zu haben? Wenn das so gut funktioniert, warum fangen viele Jugendliche trotzdem mit dem Kiffen an? Sind sie dadurch geschützter, dass sie es überall, leider ohne Qualitätskontrollen, auf dem Schwarzmarkt mit noch ganz anderen Drogen erhalten können? Ist damit Cannabis oder das Cannabisverbot der Einstieg in ganz andere Drogen? Und warum gibt es Menschen mit Psychosen, die mit Cannabis behandelt werden, wenn sie doch davon Psychosen kriegen? Auch an dieser Stelle gibt es diese und auch jene Studien.

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Letztendlich kann jedes Verbotsargument abgeschmettert werden, allein durch das Freiheitsrecht des erwachsenen Bürgers. Damit wollen die allermeisten dennoch kein Marihuana im Supermarkt sondern im Drogenfachgeschäft mit Substanztrennung kaufen. Auch sind sich fast alle einig, dass es einen Jugendschutz und Werbeverbote geben muss. Man möchte keinen freien und unkontrollierten Markt, wie es ihn derzeit mit dem Schwarzmarkt gibt. Qualitätskontrollen und Abgabeauflagen mit gepflegten Konsumräumen, das wäre der Wunsch vieler Kiffer.

Müsste der Hanfgegner denn mit dem Kiffen anfangen, wenn es legal wird? Wo genau sieht er für sich oder die Gesellschaft das Problem, wenn die Leute nicht mehr illegal sondern legal kiffen? Sie machen es doch schon heute trotz der Drogenverbote!

Deswegen lässt sich eigentlich kein Cannabisgegner auf eine Diskussion ein sondern ruft nur „da kriegt man Psychosen von" und läuft weiter, ohne eine fundierte Antwort abzuwarten. Es kommen nicht einmal die Beamten, um sich mit der Realität vertraut zu machen.

Begrenztes Interesse vorhanden

Für viele ist das Thema Cannabis nicht interessant oder sie wissen es für sich selber noch nicht. Immer wieder sieht man Leute, denen es medizinisch helfen könnte. Wie soll man ihnen das erklären, dass sie vielleicht einmal „Rauschgift" nehmen und dann schauen sollen, wie es ihnen damit geht?

Dann gibt es jedoch immer sehr viele Leute, die es wirklich interessiert. Es gibt hierbei durchaus diejenigen, die für das Verbot gegenüber den Konsumenten sind, denen es bei einer kurzen Erläuterung aber eigentlich auch egal ist. Es gibt also Leute, die einfach noch Input benötigen. Dann gibt es wiederum Leute, die schon auf der richtigen Seite stehen, aber dennoch Informationsbedarf haben. Die „Geringe Menge" wird immer wieder als „Legale Menge" verstanden sowie das leidige „Führerscheinproblem" vielen noch unverständlich ist.

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Andere sehen die Plakate und kommen zielstrebig, sie wollen wissen, wo man Cannabismedizin oder mitwirkende Ärzte findet. Es sind natürlich auch immer welche dabei, die etwas kaufen wollen. Es sind aber auch diejenigen am Stand, die sich über uns beschweren, da sie nicht „umschulen" wollen. Einige schauen auch nur und gehen schnell weiter, wenn man sie anspricht. Ein paar Kids, die einfach aus dem Bauch heraus etwas fragen, um einen Unterhaltungswert zu finden, gibt es eigentlich auch an jedem Infostand zu Cannabis.

Vielen ist gar nicht bewusst, dass man es dem Kiffer nicht automatisch ansieht, dass er Cannabis konsumiert. Es gibt gerade unter den Patienten derart bürgerlich wirkende Personen, dass man sich glatt schämen muss, ihnen kriminelle Energie andichten zu wollen. Die meisten Kiffer sind in dem Moment der Legalisierung langweilige und gesetzestreue Bürger, die viel Schokolade essen.

Cannabis Infostände auf dem Oktoberfest

Das Oktoberfest haben viele noch nicht besucht, da es dort „zünftig" zugeht. Es laufen hordenweise besoffene Leute herum, die Cannabis für ein „Suchtgift" halten und den Kiffer in eine Entzugsklinik oder den Knast stecken würden. Dennoch gibt es dort Aktivisten, die nicht zum ersten Mal einen Infostand für den Hanf aufgebaut haben. Dieses haben sie sogar an Stellen gemacht, wo viele Leute entlang laufen. Bislang scheinen es alle unbeschadet überstanden zu haben, da sie sehr höflich das Gespräch suchten.

Selbst in München auf den Wiesen ist der Hanf schon langweilig geworden und interessiert die Leute nicht mehr. Es ist eben nichts Neues mehr, sondern deutscher Lebensalltag. So schien es auch in Münster, dass es die Leute dieses Jahr weniger als im Vorjahr interessierte. Wir sind einfach schon zu normal, als dass es noch für den „Zoobesuch" mit Angaffen reicht.

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