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Mila Kunis - Alkohol im Kindesalter

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Wer interessiert sich schon für schöne Frauen aus Hollywood?

Derzeit finden sich einige Schlagzeilen und dazu gehörige Artikel, in denen erklärt wird, warum die dreijährige Tochter von Mila Kunis jeden Freitag einen Schluck Wein trinken darf. Alkohol im Kindesalter? Ob das wirklich zur Religion gehört, wenn Kleinkindern schon der Geschmack von Alkohol nahe gebracht wird und ob es sinnvoll ist, derartigen kulturell aufgebauten gesellschaftlichen Geisteserkrankungen anzuhängen, bleibt hier einmal außen vor. Eindeutig belegbar ist hingegen, dass jemand, der glaubt, keine Ahnung hat, da er es immerhin nicht weiß.

Soviel zu Mila Kunis und ihrer dreijährigen Tochter, nun zum Thema: Alkohol im Kindesalter! Gelegentlich führt mein Weg durch das LWL-Museum für Naturkunde in Münster, in dem seit vermutlich Jahrzehnten eine Dauervorstellung zu den Indianern Nordamerikas genau dieses Thema aufgreift. Die Indianer wurden immer weiter zurück gedrängt, das Ziel war anscheinend ihre Ausrottung sowie sie erst ab 1924 durch ihre Geburt innerhalb der USA automatisch auch Staatsbürger der USA sind. Sie gelten aber gewiss noch heute nicht als vollwertige Bürger und mit Pech werden sie mal eben per Zwang von dem einen in das andere Reservat umgesiedelt.

100 Millionen Indianer sind durch die Entdeckung der neuen Welt durch den „Weißen Mann" ums Leben gekommen, viele systematisch. Noch heute leben Indianer in Nordamerika meist in abgelegenen Reservaten wie in einem Drittweltland mit einer Arbeitslosigkeit von oft über 60%. Bereits in den Entdeckerjahren war es üblich, den Indianern Alkohol zu geben. Der Weiße Mann hatte wohl auch die Hoffnung, dass sich mit jeder Party einige Indianer totgesoffen haben. Alkohol hat ab diesen Entdeckerjahren eine feste Tradition im Indianerleben, Alkohol im Kindesalter gehört dazu.

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Harold Red Eagle säuft seit seinem achten Lebensjahr

Alkohol im Kindesalter ist unter Indianern in US Reservaten anscheinend ein alltägliches Phänomen, sowie rund 75% der Indianerfamilien wenigstens einen Alkoholiker zählen. So die Zeitung „Montana's Indians" aus dem Jahr 1996, die Harold Red Eagle einen Artikel widmete. Damals war er 37 Jahre alt, soff damit schon seit 29 Jahren und hält sich an einem Pfahl fest. Sein eigener Vater war es, der ihm den Alkohol gab. Was genau die Absichten eines solchen Vaters waren, geht aus dem Artikel nicht hervor.

Harold Red Eagles Tochter begann das Trinken erst mit 13 Jahren. Mit 18 muss sie für drei Jahre ins Gefängnis, immerhin hat sie ihren 14 jährigen Bruder getötet. Sie erstach ihn mit einem Messer, als sie betrunken war. Im Reservat gehen 79 Prozent aller Straftaten auf Alkohol zurück.

„It was her family's way of life."

„All she saw us do was drink alcohol."

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Alkohol im Kindesalter vermutlich eine ganz schlechte Idee

Wenn die Eltern der Kinder Raucher sind und diese den Rauch bereits kennen, ist es wahrscheinlicher, dass sie mit dem Rauchen anfangen. Beim gesellschaftlich etablierten Alkohol ist es ähnlich. Wenn die Kinder sich bereits im Kleinkindalter an den Geschmack alkoholischer Getränke gewöhnen, ist das mehr als fraglich. Es ist wie beim Zucker, dass es nicht 100 Gramm sein müssen. Ein Stück Würfelzucker macht bereits den „Pin" im Hinterkopf und die leuchtenden Augen, wenn es wieder einmal ein Stück Zucker oder auch mehr gibt. Dieser „Pin" wird durch die Häufigkeit oder durch größere Mengen natürlich immer stärker.

Es kommt aber auch auf die Menschen an, ob sie für etwas empfänglich sind. Wer es bereits in den Genen oder im Wesen hat, ein Alkoholproblem hervor zu bilden und auch noch Alkohol im Kindesalter vorkommt, dann ist es nur um so wahrscheinlicher, dass genau dieses Problem früher, stärker und damit problematischer hervorgebildet wird.

Weiterhin sind die Organe oder die Psyche von Kindern erheblich empfindlicher. Wesentlich kleinere Mengen Alkohol, Drogen, Umweltgifte oder sonstige Gifte können einen maßgeblich größeren Schaden als beim Erwachsenen anrichten. Nicht Grundlos sind es die Kinder, nicht die Erwachsenen, die rund um Atomkraftwerken reihenweise an Leukämie erkranken.

Wenn dann zu lesen ist, dass Kinder alkoholfreies Bier trinken, ist dieser „Pin" natürlich nicht vorhanden, auch in Sauerkraut oder anderen Speisen sind bis 0,5 % Alkohol enthalten. Dennoch bringt man den Kindern schon den Geschmack und das Ritual nahe. Auch wenn es eine den Indianern mitgebrachte Kultur des weißen Mannes ist, so wäre es schön, wenn sie wenigstens den Jugendschutz beachten oder den Alkoholismus weitgehend durchbrechen täten. Wer sich jedoch bereits selber als Schweralkoholiker klassifizieren muss und Kinder groß ziehen soll, der bringt damit ganz automatisch einige Defizite mit. Erlebte man selber Alkohol im Kindesalter und lebt folglich im Dauersuff, dann ist es gewiss schwerer, die eigenen Kinder vom Saufen abzuhalten als bei jemandem, der im Leben eine Perspektive mit Job und Einkommen hat. Wer die Armut in der Welt bekämpft, der bekämpft auch ihre Probleme.

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