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Kontingente gegen Überproduktion in der Landwirtschaft

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Milchbauern zahlen drauf

In der medialen Landschaft tauchen gerade die Schlagzeilen um die deutschen Milchbauern auf, die über 300 Millionen Euro Strafen zahlten. Um gegen die Überproduktion zu wirken, wurden auch für Milch Kontingente erstellt. Jeder Milchbauer muss sich diese Kontingente aneignen und war damit zur Produktion einer gewissen Milchmenge berechtigt. Produzierte er weniger, was es egal, da die Kontingente nach EU Stil mit Überproduktion angesetzt wurden, damit es auch für magere Jahre genügt. Bei einer Überproduktion zahlten die Milchbauern jedoch empfindliche Strafen und diese wollen sie nun gerne einklagen. Das Urteil in letzter Instanz wird gewiss nicht mehr lange auf sich warten lassen, es sieht jedoch schlecht für die Milchbauern aus. Das auch deswegen, da sie selbst bei der Einhaltung ihrer Kontingente kaum noch wirtschaftlich arbeiten oder investieren können und bereits drauf zahlen. Denn immerhin werden auch der Stall und Traktor alt und müssen erneuert werden. Wer sich 20 Jahre lang nur über Wasser halten kann, säuft dann an dem Punkt dennoch ab. Deswegen wird es in Deutschland vermutlich keinen unverschuldeten Milchbauern geben. Wer jetzt auch wegen der Zinslast bereits drauf zahlt, sollte die Zinswende fürchten, die aber gewiss noch auf sich warten lassen wird. Denn wer sich bei Niedrigzinsen bis an die Grenze verschuldet, ist bei einer Zinsanhebung von heute auf morgen überschuldet.

Kontingente wofür?

Die Milchkontingente wurden inzwischen auf EU Ebene abgeschafft, Kontingente sind jedoch in der Landwirtschaft in vielen Bereichen üblich. Dabei entscheidet nicht immer der Gesetzgeber sondern auch der Aufkäufer darüber, wie viel die Landwirte anbauen dürfen und welche Folgen eine Unter- oder Überproduktion haben wird. Bei Zuckerrüben ist es ebenfalls üblich, dass ohne eine gesonderte Erlaubnis nicht einfach angebaut werden darf. Man hätte im Moment vom Verkauf ein Problem, mit dem es unwirtschaftlich wird. Kontingente sind deswegen eine Marktregulierung, die meist jedoch so locker angesetzt werden, dass bei gewollter Überproduktion die Preise im Keller bleiben.

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Anderes Beispiel: Die Flächenstilllegung

Bei der im Jahr 1988 eingeführten und 2015 abgeschafften Flächenstilllegung ging es eben nicht um den Naturschutz sondern um die Eindämmung der Überproduktion. Etwas Überproduktion ist „gut", um die Preise im Keller zu halten, zu viel Überproduktion war hingegen unerwünscht. Deswegen wurde bereits 1988 zu 1989 die Flächenstilllegung auf EU Ebene mit zwischenzeitlich 15% Brachlandflächen vereinbart, um die unkontrollierte Überproduktion in den Griff zu kriegen. Wegen dem wachsenden Bedarf an Rohstoffen und der Verknappung fossiler Rohstoffe wurde diese zwischenzeitlich verbindliche und mit finanziellen Abstrafungen geahndete Maßnahme wieder aufgehoben. Es gehen einfach zu viel Mais, Zuckerrüben, Raps oder sonstige Pflanzen in den Treibstofftank oder werden als Rohstoffe genutzt, es werden deswegen für die gleiche Menge Nahrungsmittel mehr Flächen benötigt.

Quoten und Stilllegung

Wer nicht in der Landwirtschaft tätig ist, der kriegt davon kaum etwas mit, was es mit Quoten und Flächenstilllegungen oder den Agrarsubventionen auf sich hat. Gerade diese Subventionen sind häufig der reinste Wahnsinn und auch Tierqäulerei, wenn das Transportieren von Lebendvieh über die Grenzen hinweg sich durch diese Subventionen rechnet.

Die Milchquoten oder Flächenstilllegungen waren zumindest verbindlich. Wären die Landwirte sich als Kollektiv einig gewesen, hätten sie sogar noch weniger erzeugt, um die Preise zu stabilisieren. Da jeder nur für sich selber denkt und handelt, wird es dazu aber vermutlich nie kommen.

Wenn zu viel Milch produziert wird, ist das ein Aufwand und dieser belastet die Umwelt. Weniger unnütze Produktion schont die Natur und somit unseren Lebensraum. Bei der Flächenstilllegung kann man noch andere positive Effekte aufweisen: Wegen der sehr intensiven Landwirtschaft werden die Flächen schnell ausgelaugt, weswegen Fruchtwechsel betrieben wird. Jede Pflanzenart belastet die Böden anders und wechseln sich über die Jahre hinweg verschiedene Arten ab, schont das bereits die Flächen. Aber auch dann leiden die Böden nach einiger Zeit und wenn sie im Wechsel brach lagen, konnten sie generieren.

Jetzt wäre es jedoch für die Bodengeneration nicht notwendig, die Böden für ein oder einige Jahre brach liegen zu lassen. Oft genug kann man aus schlechten Böden auch natürliche Weiden anlegen und wie vor 100 Jahren einfach Schafe und Kühe weiden lassen. Bei den für Hanf besser geeigneten Flächen kann auch eben dieser Hanf angebaut werden, der ein Bodenverbesserer und eine der entscheidenden Green Deal Pflanzen ist. Mit diesem nachwachsenden Rohstoff wäre man auch im Fall neuer Ölkrisen mit Versorgungslücken etwas unabhängiger, was auch für Solar- und Windstrom sprechen würde.

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Nicht nur Hanf verbessert die Böden

Um objektiv zu bleiben: Hanf ist nicht die einzige Pflanze, die positiv auf die Böden wirkt. Die meisten „Industriepflanzen" laugen die Böden aus oder laugen diese sogar sehr stark aus. Aber Hülsenfrüchte wie Linsen, Erbsen und Bohnen lagern Stickstoff ein, wodurch im nächsten Jahr der Weizen oder Mais profitieren würden. Auch andere Pflanzen können auf den dazu passenden Böden positiv wirken. Deswegen wird nach einer Hauptfrucht in unseren Breiten oft ein „Gründünger" angebaut, der vor Erosion schützt und zur Humusbildung im Boden beitragen soll. Auch an dieser Stelle wäre Hanf optimal. Selbst wenn dieser wegen seiner Fasern oder Samen angebaut wird, fallen viele Blätter vor der Ernte ab, die für die Humusbildung sehr wertvoll sind.

Etwas Brachland ist für die heimischen Tiere und Pflanzen als grüne Oasen extrem wichtig, für die Landwirtschaft geht es jedoch auch ohne Brachland sowie man einfach intelligenter und für den Verbraucher gesünder wirtschaften sollte, selbst wenn es für alle im Schnitt etwas teurer an der Ladenkasse werden würde. Es würde sich jedoch nicht nur für die Landwirte auszahlen.