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Indooranbau überwinden durch Cannabislegalisierung

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Wenn der Bock zum Gärtner wird

Einige Drogensubstanzen wurden international verboten, um damit Schaden von der Gesellschaft abzuwenden. Seitdem werden nicht nur noch mehr Drogen konsumiert (weil der Handel bei höheren Preisen noch interessanter ist), die Substanzen werden durch den unkontrollierten Schwarzmarkt gefährlicher, es wird riskanter konsumiert und die Kriminellen gehen nicht zum Anwalt sondern greifen zum Baseballschläger oder gar zur Feuerwaffe.

Dabei werden die Schäden für die Umwelt häufig völlig ausgeblendet, diese sind jedoch enorm. Wer illegal Drogen anbaut, verarbeitet und transportiert, wird sich kaum an Umweltschutzauflagen halten sondern seine Lösungsmittel und seinen Abfall einfach in der Gegend entsorgen. Beim leicht anzubauenden und zu verarbeitenden Cannabis mag das sogar noch harmlos wirken, ist es jedoch nicht.

Weil sich ein Outdoor Anbau in dicht besiedelten Gegenden nicht gut verstecken lässt aber man vor Ort produziert, um das Transportrisiko zu mindern, wird massiv viel Strom für den Kunstlichtanbau verbraucht. Vielen Kleinerzeugern oder Selbstversorgern geht es dabei auch lediglich darum, für weniger Geld an das bessere Marihuana zu gelangen.

Diese Kreise würden vielfach gerne eine Gartenlaube anmieten aber hätten wieder das sehr hohe Risiko, entdeckt zu werden.

Gehen diese Probleme auf die Drogen oder Drogenkonsumenten oder eben auf den durch Drogenverbote nicht regulierbaren Schwarzmarkt zurück? Diese Frage sollten selbst eine Frau Mortler oder ein Herr Thomasius leicht beantworten können. Und Tipps dem Motto nach: „Dann kifft halt nicht!" können die werten Kandidaten der Prohibition sich gerne aufs Papier schreiben, sich durch den Hintern ziehen und anschließend behalten.

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Cannabis legalisieren und ökologischer anbauen

Wenn Cannabis legalisiert wird, kann es durchaus aus den geeigneten Outdoor Anbauländern wie Marokko, Libyen, Afghanistan, Indien, Thailand oder auch anderen Regionen wie Mexiko, Jamaika, Spanien, Italien, Griechenland, Albanien oder gerne auch aus Uruguay importiert werden.

Es hat jedoch seinen Reiz, sich als Gesellschaft selber versorgen zu können sowie viele Privatpersonen ihren Eigenanbau nicht missen wollen. Selbst wenn ein Überangebot von Importware die Marktpreise derart drückt, dass ein kommerzieller Anbau in Deutschland nicht mehr lukrativ wäre (eher unwahrscheinlich), werden extrem viele Cannabisliebhaber dennoch ihr eigenes Rauchkraut anbauen wollen.

Dank der besseren Technik etablierten sich zuerst Vaporizer und nun Akku Vaporizer, mit denen Marihuana, Haschisch oder Extrakte verbrennungslos konsumiert werden können. Die Konsumenten werden immer massiver durch die Händler oder untereinander zum Konsum mit einem Vaporizer oder wenigstens einen Konsum ohne Tabak angehalten, um ihre Gesundheit zu schützen. Es handelt sich nicht um Verbote sondern um Empfehlungen.

Genauso sollte es Anbauempfehlungen geben oder sogar ein Kunstlichtverbot für den kommerziellen Marihuanaanbau. Davon wäre jedoch die Hanfsamenproduktion oder die Stecklingszucht auszunehmen. Aber die große Masse an Kunstlicht- Stromfressern hätte man direkt ausgeknipst aber dem Selbstversorger kein Verbot sondern nur eine Empfehlung aufgebürdet.

Viele haben einfach nicht die Möglichkeit, ein Haus mit Garten oder eine Gartenlaube anzumieten. Auch für diese Personengruppe soll der Eigenanbau zur Selbstversorgung möglich bleiben.

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Auf die Sicherheit achten

Eben wegen der Sicherheit wird derzeit unglaublich viel Marihuana unter Kunstlicht angebaut. Einzelne Anlagen waren bereits so groß, dass die Starkstromleitungen überlastet war und im ganzen Viertel die Stromversorgung zusammen gebrochen ist. Ebenfalls sind Brände eine häufige Folge überlasteter oder laienhaft angebrachter Stromleitungen.

Auch das wären Punkte, die für den Outdoor oder Gewächshaus Anbau sprechen. Jedoch stellt sich selbst bei legalisierten Situation weiterhin die Frage der Sicherheit. Es geht dabei nicht nur darum, dass sich die Jugendlichen nicht Zugang zum Marihuanagarten verschaffen. Es geht auch darum, dass es sonst keiner macht und der Grower seine Ernte selber einholen kann. Sobald er befürchten muss, 5 Tage vor der Planernte seine Pflanzen nicht mehr vorzufinden, wird erneut die Kunstlichtlampe angeknipst und weiterhin wird extrem viel Strom verschwendet.

Selbst wenn dieser Strom angeblich „grün" produziert wird, so muss doch erst noch die Photovoltaikanlage, das Windrad oder der Stausee „produziert" werden und es muss eine Stromtrasse mit genügender Kapazität gebaut werden. Ganz grün ist unser „grün" dann nicht mehr. Wozu sollte man sich diesen Aufwand antun, wenn die Sonne doch kostenlos für uns scheint?

Es sollte also ein paar wenige Auflagen für den privaten Outdoor Anbau von Marihuana geben, die sich jedoch leicht einhalten lassen. Das für den Anbau genutzte Gartengrundstück soll eingezäunt und verschließbar sein. Dabei reicht es, einen Teil der Fläche einzuzäunen. Es wäre auch noch ok, wenn man eine Outdoor Wildkamera aufbaut und auf den Garten ober den Gartenzugang ausrichtet.

Das würden viele Selbstversorger sogar gerne machen, um sich selber zu schützen. Aber alles, was darüber hinaus geht, wäre zu viel der „gesellschaftlichen Fürsorge" für uns „Doofbürger". Für den gewerblichen Anbau mit ganz anderen Mengen wären darüber hinausgehende aber realistisch umsetzbare Sicherheitsauflagen vertretbar.

Es ist nur eine Pflanze, die vor 150 Jahren überall angebaut wurde und in vielen Regionen genügend THC für Rauschzwecke enthielt. Tonnenweise Hasch wurde (und wird) aus Indien importiert. Die Menschen sind nicht deswegen bereits gestorben und ihr Erbgurt wurde nicht deformiert.

Wenn heute jeder zweite eine Allergie hat und mit 40 Krebs kriegt, dann wäre das nach einer Cannabislegalisierung nicht schlimmer sondern möglicherweise sogar besser. Dass wir durch unsere Konsumgesellschaft alle krankgemacht werden oder bereits krank sind, scheint den Moral- und Gesundheitsaposteln bislang nur ungenügend aufzufallen aber beim Hanf haben sie Angst um das Grundwasser, wenn denn noch mehr Leute Marihuana rauchen würden. In Zeiten vom Fracking kommt da jeder rational denkende Mensch schlichtweg vom Glauben an Intelligenz, Einsicht oder dem Guten im Menschen ab.

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