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Hurenpass - Stigmatisierung dem Bürger als Schutz verkaufen

24/01/2016 21:04 CET | Aktualisiert 24/01/2017 11:12 CET
ullstein bild via Getty Images

Prostitution ist das älteste Gewerbe, darüber sind sich viele einig. Selbst bei einigen Affenarten oder anderen Tierarten bringt das Männchen „Gaben", um sich sexuelle Dienste zu erkaufen. Das geht bei einigen Affenarten soweit, dass es bei diesen sexuellen Leistungen nicht mehr nur um Fortpflanzung wie bei anderen Tierarten geht, die Balzgeschenke überreichen.

Der Leitsatz „die Nachfrage bestimmt den Markt" lässt sich auch auf Prostitution anwenden: Wenn genug Männer (und vielleicht auch Frauen?) dafür genügend Geld auf den Tisch legen, werden sich ganz automatisch Frauen oder Männer finden, die diese Nachfrage befriedigen.

Diese „Dienstleister" wollen hierbei gerne die „Gaben" und lassen sich dabei in der Regel auf freiwilliger Basis auf die „Dienstleistung" ein. Sind die „Gaben" nicht attraktiv, wird es weniger „Dienstleister" geben. Werden die „Gaben" folglich attraktiver gestaltet, werden wiederum mehr Personen zu diesen „Dienstleistungen" bereit sein. Und das unabhängig zu Verboten und Strafen!

Oder wie ist es bei Drogen in Ländern, in denen für Drogenhandel oder Drogeneinfuhr die Todesstrafe ausgesprochen werden kann? Wie ist es mit Homosexuellen in Afrika, die ebenfalls in einigen afrikanischen Ländern die Todesstrafe fürchten müssen? Warum gibt es in diesen Ländern Drogen oder eben Männer, die nicht nur homosexuell sind sondern diese Neigungen auch praktizieren?

Wie kann das sein, wenn Verbote zur Erziehung der Bürger so gut funktionieren? Weil es eben seit Anbeginn der Menschheit nicht funktioniert! Selbst in der DDR gab es Pornografie und Prostitution. Der Schein, dass es funktioniert, kommt lediglich dann auf, wenn man das Thema einfach komplett ausblendet und in die versteckten Keller zurück drängt!

Somit wurde 2001 das Prostitutionsschutzgesetz in Deutschland verabschiedet, welches diesem ältesten Dienstleistungsgewerbe eine Legitimität gibt: Prostitution ist nicht mehr Sittenwidrig!

Anpassung vom Prostitutionsschutzgesetz

Derzeit wird die für 2016 geplante Anpassung vom Prostitutionsschtuzgesetz verstärkt unter dem Begriff „Hurenpass" diskutiert. Prostituierte, Freier und Anwohner sollen besser geschützt werden!

Schweifen wir kurz ab: Unsere belesenen Politiker meinen es so gut mit den Bürgern, dass sie zur Erziehung der Jugendlichen selbst die Erwachsenen für die richtige Signalwirkung bei Cannabisdelikten in den Knast sperren und an Cannabisverboten festhalten wollen. Aber dann wird doch ein unkontrollierter Schwarzmarkt entstehen und damit für Jugendliche ein Zugang zu Drogen geschaffen, wie er zu Alkohol und Tabak aufgrund von Regularien nicht mehr funktioniert! Was vermieden werden soll, wird durch Verbote nur noch gefördert!!!

Der gut gemeinte „Hurenpass" soll für mehr Sicherheit in der Prostitution sorgen: Kondomzwang selbst bei Oralverkehr, Arzt- und Behördenbesuche, Auflagen für die Prostituierten und Betreiber und und und.

Es wird eine Meldepflicht geschaffen, bei der viele Formalitäten einzuhalten sind: Gesundheitliche Prüfungen, psychologische Prüfungen, Prüfung der Räumlichkeiten und und und. Dabei geht nicht nur sehr viel Zeit drauf, Prostitution wird für die Ärzte, die Verfolgungsbehörden und Behörden im Allgemeinen oder auch außenstehende Bürger transparenter.

Bei einigen Arten von Vorstrafen werden die Prostituierten sogar mit „Arbeitsverbot" geahndet. Zudem können die Behörden sehr eigenmächtig die rechtlichen Möglichkeiten auslegen, um einfach ein „Berufsverbot" für den jeweiligen Ort auszusprechen.

Zuwiderhandeln gegen die Rahmenbedingungen mit Melde- und Kontrollpflichten, bei denen eben auch eine Art „Hurenpass" vorgelegt werden muss, können mit Bußen oder Strafen geahndet werden.

Würde eine Frau oder ein Mann in Deutschland nur per Visum geduldet werden, könnte bei strafrechtlicher Ahnung die Ausreise gefordert werden. Dass viele Etablissements multikulturell sind, ist vielen bekannt: Viele der Damen kommen nur zum Geldverdienen und gehen nach einigen Jahren. Es sollte bedacht werden, dass Prostitution ein öffentliches Tabuthema ist und man es nicht unbedingt gerne am Heimatort macht sondern diese Jahre gerne irgendwo anders verbringt.

Pure Stigmatisierung durch den Hurenpass

Prostituierte müssen also einen Behörden- und Ärzte- Spießrutenlauf hinter sich lassen, um ihrem Gewerbe nachkommen zu können. Das wäre allerdings auch für Hobbynutten der Fall, sobald Geld fließt. Frauen, die nur ab und an mal für Geld zu haben sind, weil das vielleicht auch ein erotisches Abenteuer ist, müssten all das über sich ergehen lassen und wären aktenkundig sowie auf den Behörden überall für jeden der Anwesenden zu sehen.

Neben den Hobbynutten gibt es jedoch auch viele Personen, die in diesem Milieu tätig sind, da sie nur hier ihre sexuellen Neigungen genügend befriedigen können. Die Begriffe „Nymphomanie", „Domina" oder „Devot" sollten allgemein bekannt sein. Hier ist es nicht nur der Freier, der ein reges Interesse am Sexuellen Kontakt mitbringt!

Es handelt sich beim modifizierten Prostitutionsschutzgesetz nach Meinung Dona Carmen e.V. praktisch in keinem Punkt um einen besseren Schutz, sondern um eine maßgebliche Stigmatisierung und somit Benachteiligung der Prostituierten. Während diese ihren Spießrutenlauf durch Behörden und Arztpraxen ablegen, könnten sie auch schon Geld verdient haben.

Außerdem finden sich viele Frauen doch mit diesem „Gewerbe" ab, da sie eben die in vielen Berufen notwendige Bürokratie nicht gut bewältigen können und auch andere Berufsfelder meiden oder gemieden werden.

Es wird stimmen, dass viele es aus der Not heraus machen. Aber wenn sie es aus freien Stücken machen, muss man sie doch nicht in diesem diskreten Thema an die Öffentlichkeit ziehen und brandmarken. Und Zwangsprostituierte würden gewiss ebenfalls lieber diskret auf Hilfe zurück greifen. Genau dieses Brandmarken wird jedoch passieren!

Mit dem Hurenpass dezent die Prostitution bekämpfen?

Unterm Schnitt birgt die geplante Anpassung vom Prostitutionsschutzgesetz fast nur Verschlechterungen für Prostituierte, Betreiber oder Freier. Der Großteil der Bürger ist laut einiger Umfragen gegen Prostitution.

Es gibt immerhin auch Frauen, die dazu gezwungen werden oder aus der Not handeln sowie es ein unschönes Tabuthema ist. Das soll natürlich nicht sein, seinen Körper für Geld verkaufen zu müssen. Das ist eigentlich nicht nur gut gemeint, sondern auch richtig. Bei der diskutierten Cannabislegalisierung wird z.B. gesagt, dass es auch mit dem legalen Markt keinen perfekten Jugendschutz geben wird und nicht alle Dealer aufhören werden.

Wie ist es denn beim Alkohol oder Tabak? Da funktioniert es auch nicht zu 100%, aber doch besser, als würde man es Dealern überlassen. Oder wie ist es beim Glücksspiel? Hören die Leute auf zu spielen, wenn es verboten wird oder treffen sie sich in dunklen Kellern, wo man nicht eben die Automaten und Roulette Tische auf einwandfreies Funktionieren prüfen kann? Hier schaden Verbote der Sicherheit, da keiner aufhört aber alles durch Verbote noch gefährlicher wird!

Auswirkungen durch den Hurenpass

Wenn man Prostitution durch Meldepflichten und Bürokratie erschwert, um Problemfälle schneller lokalisieren zu können, um gut gemeint zu helfen, was wird denn dann passieren? Die legale Prostitution wird vermutlich deutlich teurer.

Handelt es sich um das einfache Abfertigen sexueller Bedürfnisse, dann ist der Mann bereits mit unter 60 Euro die Stunde (!) dabei, wenn er ein passendes Etablissement oder einen passenden Szenepunkt aufsucht. Hausbesuche oder dezente Wohnungen sind teurer. Ein richtiger Escort Service, bei denen die freizügigen charmanten Damen gebildet sind und wie Modells erscheinen, ist um einiges teurer, hier kostet eine Nacht durchaus weit über 1000 Euro.

Wer sich die Damen ansieht, der wird auch das noch als geschenkt erachten, da hier wirklich Klasse in allen Belangen geboten wird. Diese Frauen könnten sich auf eBay glatt für Millionenbeträge zur Heirat versteigern lassen, müssten dann aber erst recht ihre persönliche Freiheit aufgeben!

Wer sich gar nicht auskennt, wird vermutlich geschockt sein, dass ein einfaches Abfertigen praktisch billiger ist, als mit dem Menschen wirklich Zeit zu verbringen. Es scheint sich auf diesen Ebenen jedoch wirklich um eine Dienstleistung und nicht um die Suche nach persönlichen Kontakten zu handeln. Häufig wird das von beiden Seiten so gesehen, auch da sich viele Männer ihrer Neigungen schämen!

Wer nicht dem aller schlechtesten Job nachkommt und ansonsten etwas mit dem Geld umgehen kann, der wird sich das Nümmerchen für rund 50 Euro demnach leisten können, sollte aber wirklich nur das dabei erwarten!

Und in diesen günstigen Etablissements oder anderen öffentlichen Anlaufstellen für „Erotik" könnte es wirklich teurer werden, da die legale Prostitution maßgeblich erschwert wird. Zumindest wenn der „Hurenpass" nach Plan durchkommt!

Und all die Prostituierten, die den Spießrutenlauf durch Behörden und Arztpraxen nicht auf sich nehmen, die keinen Hurenpass vorlegen möchten, suchen sich dann im Jobcenter einen gut bezahlten Managerjob? Frauenquoten müssen immerhin erfüllt werden! Diese ganzen Prostituierten, die an dieser Stelle durch das Netz fallen, werden kaum ihr „Gewerbe" dran geben. Sie werden sich verstecken und als Prostituierte zweiter Klasse weiter machen.

Was will die zu schützende Prostituierte dann machen, wenn man alle Absprachen bricht und sie anschließend noch schlägt und ausraubt? Zur Polizei gehen und Anzeige erstatten, wo sie selber doch Gesetze bricht? Wohl kaum! Das bedeutet, dass diese Problemfälle durch das modifizierte Prostitutionsschutzgesetz gewiss nicht besser sondern schlechter entdeckt werden, da sie sich erst recht verstecken müssen. Und in diesen Verstecken werden aus Problemchen gewiss richtige Probleme.

Gerade bei Zwangsprostitution, die als Freiwillig dargestellt wird, müsste man nichts mehr kaschieren: Wenn die Damen nicht persönlich bei den Behörden und Ärzten erscheinen, können sie ihrem Gewerbe nicht legal nachkommen. Sie müssen sich demnach verstecken und können dann erst recht noch schlechter behandelt werden.

Es wird auch kaum helfen, dass auch die Freier, die auf die Dienste von Zwangsprostituierten oder nicht zugelassenen Prostituierten zugreifen, zur Rechenschaft gezogen werden können. Dass man vielleicht selber mal dran sein könnte, schockt in anderen Belangen doch auch niemanden sondern ist vielleicht noch der besondere Reiz!

Was sagt der Kaffeesatz?

Für alle, die noch wenigstens etwas klar denken können, zeichnet sich ganz deutlich ab, dass diese gut gemeinten Regelungen definitiv nur das genaue Gegenteil ihrer genannten Absichten erreichen können. Und genau das scheint das eigentliche Ziel zu sein.

Möglicherweise müssen Prostituierte sich künftig dem Amtsleiter, dem Polizisten und dem Amtsarzt anbieten oder Geld abführen, um eine „Arbeitserlaubnis" zu erhalten. Wer auf Diskretion wert legt, diese Zeit nicht mitbringt, Formulare und derartige Schikanen hasst, der wird doch kaum zum Amt gehen, um sich dem „Hurenpass" zu stellen!

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