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"Die legalisieren niemals den Hanf"

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POLICE GERMANY DRUGS
ullstein bild via Getty Images
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Das klappt doch sowieso nicht - ich mache da keinen Unterschied in der Waagschale

Jahrzehntelang wurde Drogenverbotspolitik immer repressiver und Lockerungen wie die geringe Menge (Definitiv keine legale Menge!) waren eher eine öffentliche Fassade, mit der man sagen wollte: „Was stellen die sich denn so an, so schlimm ist das alles doch gar nicht - wir haben schon viel erreicht und sind auf einem guten Weg."

Denn regelmäßig fanden unterm Schnitt gar keine Lockerungen statt, da einfach auch dank der modernen Technik mit Drogenschnelltests und anderen Möglichkeiten viel intensiver gefahndet wird und der Rest sich gegenseitig anschwärzt. Vielfach wurden die Verbotsgesetze eben nicht gelockert sondern angestrafft und man hatte härtere Strafen zu erwarten.

Dass dieser Repressionsbogen in der Cannabisverbotspolitik seinen Höhepunkt erreicht hat, ist eigentlich erst einige Jahre aber noch keine zehn Jahre her. So zumindest die Vermutung, wenn man etwas in diese Szene hineinschaut. Jetzt geht es immer schneller weiter. Uruguay sowie Colorado und Washington machten nur den Anfang. Weitere US Bundesstaaten sind bereits dazu gekommen, Kanada will legalisieren, in der Schweiz gibt es gegen Konsumenten nur noch Bußen und im Mai 2016 wurden Medizinhanfblüten in Deutschland von Anlage I in Anlage III überführt und somit kann jeder Arzt Cannabisblüten verschreiben und die Krankenkassen zahlen (Voraussichtlich ab 2017).

Dennoch gibt es immer wieder Stimmen, die nicht an diese Marihuanarelegalisierung glauben. Selbst im dritten Quartal 2015 erklärte ein Mann, der auf das Rentenalter zugeht und viele wilde Jahre schon hinter sich hatte: "Ich glaube nicht an die Cannabislegalisierung." Diese Aussagen werden vielleicht seltener und stammen innerhalb der Szenekreise eher von den älteren Semestern. Aber es gibt sie noch immer. Wieso?

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Mehrfach wurde mit der Cannabisrelegalisierung fest gerechnet

Zu den Hippie-Woodstock-Zeiten glaubten viele Menschen fest an die Cannabislegalisierung. Mit Millionen Menschen sprach man sich massiv gegen den Vietnamkrieg und gegen Krieg aus. Man wollte alternativ sowie friedlich leben. Nicht nur in den oberen Etagen der US Regierung wurde es den Leuten mulmig zumute und sie erkannten, dass sie es mit einer mächtigen Bewegung zu tun hatten.

Diese war so allgegenwärtig, dass extrem viele Menschen davon ausgingen, dass das irrsinnige Cannabisverbot innerhalb von Jahren Geschichte sei. Es war eine Zeit, in der LSD noch legal war und die Drogenszenen nicht die harten Züge vieler heutiger Brennpunkte annahmen. Drogen waren insgesamt noch nicht so schlimm, was auch an der besseren Qualität lag. Mit mehr Repression werden die Menschen sich auch weiter verhärten.

War on Drugs

Richard Nixon rief den War on Drugs aus, um gegen diese Kriegsgegner und auch die Farbigen vorgehen zu können. Es wurde die DEA gegründet, die selbst den Senioren in den kalifornischen Dispensarys schwer bewaffnet entgegen trat. Es wurde nicht nur ein War on Drugs (Krieg gegen Menschen) ausgerufen, er wurde auch als Krieg geführt, alles wurde nur noch erheblich schlimmer und dank der privatisierten Haftanstalten gibt es in den USA als dem Land of the Free mit rund einem Prozent der Gesamtbevölkerung mehr Häftlinge als in Russland oder in China (Nach Personenzahl).

Die betreffende, eher pessimistische Person, begrĂĽndete ihre negative Haltung jedoch mit den 90er Jahren in Deutschland, als mit gewissen Ereignissen wie der Regelung zur geringen Menge viele sehr fest daran glaubten, dass der Hanf innerhalb von Jahren legal sein wird. Auch nach dieser Zeit wurde alles nur noch schlimmer, als es vorher schon war.

Dies sind vermutlich nur zwei Beispiele. Die Gesellschaft oder die Einzelpersonen wurden durch Drogenverbote nicht geschützt. Es werden weiterhin Drogen konsumiert aber durch diese anmaßende Repression wird riskanter und schädlicher für die Betroffenen und die ganze Gesellschaft oder sogar Weltsicherheit konsumiert. Die USA trennten sich im Übrigen von der Alkoholprohibition (Auf Bundesebene, jedes Land darf für sich selber regulieren), da man um die Sicherheit der gesellschaftlichen Ordnung fürchtete und um das Funktionieren der USA Angst hatte. Vernunft und Einsicht zur Wahrung persönlicher Freiheiten werden dem Historiker höchstens vorgespielt, sind jedoch kaum vorzufinden.

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Wird Cannabis jetzt legalisiert?

Die Chancen stehen sehr gut, dass Cannabis jetzt legalisiert wird. Leider sind Kriegsgegner und Umweltschützer in der aktuellen Situation in den elitären Kreisen vermutlich wieder sehr unbeliebt. Wir befinden uns in Krisenzeiten, auch wenn viele es erst wahr haben wollen, wenn es sie selber trifft. Dabei trifft es sie bereits, bevor sie dieses merken.

Solange es einem gut geht, kann man sich einen gewissen Grad an Mittelverschwendung, Luxus oder auch Dummheit gönnen. Cannabisverbote sind saudumm, sie schaden der ganzen Gesellschaft und nicht nur dem einzelnen Repressionsopfer. Die schweren Zeiten haben für viele noch gar nicht angefangen und sind für die anderen noch lange nicht vorbei, könnte man als These aufstellen. Möglicherweise wird es nun doch wieder überlebensnotwendig, ein klein wenig Intelligenz walten zu lassen.

Hanf in China

In China wurde bereits vor Jahren der großangelegte Hanfanbau eingeleitet. Hanf bietet viele Rohstoffe und regeneriert die Böden, er wächst fast überall, zieht wenig Dünger und braucht keine Pestizide. Auch wenn die Welt um einen herum zusammenbricht, wächst der Hanf einfach weiter. Möglicherweise hätte man die Anbauflächen in China ohne den Hanf nicht mehr wirtschaftlich betreiben können, da sie praktisch schon zerstört waren?

Da es beim Hanfverbot um Machtausübung, Rassismus und der Ausschaltung von einem Konkurrenzrohstoff ging, aber niemals darum, dass Kiffen schädlich wäre, ist es naheliegend, ihn jetzt wieder anzubauen und komplett zu relegalisieren. Die Welt geht vor die Hunde und kann sich den Irrsinn vom Hanfverbot einfach nicht mehr leisten.

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