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Hanf als Gesamtes legalisieren

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Hanf ist mehr als Marihuana

Wurde Hanf wegen seiner berauschenden Wirkstoffe zum Schutz der Jugend und der gesellschaftlichen Ordnung verboten? Wer sich genauer mit der Materie auseinander setzt und dabei objektiv bleibt, wird schnell zum Schluss kommen: Das Cannabisverbot hat ganz andere Gründe.

Marihuana mit den enthaltenen Wirkstoffen ist ein berauschendes Genussmittel, welches für einen Teil der Konsumenten auch Gefahren aufweist. Diese Problemfälle werden vermutlich weniger gesundheitlich leiden als durch einen übermäßigen Konsum „versumpfen" und dabei auf der Strecke bleiben. Das ginge jemanden, der jede freie Minute vor der Spielkonsole sitzt und dafür Ausbildung und Arbeit nicht mehr auf die Reihe kriegt, genauso.

Wie beim Alkohol oder Erdnüssen kann das kein Grund für ein Totalverbot sein, dass einige aus der Masse Schaden nehmen könnten. Von Alkohol und Erdnüssen kann man immerhin sterben, vom Hanf nicht, der jedoch zugleich auch eine Medizin mit vielfältigen Anwendungsmöglichkeiten ist.

Hanf hat natürlich eine Auswirkung auf das Wesen. Er macht friedlicher und mindert den Wegwerf- Konsumrausch. Man neigt eher zu alternativen Lebenseinstellungen. Ist der Normalbürger schon zu Faul zur Revolution, so gilt dieses für den Kiffer erst recht. Somit gingen die einstigen US Farmer dem Cannabisverbot gegenüberstehend nicht ernsthaft auf die Barrikaden und auch heute sind wir Cannabisfreaks doch allesamt sehr harmlos. Mit uns kann man es machen. Wir sind vielleicht nicht dankbare aber doch genügsame Opfer. Unser Gesellschaftssystem funktioniert eben nicht ohne die anderen, die schlechter sind oder auch als Gegner und Gefahr interpretiert werden können.

Neben diesen Punkten, dass unsere westliche Wertekultur ihre Feindbilder oder den schlechteren Menschen benötigt, um in der Gruppe zu funktionieren und dass es berauschend oder heilsam ist, kann der Hanf noch als Rohstoffpflanze trumpfen. Cannabis ist eine sehr vielfältige Pflanze und sollte deswegen als Gesamtes relegalisiert werden.

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Genussmittel, Medizinprodukt und nachwachsender Rohstoff

Schlafmohn ist Ausgangsstoff für Opiate wie Morphium für den medizinischen Gebrauch oder Heroin. Ob beim süchtigen Heroinkonsum noch von Genuss die Rede ist, sei dahingestellt. Hanf hingegen bietet weniger bedenkliche Medizinprodukte, ist ein weniger bedenkliches Genussmittel und zudem eine der interessantesten Rohstoffpflanzen dieser Welt. Mit Cannabis kann sehr viel Biomasse erzeugt werden, die sich zudem sehr vielfältig für die unterschiedlichsten Produkte einsetzen lässt.

Mit Bioplastik und aus der Hanfpflanze gewonnenen Treibstoffen könnte glatt das Erdöl ersetzt werden. Realistischer wäre jedoch, dass man neben den Hanffeldern noch einiges an Photovoltaikanlagen und Windrädern aufbauen müsste. Es würden einem schlichtweg die Anbauflächen ausgehen, würde man ohne Verzicht mit dem Hanf das Erdöl ersetzen wollen.

Die Produktvielfalt, die sich aus der Hanfpflanze gewinnen lässt, erreicht jedoch eine Zahl, die in die zehntausende hineingeht, die alle Lebenssituationen abdeckt und damit in Zeiten zum Ende des Erdölzeitalters extrem interessant wird. Der Beginn vom Erdölzeitalter scheint dem Hanf jedoch den politisch und wirtschaftlich gewollten Todesstoß gegeben zu haben.

Nebenbei zu erwähnen bleibt, dass Hanf wenig Dünger braucht, auf Pestizide verzichten kann, viel CO2 bindet, die Böden verbessert und sogar verseuchte Böden sanieren kann. Damit wäre es möglich, das zum regenerieren ausgewiesene Brachland mit Hanf zu bepflanzen. Der Boden würde schneller regenerieren und wirft zudem noch Ertrag ab. Weiterhin kann Hanf selbst in Deutschland als Zweitfrucht noch im gleichen Jahr nach frühen Feldfrüchten geerntet werden und man hätte zwei Ernten im gleichen Jahr.

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Hanf muss allgegenwärtig werden

Hanf war einst eine der alltäglichen Feldfrüchte, so wie es heute Weizen, Gerste, Roggen, Mais, Zuckerrüben, Raps oder Kartoffeln sind. Und genau das muss möglichst schnell wieder so sein, um all die positiven Aspekte der Hanfpflanze nutzen zu können. Der Aspekt, dass man Marihuana zu Genusszwecken rauchen kann, ist in der gesellschaftlichen Gesamtbilanz eher nebensächlich. Als Medizinprodukt und ökologische Rohstoffpflanze erreicht die Pflanzengattung Cannabis eine weit höhere Bedeutung für die Menschheit.

Dass Marihuana berauschend wirkt, scheint schon fast der vorgeschobene Verbotsgrund zu sein. Einzelne profitierten aber die Gesellschaft samt der Natur leiden. Das Gefährliche am Cannabis ist das Cannabisverbot, welches der Umwelt schadet, die Volkswirtschaft belastet, viele Existenzen sehr nachhaltig zerstört und allen ein großes Stück Freiheit und Selbstbestimmung kostet.

Wird der öffentliche Fokus auf berauschendes Marihuana und Jugendliche gelegt, so ist das durchaus wichtig. Jugendliche sollen sich nicht zu dröhnen und deswegen muss berauschendes Marihuana reguliert werden, damit neben dem Verbraucherschutz auch der Jugendschutz greifen kann. Dabei darf der Rest der Hanfpflanze jedoch nicht ausgeblendet und dessen Nutzung erschwert werden.

Selbst vor der Zucht der Faserhanfsorten mit geringem THC Anteil hätte man dünn besiedelte Regionen ausweisen können, um dort Faserhanf in Massen anzubauen. Und auch das wäre nicht mal notwendig gewesen, da man vor dem Hanfverbot überall Cannabis anbaute und dieser in vielen Regionen auch berauschender Natur war. Es gab jedoch gesellschaftliche Werte, dass Kinder und Jugendliche nicht kiffen. Auch heute sollen Kinder keinen Kaffee trinken, Jugendliche sollen nicht Tabak rauchen oder Alkohol trinken.

Das klappt nicht immer nach Wunsch aber mit Verboten klappt es beim Cannabis noch weniger. Aufgeklärte Eltern, die noch Zeit finden, um ihren Kindern Werte zu vermitteln, wären nicht nur beim Cannabis die beste Prävention.

Der Fokus beim Hanf sollte demnach nicht nur auf Marihuana als Genussmittel oder Medizinprodukt liegen. Bei all den Regulierungsmodellen, mit denen die Produktqualität gesichert und die Jugend geschützt wird, sollte man die Türen für den bereits legalen aber an Auflagen gebundenen Faserhanfanbau weit aufstoßen.

Bislang fehlt es noch an größeren Investitionen für landwirtschaftliche Maschinen und Verarbeitungsfabriken. Landwirte, die es anbauen möchten, gibt es eigentlich schon zur Genüge. Aber diese werden es erst machen, wenn sie es auch geerntet und verkauft kriegen. In anderen Wirtschaftszweigen hätte man Investoren schon lange mit Anschub- Subventionen gelockt.

Warum nur will unser politisches, wirtschaftliches und damit auch gesellschaftliches System den Hanf ums Verrecken nicht?

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