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Gesellschaftliche Drogenpsychose - Warum ist Hanf verboten?

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Hörte der Hanf auf zu wachsen und hört ihr auf, ihn zu rauchen?

Harry J. Anslinger fand sein Angestelltenverhältnis einst als Leiter der US Verfolgerbehörde FBN, deren Vorläufer vergeblich versuchten, die US Alkoholprohibition (Auf Bundesebene von 1920 bis 1933) durchzusetzen. Dieser fehlgeleitete Mann war leider nicht dumm und suchte sich mit dem Ende dieser zum Scheitern verurteilten Alkoholprohibition ein neues Aufgabenfeld, eine neue zum scheitern verurteilte fixen Idee. Eine Aufgabe, die sich nicht lösen lässt und ihm in seiner Behörde einen sicheren Arbeitsplatz bietet. Er hatte mächtige Freunde, die ihn im Eigeninteresse unterstützten, als er die altbekannte Kulturpflanze „Hemp" unter dem Begriff „Marijuana" schrittweise verbieten ließ, bis fast jedes Land auf dem Globus unter Anwendung der Strafverfolgung den Cannabis als „Rauschgift" verbot.

Harry J. Anslinger hegte nach eigenen Angaben seit seiner Kindheit einen Groll gegen Cannabis und Opium. Möglicherweise sind das auch nur Erklärungen für die Öffentlichkeit, warum er selbst den Einsatz von Kriegswaffen gegen Cannabisfreunde befürwortet. Seine wirklichen Motive erklären sich hingegen anders:

"Sicherlich ist Marihuana eher harmlos. Aber die Sache war ein Beispiel dafür, dass ein Verbot die Autorität des Staates stärkt"
Quelle: http://www.broeckers.com/2014/02/04/profiteure-der-prohibition/

„Wenn sich ein Gesetz nicht gleich durchsetzen lässt, muss man mit noch härteren Strafen an die Sache rangehen."

Quelle: https://hanfverband.de/nachrichten/news/zitate

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Anslinger vom Geld getrieben?

Harry J. Anslinger war zwar noch nicht in guter Bezahlung und seine Behörde noch klein und unbedeutend. Aber mit diesen späteren Aussagen zeigt sich doch, dass es auch um den Chefposten mit der unanfechtbaren Macht ging. Denn er hätte für sich selber und für den Moment gewiss an anderer Stelle direkt mehr verdienen können und einen ganz anderen Karriereweg einschlagen können. Es ging jedoch nicht allein um diesen Gehaltseingang: Harry J. Anslinger hatte gesellschaftliche Macht, mit der er gezielt gegen Personen oder Personengruppen vorgehen konnte oder sogar den Stopp der objektiven Cannabisforschung in den USA verhängte und seinen Wahn über die UN in alle Welt trug.

Ohne mächtige Partner, die alle aus wirtschaftlich- persönlichem Eigeninteresse handelten, hätte Anslinger das alles nie geschafft. Andrew William Mellon wirkte einst maßgeblich an der Gründung des Federal Bureau of Narcotics (FBN) mit, in dem sein Schwiegersohn, Harry J. Anslinger, der besagte Chef wurde. Mellon war einer der reichsten und mächtigsten Männer in den USA und als dieser zwischenzeitlich Finanzminister. Durch die Entwicklung neuer Maschinen und Verarbeitungstechniken hätte der Hanf einige seiner Investitionen gefärdet. Ähnlich erging es Hearst oder DuPont. Hearst war ein vermögender Schmierblattverleger mit sehr großen Waldbeständen, der das "Mörderkraut" durch all seine Blättchen peitschete, schlimmer als die Bildzeitung es sich heute trauen würde. Mit dem Hanfboom wäre sein Wald möglicherweise wertlos geworden. DuPont war ein einflussreicher Betreiber von Chemiefabriken und sah seine gerade entwickelte Nylonfaser durch den Hanf gefärdet. Selbst die Rockefeller Foundation hat aus wirtschaftlichen Interessen Geld für Harry Anslinger und seinen Hass gegen Marijuana springen lassen. Aufgrund dieser Phobie, die sich in rassistischer Manier auch gegen Farbige, Latinos und Mexikaner richtet, hat sein Buch aus dem Jahre 1937 den klingenden Namen: "Marijuana, Assassin auf Youth".

In der tiefsten Wirtschaftsdepression erhielt Anslinger stolze 100.000 Dollar (Einst eine beachtliche Summe.) für seine Kampagnen. Er schrieb Polizeistationen und Reporter im ganzen Land an, um über Greultaten informiert zu werden, wenn der Täter vorab Marihuana rauchte. Auf über 100 Millionen Einwohner muss man fündig werden, mit dem allgemeinen Marihuanakonsum hat das kaum etwas zu tun. Hearst hatte zumindest genug Material für Hetzkampagnen. Ob die Täter während der Tat vielleicht aber betrunken oder zugekokst waren, interessierte nicht.

Wie wäre es mit einem weiteren Anslinger Zitat aus seinen Anfangszeiten?

There are 100,000 total marijuana smokers in the US, and most are Negroes, Hispanics, Filipinos and entertainers. Their Satanic music, jazz and swing, result from marijuana usage. This marijuana causes white women to seek sexual relations with Negroes, entertainers and any others.

Quelle: http://www.azquotes.com/author/23159-Harry_J_Anslinger

Repression hilft so toll? Einst waren es also 100.000 Kiffer, heute sind es zig Millionen (in den USA). Sonst wäre es also noch schlimmer? Aber dank der Repression rennen die Drogenfreaks nur mit Kriegswaffen durch die Gegend und haben noch keine Kernwaffen? Diese „Drogenkriminellen" würde es gar nicht geben, wenn man Drogen nicht verbieten sondern regulieren würde. Wer anbauen, verarbeiten, handeln oder konsumieren möchte, muss sich an die Regeln halten. Wenn nicht, kann man ihm noch immer die Sturmtruppen in das Wohnzimmer schicken.

Es geht also weniger um gesundheitliche Aspekte sondern um wirtschaftliche und um die Machtausübung, wenn Cannabis verboten wird. Den Alkohol relegalisierte man 1933 lediglich, weil er sich nicht verbieten ließ. Die Kriminellen konnten dank ihrer immensen Einnahmen eine solche Macht erringen, dass sie zur schnell wachsenden Gefahr für die staatliche Ordnung wurden. Ist das der eigentliche Grund, warum Marihuana nun wieder schrittchenweise relegalisiert wird? Ist das hausgemachte Problem mit dem durch Nixon im Hass auf Farbige und Kriegsgegner ausgerufenen „War on Drugs" jetzt endlich schlimm genug geworden, um doch wieder zu Verstand zu kommen? Es ist immerhin Irrsinn, von einem freien Land zu reden, in dem die Bürger in ihrem Wohnzimmer keine 10 Gramm Marihuana haben dürfen,um sich ab und an oder auch täglich einen oder einige Joints zu rauchen. Eben dieses Marihuana, welches zwischen 1842 und 1900 in den meisten Medikamenten in den USA und in vielen in den europäischen Ländern enthalten war, weil es gegen viele Erkrankungen eine hervorragende Wirkung hatte und noch immer hat.

Quellen:

https://de.wikipedia.org/wiki/Hanf_als_Rauschmittel

http://www.nzz.ch/article73WKM-1.454721

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Mit Vorsatz lernunfähig

Nun hat Harry J. Anslinger mit seinen Hanfverboten bereits vor dem Vietnam Krieg Erfolg gehabt, aus dem er hätte lernen können. Aus taktischen Gründen versuchte man in diesem besagten Krieg die Wälder mit Chemikalien zu entlauben. Die Leute in den entsprechenden Regionen sind heute noch vielfach missgebildet oder sterben früher. Es war nicht möglich, diese Waldstellen zu entlauben, da die Bäume direkt neues Laub bildeten. Einige Sachen gehen einfach nicht und soviele Polizisten auch einen Arbeitsplatz finden und in den USA jedes Jahr sogar Millionen Hanfpflanzen in der Pampa jäten: Der Hanf wächst weiter und ein Teil davon wird auch weiterhin geraucht oder gegessen. Sichere Arbeitsplätze für alle Zeiten?

Harry J. Anslinger und seine Kumpanen verbieten etwas, das sich genau wie die sexuelle Ausrichtung nicht verbieten lässt: Selbst bei Androhung der Todesstrafe wird es Menschen geben, die es einfach machen, es sind nicht einmal wenige. Hätten diese gleichschaltenden Verbotskreise gute Absichten, würden sie Dinge wie Drogen, die sich nicht verbieten lassen, nicht verbieten sondern regulieren. Dass sie genau das beim Cannabis nicht wollen beweist doch, dass es beim Marijuanaverbot noch heute um ganz andere Fakten als um die Gesundheit oder den Jugendschutz geht. Drogenverbote machen es nicht gesünder, wenn dennoch konsumiert wird und die Jugend ist nicht geschützt, da sie jederzeit an den entsprechenden Orten Drogen kaufen kann oder bereits zur Konsumfinanzierung selber dort verkauft.

Was bringt denn den Betroffenen die „Haft wegen Pflanzen"? Für jeden, der wirklich aufhört seine Pflanzen anzubauen, fängt mindestens ein anderer an, der nicht weniger anbaut. Derjenige, der Drogen nehmen möchte, hört deswegen nicht damit auf, weil die Beamten ein paar Pflanzen vernichten. Wie das wirkliche Leben spielt, geht an den betreffenden Verbotskreisen anscheinend völlig vorbei oder sie sind gewissenlose Psychopathen und fernab jeder Empathie. Vermutlich wissen viele von denen sogar, was genau sie da machen und machen es deswegen erst recht. Das ist immerhin unsere Kultur, die wir uns aus dem Mittelalter gerettet haben, dass „Hexen verbrannt" werden.