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EZB Blasenbildung ist Symptombehandlung

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Den Luftballon aufblasen, bis er platzt

Es ist bereits so alltäglich, dass es den normalen Leser kaum noch interessiert: Deutsche Bank in Not, EU Südländer überschuldet, Wachstumseinbruch in China. Das sind Schlagzeilen, mit denen wir jeden Tag geschlagen werden. Wer sich doch ein ganz wenig mit der ganzen Materie befasst, stellt schnell fest, dass dieses Finanz- oder Wirtschaftssystem, welches sich der Politik und Medien bedient, keine Ursachen behebt. Es werden lediglich Symptome behandelt, damit wir mit unserem Paddelboot „neoliberale Globalisierung" noch nicht direkt absaufen. Es ist wie mit einer Dominosteinkette, dass der erste fallende Stein andere umreißt und deswegen von diesen noch etwas gestützt wird. Außerdem wird man dem kippenden Dominostein, der alle anderen mit umreißt, die Schuld zuweisen. Wer als erstes durch das System erdrückt wird, hat also die Schuld am Systemfehler? Genau darauf wird es medial hinaus laufen.

Diese Behandlung der Symptome in unserer globalisierten Welt bieten allerdings nicht einmal einen Stillstand der Misere. Es ist lediglich ein Umschichten der leider wachsenden Probleme und Auffangen der wankenden Dominosteine. Wenn die EZB weiterhin für zig Milliarden Euro monatlich Anleihen aufkauft, ist auch das keine Problemlösung, sondern eine Blasenbildung. Die EZB bläst lediglich den Luftballon auf, der deswegen irgendwann erst reicht mit noch lauterem Knall platzen muss.

Warum ist es eine Blasenbildung?

Die EZB kauft Anleihen innerhalb der Euroländer von über 1000 oder eher über 2000 Milliarden Euro auf. Die Eurozone hatte im Jahr 2013 laut Wikipedia

https://de.wikipedia.org/wiki/Wirtschaft_der_Europ%C3%A4ischen_Union

ein BIP von 17371 Mrd. Euro nominal auf eine Haushaltsverschuldung von 11386 Mrd. Euro. Das Haushaltssaldo auf das BIP liegt bei -3,3%. Aus diesen Zahlen heraus hätten die Staaten der Eurozone also im Jahr 2013 weit über 500 Milliarden Euro Minus gemacht.

Wenn die EZB so viele Anleihen aufkauft, ist das im Vergleich zu diesen Zahlen gar nicht so viel? Wenn die Zinsen so niedrig liegen, sind diese Summen gar nicht so schlimm, da die Zinsen fast bei 0 liegen?

Es wäre zumindest weniger Schlimm, wenn dieses gigantische Anleihenkaufprogramm die Wirtschaft beleben würde und die Schulden aufgrund vom Wachstum wieder tragfähig werden. Diese Anleihen werden wie die meisten Kredite jedoch immer auf Laufzeiten vergeben. Am Laufzeitende werden sie ausbezahlt. Wer das Geld nicht hat, muss sich zu den dann aktuellen Kursen auf neue Anleihen einstellen. Wenn die aktuellen Zinsen höher sind, platzt die Blase. Die Kreditkosten sind spätestens ab dem Punkt untragbar oder müssten mit einer hohen Inflation ausgeglichen werden, die zum einen schädlich für den Wirtschaftsraum ist. Zum anderen schaffen wir derzeit mit all den digitalen Milliardenbeträgen nicht einmal oder neuerdings gerade eben die angestrebten 2% p.a. Inflation

Bereits für 2013 beträgt das Haushaltssaldo besagte 3,3% vom BIP. Warum haben die Länder Minus gemacht? Die aufgrund der hohen Summen selbst zu Minizinsen hohen Finanzierungskosten werden dazu in erheblicher Weise beigetragen haben.

Es ist natürlich jedem denkenden Menschen direkt klar, warum diese Leitzinsen in dieser Situation nicht schnell in die Höhe schießen können. Diese Blasenbildung macht es unmöglich oder zum automatischen Genickbruch. Das Finanzsystem hat sich mit den EZB Entscheidungen also selber die Zwangsjacke angezogen und kann jetzt gar nicht mehr aus den Niedrigzinsen heraus. Sie hat damit allerdings bislang noch gar nichts gewonnen, sondern nur den Luftballon der digitalen Geldblase aufgepustet und in diesem immer mehr Länder und Unternehmen eingefangen. Wenn diese immer mehr Schulden machen können, um damit immer mehr Zinsen zu tilgen, haben diese Player allesamt nichts gewonnen sondern viel verloren.

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Warum half der Anleihenaufkauf bislang nicht wirklich?

Die EZB kauft die Anleihen in dem Umfang deswegen auf, um die Eurozone zu stützen. Es geht um das Stützen, damit noch keine Dominosteine umkippen. Wir könnten doch einfach sagen, dann lassen wir die Griechen halt pleite gehen und werfen sie aus dem Euro raus. Wäre es so einfach? Leider greift alles ineinander. Wenn die Griechen ihre Zahlungsunfähigkeit erklären, aus dem Euro aussteigen und ihre Kredite einfach durch streichen oder mit ihren Drachmen tilgen, werden viele Geldgeber in die Röhre gucken. Einige von diesen sind bereits Wackelkandidaten, die folglich selber ihre Insolvenz verkünden und damit die nächsten Dominosteine umwerfen. Es ist leider eine komplexe Verkettung und kein überschaubares regionales Problem. Ob Griechenland, Italien, Portugal, Spanien oder sonst ein Land: Wir sind alle miteinander vernetzt. Reißen irgendwo die Maschen der Matrix, dann sausen wir mit auf den Boden.

Weil die ganze Zeit nur Symptome behandelt und Dominosteine gestützt werden, hilft das Anleihenkaufprogramm nicht auf lange Sicht sondern ist eine Gefahr. Wir befinden uns also immer noch am Startpunkt der Krise, nur dass schon wieder ein paar ungenutzte Jahre um sind. Währenddessen wird der Luftballon, der neben allen anderen Problemen weiterwächst, nur weiter aufgeblasen. Eigentlich befinden wir uns damit bereits hinter dem Startpunkt. Oder ist es in der EU oder der Welt für die Normalbürger besser und sicherer geworden? Ist die Finanz- und Weltpolitik der Gärtner oder Bock im Paradies?

Das Geld verpulvern oder sinnvoll anlegen?

Die EZB generiert bereits Billiardenbeträge in den digitalen Bilanzen, um andere digitale Werte zu stützen. Das alles ist sozusagen eine virtuelle Welt neben der Welt, in der wir leben. Es ist eine Pseudowelt neben der unseren. Mit all den Milliarden ist eigentlich nichts passiert. Würde man sich einfach auf den oberen Ebenen untereinander auf Stundung der Zinsen und Zahlungen einigen, könnte all das Geld in sinnvolle Investitionen fließen.

Was wäre mit günstigen Wohnraumprojekten, Sanierung der Schulen und Unis, Förderung vom Schienenausbau, Bau von wichtigen Stromtrassen und dann der Bau von weiteren Windkraftanlagen und anderer nachhaltigen Energiegewinnung? Warum nicht auf intelligentem Wege nachwachsende Rohstoffe gewinnen und nutzen? Warum nicht mit Nachdruck in die Energiewende investieren? Warum nicht eine Sanierung der industriellen Landwirtschaft voran treiben, um Megaställe und vitaminleere Nahrung zurück zu bauen? Auch das Gesundheitswesen müsste dringlich reformiert werden, um mit weniger Tabletten mehr Lebensqualität zu ermöglichen.

Deswegen müssen wir jetzt nicht bis zum Tod arbeiten, um die Rentenkassen zu retten. Wir müssten einfach sinnvoller investieren, sinnvoller arbeiten und die Produkte unserer Arbeit sinnvoller aufteilen. Dann wären nicht nur Symptome der Eurokrise behoben, sondern auch Ursachen beseitigt. Das alles wird gewiss länger als 10 Jahre dauern. Aber warum nicht einfach auf lange Sicht sinnvoller handeln und damit jetzt bereits beginnen?

http://i.huffpost.com/gen/5268806/images/s-OCCUPY-FRANKFURT-small.jpg