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Die USA wählt den Green Rush

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Kalifornien, Nevada, Maine und Massachusetts legalisieren

Mit dem 08.11.2016 haben die Wähler ihre Entscheidungen aus den Vorjahren bestätigt, sie entschieden sich erneut für den Green Rush: Marihuana wird zu Genusszwecken und nicht mehr nur zu medizinischen Zwecken legalisiert. Dabei werden neben dem Jugendschutz auch Qualitätskontrollen und Steuereinnahmen realisiert. Es werden zugleich die Steuerausgaben im Verfolgungswesen gemindert. Der überzeugendste Punkt für die Legalisierung von Marihuana ist jedoch die Wahrung der Freiheitsrechte der Bürger für ihr Privatleben und über sich selber. Mit welchem Recht dürfen sie einen gefährlichen Extremsport betreiben, Alkohol und Tabak konsumieren, Haus und Hof verzocken, ungesund essen, viel CO² oder Gift ausstoßen, aber kein Cannabis konsumieren, welches vor allem den erkrankten Menschen ungemein helfen kann?

Beim Green Rush geht es um extrem viel Geld. Vor der Wahl am 08.11.2016 wurde nicht ausgeschlossen, dass der heutige Umsatz von ca. 5 Mrd. US Dollar mit cannabinoidhaltigen Produkten bis 2020 bei rund 20 Mrd. US Dollar liegen könnte. Sind die vielen Rauchgeräte, Growlampen und Extraktionsgeräte in der Rechnung schon enthalten? Wurde hierbei berücksichtigt, dass neben Colorado, Washington, Washington DC, Oregon und Alaska jetzt auch in Kalifornien, Nevada, Maine und Massachusetts Marihuana selbst für Konsumenten legal erhältlich ist? Von einem zum anderen Tag sind es drei bis vier Mal mehr US Bürger, die in ihrer Heimat für Genusskonsum legal erwerben und konsumieren können, sobald sie das Mindestalter erreicht haben. Dieses liegt bei 21 Jahren sowie man nur bis zu gewissen Mengen anbauen und besitzen darf.

Wurde diese erneute Legalisierung bereits in die Aktienkurse eingepreist oder zeichnet sich jetzt das gleiche Bild ab, welches wir vom Jahreswechsel 2013 bis 2014 sehen konnten? Cannabisaktien gewannen in nur einem Quartal mehrere 100% und haben diese in diesem Quartal oft auch komplett wieder abgegeben. Eine steile Spitze und man hat seinen Einsatz verdreifacht?

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Nicht auf rot oder schwarz sondern auf grün setzen?

In den Phasen der „Goldgräberstimmung" kommen auch die letzten aus den Löchern gekrochen und wollen einen „Krumen" ergattern. Anhand der Green Rush Spitze zum Jahreswechsel 2013 zu 2014 zeigt sich jedoch auch die Gefahr: Es wird auf kurzfristige Gewinne spekuliert, um das schnelle Geld direkt mit zu nehmen. Wer sich verkalkuliert, zahlt mit Pech drauf. Viele der Aktiengesellschaften haben zugleich das Problem, dass sie durch diese Spekulation beträchtlichen Schaden nehmen. Was soll der kurzfristige Kursgewinn nutzen, wenn man langfristig arbeiten möchte? Viele dieser AGs wollen vielleicht gar nicht langfristig arbeiten sonder platzieren „Cannabis" in ihren Namen, machen ein paar Pläne, die sich plausibel anhören und verkaufen selber, wenn sie den Peak der Kursentwicklung vermuten?

Wer spekuliert, der sollte immer einkalkulieren, dass es auch eine Frage vom Glück ist und andere schlauer sind, da sie es ständig machen. Wer zudem noch als Kleinanleger aus Europa US Aktien handelt, zahlt ordentlich Gebühren und hat gegen die ganzen „Blender" kaum eine rechtliche Handhabe. Wenn man für ein paar Tausender dabei ist, die „zu Rauch aufgehen", soll man noch ein paar weitere Tausender für Anwälte und Flüge verbrennen? Der Kleinanleger kann sich im Ernstfall immer am schlechtesten wehren und hat es am schwersten, sein Recht einzufordern.

Wer es probieren möchte, kann es gerne tun. Aber wie möchte man als Außenstehender die Aktien aus den USA denn bewerten? Möglicherweise schreiben die Vorstände ihre Bewertungen selber? Man sollte also nur auf Unternehmen setzen, die bereits einige Jahre am Markt sind und ein Produkt oder eine Leistung anbieten, die auch in Jahren nachgefragt wird. Von den ganz jungen und ganz kleinen Unternehmen oder den vielen Startups sollte man die Finger lassen. Gerade in der Goldgräberstimmung werden viele ihren Einsatz verlieren. Wer jetzt in drei und nicht in 30 in Eigenregie geprüfte Startups oder AGs investiert, geht ein extrem hohes Risiko ein. Wer jedoch keine sechs- bis siebenstelligen Beträge am Markt platzieren möchte, kann es bei dem Aufwand einer Einzelaktion kaum sinnvoll auf so viele Positionen streuen. Wer sich ein paar Bewertungen durchliest, sich ein paar Charts ansieht und aus dem Bauch heraus kauft, um den Peak abzuwarten, der kann vielleicht doch besser auf rot oder schwarz setzen.

http://i.huffpost.com/gen/4073312/images/s-MARIJUANA-DOLLAR-small.jpg