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CO2 macht die Meere sauer

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BOAT OCEAN
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CO2 senkt den pH-Wert im Meerwasser

Die Weltmeere sind riesengroß, es handelt sich dennoch um Ökosysteme, die aus dem Gleichgewicht gebracht werden können. Der Mensch macht dieses derzeit durch seinen extrem hohen CO2-Ausstoß. Nach ca. 150 Jahren Erdölzeitalter ist das Weltklima bereits um ca. 0,7° Celsius wärmer geworden.

Diese Erderwärmung nimmt auf die Weltmeere Einfluss, da dieses ebenfalls wärmer werden und die sehr wichtigen Polkappen schmelzen ab. Durch die Erderwärmung steigt der Meerwasserspiegel jedes Jahr um mehrere mm an. Für die Erderwärmung ist der hohe CO2 Ausstoß mitverantwortlich.

Die Meere werden wärmer aber warum werden die Meere sauer? Weil die Weltmeere der weltweit größte CO2-Puffer sind. An der Wasseroberfläche findet ein Gasaustausch statt und das CO2 wird aufgenommen. Das Wasser wird dadurch sauer, da CO2 ein saures Gas ist. Es wird von der Ozeanversauerung gesprochen.

Wie schnell reagiert ein Weltmeer?

Die relevanten Meere sind natürlich der Atlantik und der Pazifik, alle anderen Meere können in diesem Artikel vernachlässigt werden. Das Wasser rotiert in den Weltmeeren vom Äquator zu den Polen und sinkt hier aufgrund der Eisbildung ab.

Wenn sich Eis bildet, dann aus Süßwasser. Das restliche Wasser reichert sich mit Salz an, wird schwerer und sinkt ab. In unteren Wasserschichten strömt es zurück zum Äquator und steigt hier wieder auf. Solche Rotationen dauern Jahrzehnte oder sogar über 100 Jahre. Es kommt darauf an, ob sich das Wasser in den Hauptströmungen befindet oder nicht.

Solange die menschlichen Einflussfaktoren nicht einfach als Müll in dem Meer versenkt werden, greifen diese über die Atmosphäre an der Wasseroberfläche auf die Weltmeere. Auch Flusswasser befindet sich beim Eintreten in die Meere in den oberen Wasserschichten, die sich aufgrund der Sprungschicht kaum mit den darunter liegenden mischen.

Wenn eine Rotation Jahrzehnte andauert, sollte allen klar sein, dass die Auswirkungen von einem hohen CO2-Gehalt in der Luft über Jahrzehnte auf das Weltmeer Einfluss nehmen wird. Das ist aus der einen Perspektive gut: Die Weltmeere ziehen bereits jetzt das Treibhausgas CO2 aus der Atmosphäre. Das geschieht jedoch derart langsam, dass dieses für den Moment nicht viel hilft und auf Dauer keine Lösung darstellt.

Immerhin wäre auch das Meer irgendwann gesättigt und kann das Ansteigen vom CO2 Gehalt in der Atmosphäre immer nur abfedern. Sollte das aufgenommene CO2 an den Polen mit viel Algenwachstum noch aus dem Wasser gesogen werden, sinkt es nicht einmal mit in die unteren Wasserschichten ab, da nur der kleinste Teil dieser Algen absinken wird.

CO2 ist für das Pflanzenwachstum und somit auch für Algen wichtig, damit durch Photosynthese Fruchtzucker aufgebaut werden kann. In Aquarien wird sogar künstlich CO2 eingetragen, damit die Pflanzen besser wachen. CO2 ist jedoch nur ein Wachstumsfaktor und somit wurde bereits vergeblich versucht, die Meere für einen höheren Algenwuchs zu düngen, um das CO2 zu binden. Die absterbenden Algen, die das CO2 binden, sinken wie bereits erwähnt nur zum allerkleinsten Teil unter die Sprungschicht und somit bringt es praktisch nichts.

Tiere fühlen sich in saurem Wasser nicht wohl

Ein Problem ist jedoch, dass saures Wasser Kalk zersetzt. Jetzt setzt sich Kalk aus Calcium, Sauerstoff und Kohlenstoff zusammen. Mehr CO2 im Wasser schadet also dem Kalkaufbau und damit der Kohlenstoffbindung im Meer. Das größere Problem ist jedoch, dass viele Lebewesen auf den passenden pH Wert im Meerwasser angewiesen sind.

Eigentlich alle Tiere werden sich in einem zu saurem oder zu hartem Wasser nicht mehr wohlfühlen. Die Besonderheit sind jedoch die Schalentiere oder andere Tiere, die in oder an ihrem Körper Kalk aufbauen. Schnecken, Muscheln, möglicherweise auch Tintenfische oder andere Meerestiere können in einem sauren Meerwasser nicht genügend Kalk aufbauen. Sie werden zur leichten Beute und werden aus ihrem Lebensraum zurück gedrängt.

Das Leben im Meer wird sich grundlegend verändern und andere Tierarten werden dominieren. Welche Auswirkungen das alles auf das Meeresleben haben wird, ist derzeit ungewiss. Dafür sind die Weltmeere zu komplex, als dass dieses vorhergesagt werden könnte. Möglicherweise werden wichtige Elemente in der Nahrungskette wie einige Kieselalgenarten sich nicht mehr genügend entwickeln. Die Befürchtung lautet deswegen, dass dieses insgesamt zum Nachteil der Menschheit verlaufen wird.

Werden die Weltmeere zugrunde gehen?

Das, was viele Menschen nämlich nicht begreifen, ist der Punkt, dass wir Menschen beim Weltklima auf einen Horizont von einigen Jahrhunderten rechnen. Die Natur rechnet jedoch auf einen Horizont von Millionen Jahren. So groß die Schäden auch wären, die wir Menschen der Natur anrichten, es ist für diese nur ein Augenblick. Wir müssen die Natur nicht wegen der Natur erhalten sondern wegen uns selber. Das gilt auch für die Weltmeere.

Wir müssen nicht andere retten sondern uns selber. Von dieser Erkenntnis scheinen viele noch einen dicken Balken entfernt zu sein.

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