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Hanfmedizin per Kassenrezept

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Caiaimage/Agnieszka Wozniak via Getty Images
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Eigenanbau reicht nicht

Viele Patienten möchten lieber ihr eigenes Marihuana auf eigene Kosten anbauen, als über Apotheken versorgt zu werden. Es gibt zehntausende Marihuanasorten und jede ist anders. Man selber kann den Erntezeitpunkt bestimmen, oder welcher Dünger mit welcher Erde kombiniert wird.

Jeder Patient könnte einige Sorten im Coffee-Shop testen und die für ihn passende anschließend selber anbauen. Das würde die Kosten für die Krankenkassen oder die Gesellschaft senken, ist aber nicht für alle eine Lösung.

Neben den Cannabis-Produkten für Genusskonsumenten muss es nicht nur medizinische Qualitäten, sondern auch medizinische Produkte geben. Bei Hauterkrankungen sind spezielle Salben mit Cannabis und anderen Bestandteilen gewiss besser, als einen Joint zu rauchen.

Weiterhin gibt es dutzende Cannabinoide, die in verschiedenen Kombinationen, oder auch Dosierungen innerhalb der Kombinationen, ganz andere medizinische Wirkungen entfalten. Sobald einzelne Wirkstoffe als Reinstoffe extrahiert und anschließend exakt kombiniert werden, kann sich das "standardisiert" nennen.

Für die meisten Patienten ist das so exakt nicht notwendig und auch nicht durch diese Patienten erwünscht. Je nach Krankheitsbild und Patienten ist es jedoch gut, auf solche "exakten" Produkte mit ausgeklügelten Zusammensetzungen zurückgreifen zu können.

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Nicht jeder kann selber Marihuana anbauen

Viele Patienten möchten gerne Marihuana anbauen und bringen alle nötigen Voraussetzungen mit. Bei anderen fehlt der Wille, es fehlen die Möglichkeiten oder es fehlt beides zusammen. Wenn ein chronisch kranker Mensch in Therapie muss, oder sich tageweise kaum bis zum Briefkasten schleppen kann, einfach zu alt und gebrechlich ist, dann wird dieser Mensch kaum Marihuana anbauen wollen.

Jemand anderes könnte dieses für ihn machen. Aber was ist mit denen, die niemanden mit genügend Kompetenz haben? Es könnte Patienten-Genossenschaften nach dem Prinzip der Cannabis Social Clubs geben. Gegen Unkostenbeiträge kann jeder seine Medizin erwerben.

Aber diese kleinen und lockeren Vereinigungen können nicht für 50 Patienten 100 unterschiedliche und teils aufwändige Medizinprodukte herstellen. Deswegen ist es sehr sinnvoll, wenn dieses im größeren Stil gemacht wird.

Die Hersteller könnten ihre Rezepturen rechtlich schützen und mit einem Branding vermarkten. Wäre das rechtlich nicht umsetzbar, dann kann man zumindest in der Produktion mit Lizenzen und Kontingenten arbeiten, um eine Planungssicherheit zu schaffen.

Bei Zuckerrüben oder Milchkühen geht ohne Kontingente ebenfalls nichts, um den Markt nicht noch stärker zu übersättigen. Somit wäre es attraktiver, in diesen medizinischen Cannabismarkt einzusteigen. Die Deutsche Cannabisagentur soll bereits gegründet werden.

Derzeit wird noch an den Formalitäten gearbeitet, damit diese wirklich einen kontrollierten medizinischen Anbau für die Apothekenbelieferung genehmigen und kontrollieren darf.

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Nicht jeder Patient hat Finanzkraft

Fakt ist, dass leistungsstarke Menschen materiell im Gesamtschnitt besser dastehen, als kranke Menschen, die kaum ihrem Alltagsleben nachkommen können. Wer krank ist, lernt nicht die nötigen Karrierekontakte kennen, verdient weniger Geld und bleibt auch im Privatleben auf der Strecke.

Die "Normalen" wollen immerhin ihr Leben genießen und nicht durch "Krüppel" ausgebremst werden. Das bedeutet, dass der typische Patient, der einen langen und schwierigen Leidensweg hinter und auch noch vor sich hat, arm ist.

Wie soll dieser Patient abgesehen von seiner körperlichen Verfassung noch eine Wohnung mit Anbauzimmer anmieten, die ganze Ausrüstung kaufen und ständig die laufenden Anbaukosten bestreiten?

Es ist demnach untragbar in unserem derzeitigen Gesundheitssystem, dass solche Patienten mit Opiaten, Benzos und sonstigen sehr bedenklichen Medikamenten bis zum Organversagen zugeworfen werden, aber weniger bedenkliches Marihuana aus Kostengründen nicht erstattet kriegen.

Deswegen muss medizinisches Cannabis ab einem gewissen Leidensgrad, oder ab einer gewissen Notwendigkeit durch die Krankenkassen gezahlt werden. Dieses soll zum einen anhand der Krankheitsbilder und zum anderen alternativ durch den behandelnden Arzt entschieden werden.

Wenn sich wirklich kalifornische Verhältnisse einstellen sollten, dass man praktisch mit gefakten Wehwehchen seine Erlaubnis für den medizinischen Cannabisgebrauch erhält, soll natürlich nicht generell dieses medizinische Marihuana über die Kassen erstattet werden.

Jeder Konsument wäre dann innerhalb von 14 Tagen ein Patient mit seiner ersonnenen, schwer chronischen Erkrankung. Das muss dann auch nicht sein.

Abschließend: Es soll für die Patienten oder Genusskonsumenten generell möglich sein, für den Eigenkonsum allein oder in einem Cannabis Social Club ihr eigenes Marihuana anzubauen und zu verarbeiten, ohne durch Bürokratie und Auflagen erstickt zu werden.

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