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Cannabis bürgernah legalisieren

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Einfache Pflanzen für einfache Bürger

Wie man den Hanf legalisieren sollte, sollte einem die Hanfpflanze mitsamt ihrer Geschichte bis zum Punkt der Drogenverbote selber beantworten. Der Hanf ist vom Wesen durchaus eine hoch wachsende Pflanze aber gewiss nicht überheblich. Bei einer hoffentlich baldigen Relegalisierung vom Hanf sollte diese deswegen ebenfalls dem Wesen vom Hanf angepasst werden. Wir brauchen keine Großkonzerne, die hermetisch abgeriegelte Anbauflächen mit weißen Kampfstoffanzügen betreten und alles wie in einem Labor für biologische Kampfstoffe zugeht. Der Hanf sollte der Mafia genommen und dem Mittelstand sowie den Verbrauchern zugeführt werden. Vermutlich werden die Verbraucher deutlich höhere Preise zahlen müssen, die dennoch deutlich unter dem derzeitigen Preisniveau liegen können. Aber man hätte den heutigen Trend der Bioprodukte und Hofläden vorweg genommen, indem man die Industrialisierung vom Genussmittel Hanf einfach überspringt. Damit würden sensimilla Marihuanablüten oder Medizinprodukte nicht ihre Persönlichkeit verlieren und der Konsument könnte sich einfach für den Produzenten, Händler oder Anbieter seiner Wahl entscheiden. Es wäre dann nicht wie beim Fastfood auf MC Donalds, Burger King und Subway beschränkt, die sich den Markt aufteilen. Damit wären Verbraucherschützer besser aufgestellt, da sie es mit kleineren Gegnern zu tun hätten und das würde insgesamt der Produktqualität zu Gute kommen. So ist es doch bei Dönerbuden ähnlich, dass man eine schlechte nur einmal und dann nie wieder betritt.

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Wo die Industrialisierung doch notwendig ist

Der Hanf ist als Pflanze so vielseitig wie unter Rohstoffen das Erdöl. Er könnte dieses Erdöl sogar ersetzen, wenn man nur genug anbauen täte. Man könnte beim Hanf glatt von einer Universalpflanze sprechen. Wenn es um Marihuana oder die einfacheren Medizinprodukte geht oder um Nebenprodukte wie Hanftee, ätherische Hanföle oder Ähnliches, dann kann ein kleiner mittelständiger Betrieb oder sogar ein Ein- Mann- Unternehmer angemessenen Auflagen für die Produktqualität trotzen. Möglicherweise erzeugt auch das eine Unternehmen den Hanf, das andere verarbeitet von vielen Produzenten und der nächste beliefert den Einzelhandel. Wie funktioniert es denn bei anderen ganz normalen Produkten?

Aber wenn es um ganz andere Dimensionen oder Anforderungen geht, dann kommt man auch wegen der Weltmarktpreise kaum um eine Industrialisierung herum. Wenn notwendige landwirtschaftliche Maschinen über 100.000 Euro kosten, wirtschaftliche Verarbeitungsmaschinen auch über eine Million oder wenn für gewisse medizinische oder andere Produkte wirklich hermetisch abgeriegelte Laborkomplexe notwendig sind, kann der kleine Mittelständler das alleine nicht mehr schaffen. In der Landwirtschaft gibt es z.B. Zuckerrübenfabriken. Diese verteilen Kontingente an die Landwirte, damit nicht zu viele oder zu wenige Zuckerrüben produziert werden. Ähnlich kann man es auch mit Hanffabriken für Baustoffe, Zellstoffe und andere Rohstoffe machen. Diese Kontingente müssen für die Landwirte so attraktiv sein, dass sie genommen werden und schon kann die Fabrik sehr exakt kalkulieren. Der Investor hat seine Sicherheiten und der Verbraucher günstige Preise. Je nach Vorhaben muss man immerhin im mehrstelligen Millionenbereich hantieren. Ein paar alternative Freaks oder jeder für sich alleine bringen das natürlich nicht zustande. Dennoch bleibt es erstrebenswert, wenn diese Großprojekte doch noch zum Teil auf die Mittelständler umgewälzt werden wie es bei den Zuckerrüben immerhin noch viele einzelne Landwirte gibt. Auch das ist in gewisser Weise noch Bürgernah aber der eigentliche Grund liegt in dem Punkt, dass der Investor für seine Fabrik weniger Eigenkapital mitbringen muss und deswegen mit unabhängigen Landwirten die Kooperation sucht.

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Es ist nicht mehr alles verboten

Nur zur Klarstellung: Faserhanf ist in Deutschland bereits legal und die Auflagen für den Anbau wurden schon gelockert. Durch das Verbot für das Genussmittel und der damit verbundenen Stigmatisierung gibt es nicht viele Hanfbauern oder Hanffabriken. Das liegt zum Teil nicht daran, dass es diese Bauern, Erzeuger und Verarbeiter nicht gibt. Es liegt zum Teil daran, dass einer alleine nur kleine Projekte stemmen kann und es für die größeren Baustellen derzeit an der Absprache oder an der Dichte der Mitwirkenden scheitert. Wer die Fasern braucht, braucht immerhin kurze Transportwege und muss vor Ort planen.

Deswegen muss man den Hanf auch als gesamtes legalisieren und den Bürgern als Universalpflanze nahe bringen. Die ganze Gesellschaft mitsamt ihrer Umwelt wird profitieren, nicht nur durch mittelständige Unternehmen mit vielen Arbeitsplätzen. Deswegen ist es so wichtig, dass man die Angst vor dieser Pflanze abbaut, damit der Faserhanfbauer nicht in ausgewiesenen Anbauregionen einen Schutzzaun mit Minenfeldring um seinen Pflanzenacker ziehen muss. Hanf gehörte zum alltäglichen Leben der Menschen dazu und wuchs einfach überall, so muss es wieder sein.

Und als letztes Fazit: Zu einer bürgernahen Legalisierung vom Hanf gehört es natürlich dazu, dass der Privatmensch seinen eigenen Hanf anbauen darf. Hier kann man durchaus regulieren und erklären, dass der Anbau in einer geschützten Weise und nicht auf offener Fläche neben einer Schule stattfindet. Man kann ebenfalls die Anbaumenge für potenten Hanf regulieren und für die endgeldliche Weitergabe ein Gewerbe mit Lizenz voraussetzen. Die Weitergabe an Jugendliche kann dabei durchaus gegenüber den Härtefällen mit Haftstrafen geahndet werden. An dieser Stelle kann man die Drogenverbote demnach überarbeitet weiterleben lassen. Aber bei all dem Kontrollwahn: Man kann vieles machen aber sollte es bei den notwendigen und sinnvollen Maßnahmen belassen. Wenn Drogenverbote darauf abzielen, dass die Leute keine Drogen konsumieren und dadurch Schaden abgewendet werden soll, hat man dieses Ziel jedoch verfehlt und das genaue Gegenteil erreicht.