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Cannabis: Brauchen wir die perfekte Legalisierung?

20/03/2016 10:58 CET | Aktualisiert 21/03/2017 10:12 CET
BananaStock via Getty Images

... oder reicht auch die Legalisierung?

In dem Heimatland der Cannabisprohibition, den USA, haben die ersten Bundesstaaten den Cannabis bereits ab 2014 für Genusszwecke legalisiert, andere folgten bereits. Auch in Uruguay wurde der Hanf legalisiert und in vielen anderen US Bundesstaaten oder Ländern scheint es nicht mehr lange zu dauern.

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Legalisiert heißt hierbei nicht „frei geben" sondern regulieren und genau das geht auf einem Schwarzmarkt nicht. In Deutschland will man auch „regulieren" aber die Befürworter können sich noch nicht ganz durchsetzen. Kritiker erklären häufig bereits, dass man Konsumenten nicht mit dem Strafrecht sondern Hilfsmaßnahmen konfrontieren sollte. Aber man wüsste nur so wenig über den Hanf und könne ihn deswegen nicht einfach dem Bürger zugänglich machen.

Unregulierter Schwarzmarkt


Dieser Bürger hat bereits jetzt einen Zugang, der keinen Jugendschutz kennt, es nennt sich unregulierter Schwarzmarkt. Dieser ist häufig die Brücke zu anderen Drogen und zur wirklichen Kriminalität oder auch Prostitution.

Dorthin laufen unsere Jugendlichen und holen sich ihren Stoff und das soll besser sein, als ein regulierter Cannabismarkt mit Aufklärung, Jugendschutz und Hilfsmaßnahmen für Problemkonsumenten? Nicht nur Deutschlands härtester Jugendrichter Andreas Müller sieht dieses anders.

Mit seiner Buchlesungstour zu „Kiffen und Kriminalität - Der Jugendrichter zieht Bilanz" sorgt er für viele öffentliche Diskussionen, z.B. am 15.03.2016 in der Osnabrücker Volkshochschule.

Die falsche Psychologie im Umgang mit Drogen


Die Gesellschaftlichen Organe erklären den Kids, dass Cannabis ganz ganz schlimm ist. Viele probieren ihn dennoch aus und merken, dass dieses nicht der Fall ist und er sich weniger schlimm als Alkohol auswirkt. Diese Kids fühlen sich belogen. Warum sollten sie jetzt noch glauben, dass Heroin schlimm ist?

Macht es wirklich Sinn, alle Probleme auf den Cannabis zurück zu führen? Jemand mit psychischer Erkrankung, der bereits kiffte, ist wegen dem Cannabis krank geworden? Jemand mit mäßigem Lebenswandel, der schon mal kiffte, ist wegen dem Hanf verkommen? Diese Probleme sind bereits da und werden durch den Hanf verschlimmert oder auch verbessert, in der Regel jedoch nicht verursacht.

Probleme, Probleme Probleme


Ist nicht auch das eine Drogenlüge und wie würde es aussehen, wenn wir beim Alkohol nur die Schwerstalkoholiker in den Fokus der öffentlichen Wahrnehmung ziehen würden? Das Bild wäre derart verfälscht, dass es der Realität bei weitem nicht mehr gerecht werden würde, genau wie bei Kiffern. Laut Andreas Müller sehen wir hier nur Probleme, Probleme und Probleme und das ist einfach nicht alles!

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Es fallen immer Menschen durch die Maschen


Drogenverbote stammen von Böcken, nicht von Gärtnern. Angeblich wollen diese ein System schaffen, in dem keiner durch die Maschen fällt und jedem ein annehmbarer Lebensraum geboten wird. Was ist denn in der jetzigen Situation mit den Hanfpatienten, die nicht dürfen oder es nicht bezahlen können, bei denen aber keine anderen Medikamente genügend helfen? Fallen diese nicht im jetzigen System durch die Maschen?

Was ist mit den jugendlichen und erwachsenen Kiffern, die auf dem Schwarzmarkt kaufen und deswegen mit „diesen Kreisen" erst in Kontakt kommen und dadurch vielleicht erst zu richtigen Problemfällen werden?

Was ist mit denen, die ihren Führerschein und häufig damit auch den Arbeitsplatz verlieren, obwohl sie nicht bekifft gefahren sind?

Es fallen immer Menschen durch die Maschen und für jeden, der durch die Cannabisverbote vielleicht wirklich geschützt wird, nehmen geschätzte 5 andere Personen beträchtlichen Schaden. Müssen wir jetzt nach der perfekten Legalisierung suchen, die als unfehlbares Konzept für alle Zeiten Bestand haben kann?

Oder würde auch die direkte Legalisierung reichen, die den Cannabismarkt bereits reguliert und immer wieder angepasst wird? Wenn es unverhoffte Probleme gibt, passt man die Legalisierung eben durch Regulierung an.

Das klappt in den Niederlanden mit der „Grauzonenregelung" auch bereits und wird in Colorado, Washington und weiteren US Bundesstaaten oder in Uruguay ebenfalls gelingen. Warum haben wir dann so viele Probleme mit Alkohol und Tabak? Weil man diese nur mindern kann und derzeit leider noch ungenügend reguliert. Verbote mit dem damit verbundenem Schwarzmarkt lösen auch nicht alle Probleme sondern sind das eigentliche Cannabisproblem.

Auf das perfekte Konzept zu warten, wird genau wie das gesamte Cannabisverbot lediglich mehr Schaden als Nutzen anrichten. Uns mündigen und selbstbestimmten Bürgern wird zudem die angeblich zugestandene Freiheit der eigenverantwortlichen Entscheidung über uns selber genommen.

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