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Beifang fördert die Überfischung

03/01/2016 11:27 CET | Aktualisiert 03/01/2017 11:12 CET
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Dass selbst ein großes Meer ein empfindliches Ökosystem ist, wurde den europäischen Ländern, die an die Ost- und Nordsee grenzen, vor einigen Jahrzehnten bewusst: Durch die vielen Nährstoffe, die mit den Flüssen in die Meere flossen, gab es Algenblüten. Deswegen wurde darauf geachtet, diese belastenden Stoffe aus den Flüssen und somit aus den Meeren heraus zu bekommen.

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Bedenkliche Produktgruppen werden anders hergestellt sowie bessere Klärwerke einiges aus dem Wasser ziehen. Algenblüten lassen sich in der Regel auf ein Ungleichgewicht und/oder einseitiges Nährstoffüberangebot zurück führen, das wissen selbst die Aquarianer.

Viele Algenarten sind bis zu einer gewissen Menge dennoch sehr positiv für das Wasserleben, um im Meer als Nahrungsgrundlage zu dienen. Nahrung ist immerhin für die Kleinstlebewesen notwendig, die wiederum als Nahrung für größere Fische dienen, diese werden von noch größeren Fischen gefressen. Schadstoffe reichern sich dabei leider an.

Derzeit bringt die Überfischung die Weltmeere in ein Ungleichgewicht.

Derzeit bringt die Überfischung die Weltmeere in ein Ungleichgewicht. Immer mehr Menschen wollen essen. In der Wirtschaft wird in der Regel mit kurzem Horizont gedacht. Kann die Fischerei viel Fisch aus den Meeren holen und verkaufen, wird nicht daran gedacht, dass für die Reproduktion noch Fische im Wasser bleiben müssen.

Wer daran denkt, erklärt einfach, dass es sonst ein anderer macht und die eigene Existenz durch das eigene Gewissen gefährdet wäre. Dennoch kann man etwas intelligenter machen.

Warum fördert Beifang die Überfischung?

Verschiedene Erhebungen besagen, dass 8 bis 40 Prozent der Fische als Beifang zurück ins Meer gehen oder nicht genutzt werden. Es sind derzeit vermutlich rund 25 Prozent.

Beifang sind z.B. Meerestiere, die man nicht für die Lebensmittelindustrie verwenden kann oder möchte. Es sind aber auch die richtigen Fische in der falschen Größe. In fast allen Ländern gibt es das System der Fangquoten. Bestimmte Fische lassen sich besser verkaufen oder lassen sich ab einer gewissen Größe teurer verkaufen.

Selbst wenn man den Fisch verwerten könnte, geht ein Teil über Bord, um wertvolleren Fisch zu fangen. Dann gibt es Fischereischiffe, die auf spezielle Fischarten aus sind und das über Bord werfen, was andere haben möchten. Dieses ist teils auch wieder aufgrund der rechtlichen Situation schlimmer, als es sonst wäre.

Beifang geht zumindest nicht von den Quoten runter und deswegen sehen die Fischer in der Regel nicht die Notwendigkeit, Beifang zu vermeiden. Oder sie wollen Konkurrenten ausschalten, wenn wirtschaftlich uninteressante aber räuberische Fische tot in das Meer zurück gehen.

Norwegen ist ein vorbildliches Land

Norwegen ist ein vorbildliches Land: Der Beifang darf nicht über Bord gehen, sondern muss in den Hafen gebracht werden. Ansonsten lässt sich nicht kontrollieren, wie viel Beifang gefangen wird.

Die Fischer haben aufgrund von diesem Aufwand das Interesse, weniger Beifang zu haben. Aufgrund der rechtlichen Konsequenzen halten sie sich jedoch an diese Regelungen, die man immerhin auch kontrollieren muss, damit sie greifen können.

Warum man Beifang auch verwerten sollte

Beifang überlebt es in der Regel nicht, in das Meer zurück geworfen zu werden. Einmal gefangen, sind die Ausfälle und Schäden sehr hoch. Ein Großteil vom Beifang könnte jedoch verwertet werden. Es wird immerhin viel Fisch gefangen, um Fischmehl für die Fischzucht und Viehzucht herstellen zu können.

Einmal gefangenen und bereits geschwächten Fisch über Bord zu werfen, damit der nächste Fischkutter nur für die Fischmehlproduktion noch mehr Fisch fängt, ist unlogisch. Es muss natürlich von Situation zu Situation entschieden werden: Kann eine Art lebend ins Meer zurück geworfen werden und mit geringen Verlusten weiter leben, sollte sie möglicherweise direkt wieder über Bord gehen, zumindest die lebenden Exemplare.

Kann eine Art gar nicht verwertet werden, stellt sich die Frage, ob es der Aufwand wert ist, alles in den Hafen zu bringen und „entsorgen" zu müssen. Aber wenn die Tiere sozusagen dahin sind, ist es besser, diese zu verwerten und die anderen im Meer zu lassen.

Für den Teil, der als Beifang verwertet wird, sollten im Gegenzug die Fangquoten nach unten angepasst werden. Dann würde die Verwertung vom Beifang die Meere etwas schützen, sonst nicht.

Beifangvermeidung

Bei gewissen Arten, vor allem Garnelen, ist der Beifanganteil sehr hoch. Von bis über 80 Prozent ist die Rede. Bei anderen Arten ist der Beifang sehr gering. Es kommt jedoch auch auf die Weise an, wie gefischt wird. Wer beim Angeln mit passendem Köder gezielt auf Fischarten geht, richtet weniger Schaden als beim Dynamitfischen an.

Die Fangflotten müssen einmalig umgerüstet werden

Ungefähr so groß sind die Unterschiede. Dabei gibt es bereits heute viele Möglichkeiten, Schleppnetze und andere Fangtechniken zu verbessern. Die Fangflotten müssen einmalig umgerüstet werden und weiterhin würde etwas mehr Aufwand anfallen.

Es stellt sich jedoch die Frage, ob man in einigen Jahren überhaupt noch fischen kann. Der Kabeljau ist einer der bedeutendsten Fangfische. In ersten Fangregionen ist der Bestand jedoch derart zusammen gebrochen, dass er nicht mehr gefischt wird und sich vielleicht nie wieder erholt.

Es gibt für viele Arten eine für die Erhaltung notwendige Populationsdichte. Wird diese unterschritten, bricht der Bestand in der Region zusammen. So zumindest einige Theorien, die zu dem Schluss kommen, dass bereits heute ein Großteil der Fangfische oder Fangtiere geschont werden muss, um überlebensfähige und/oder gesunde Bestände erhalten zu können. Die Bestandserhaltung ist im Übrigen die Grundlage für die künftigen Fänge!

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Video:Fischen mit Feuerwerk: Schwede zündet Feuerwerksrakete unter zugefrorenem See

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