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Bambus als nachhaltiger Rohstoff auf Feldern?

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BAMBUS
Africa-Pi via Getty Images
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Asiatische Kulturpflanze nicht nur für Bambussprossen

Eine wachsende Weltbevölkerung möchte sich nicht im Verzicht üben sondern gut essen und gut leben. Wenn wir unsere fossilen Rohstoffe bald aufgebraucht haben oder wegen dem Klimawandel nicht weiter nutzen wollen, müssen viele nachhaltige Quellen geschaffen werden. Die Ölheizung könnte man durch eine Stromheizung ersetzen und die Stromerzeugung auf Photovoltaik und Windkraft umstellen.

Wir brauchen jedoch nicht allein Strom oder Energie sondern auch Rohstoffe für Produkte. Deswegen werden schnell wachsende, einfach anzubauende und nachhaltige Rohstoffpflanzen immer interessanter. Der Bambus gehört genau wie der Hanf mit dazu. Bambus gehört zu den Süßgräsern und diese bringen Arten hervor, die sehr viel Biomasse erzeugen können.

Es kommt natürlich nicht nur auf die Ertragsmasse sondern auch auf deren Qualität, den Verwendungszweck, die klimatischen Bedingungen und die Bodenbeschaffenheit an. Kartoffeln werden demnach nicht auf steinigem Lehm sondern auf Sandböden angebaut, Reis auf Trassen, die sich fluten lassen und Zitrusfrüchte in den sonnigen Ländern.

Deswegen eignet sich Bambus gewiss nicht für jeden Boden oder für jedes Produkt aber viele Sorten würden auch in Deutschland mit guten Erträgen wachsen. Derzeit ist Bambus eher als eingebürgerte Gartenpflanze bekannt, weil er pflegeleicht und beständig ist. Da die Logistik jedoch gegen den Import aus Asien spricht, wird seit langem mit dem Anbau als Rohstoffpflanze in Europa experimentiert.

Bambus wächst nicht nur oberirdisch

Bambus wächst unterirdisch mit Rhizomen. Vereinfacht: Es handelt sich um Stränge mit regelmäßigen Knoten und aus diesen Knoten können neue oberirdische Triebe, Bambusstäbe, entspringen. Man kann den Bambus demnach auch oberirdisch zurück schneiden, er treibt neu aus.

Das ist jetzt aber wirklich nur sehr stark vereinfacht dargestellt, da die Vermehrung über die Rhizome beim Bambus je nach Pflanze etwas anders abläuft und man viele Bambusarten im Garten nur hinter eine unterirdische Rhizomsperre setzen soll. Viele Bambusorten sind sonst kaum aus den Gärten wieder entfernbar. Weiterhin gibt es sehr kleine Bambusarten oder solche, die zig Meter in die Höhe schießen. Es gibt geschätzte 1000 bis 1500 Bambusarten sowie man gewiss einige noch schneller wachsende Züchtungen entwickeln könnte.

Wer in einem Jahr Bambus und im nächsten Weizen auf dem gleichen Feld anbauen möchte, sollte sich seine Bambussorte ganz genau heraus suchen. Viele Bambusarten sollen für die Wirtschaftlichkeit mehrere Jahre auf der gleichen Fläche gedeihen sowie ein starkes Wurzel- oder eher Rhizomwerk ausgebildet wird.

Dieses muss man mit seinen Maschinen erst einmal bewältigen können oder die Zersetzung abwarten. Wer jedoch über längere Zeit Bambus oder anschließend Wald anbauen möchte, muss nur darauf achten, dass dieser nicht vielleicht doch über die Grenzen vom Acker wild weiter wächst.

Die Problematik der industrialisierten Landwirtschaft

Wir haben kaum noch Landwirtschaft sondern eher die industrialisierte Landwirtschaft. Das Beispiel der Zuckerrüben: Um aus Zuckerrüben zu den Weltmarktpreisen wettbewerbsfähig Zucker gewinnen zu können, braucht es große Fabrikanlagen. Damit die Transportkosten nicht zu hoch sind, müssen die Zuckerrüben aus der Region kommen.

Für eine Fabrik bauen dutzende oder hunderte Bauern Zuckerrüben an. Damit man wettbewerbsfähig ist, wird natürlich nicht von Hand sonder mit Maschinen auf großen Flächen gearbeitet. Viele dieser Maschinen gibt es beim Lohnunternehmer für alle Bauern, die damit wirtschaftlicher arbeiten können.

Ein Bauer muss also erst einmal geeignete Maschinen haben, mit denen er den Bambus anbauen und vor allem ernten kann. Er muss zudem einen Abnehmer haben. Wenn dieser wirtschaftlich arbeiten möchte, muss er direkt ein Großprojekt hoch ziehen.

Das macht man nicht mal eben alleine oder nebenbei. Normalerweise lockt der Staat die Investoren mit Subventionen oder diese sehen einen großen Vorteil, den Kraftakt aus eigenen Mitteln zu wagen. Damit man weniger Finanzkraft braucht, baut man nur die Fabrik, der Lohnunternehmer kauft die Maschinen und viele Bauern erhalten attraktive Kontingente zum Anbau. Es ist aufgrund der Rohstoffverknappung und dem Umweltschutz wie beim Hanf nur die Frage der Zeit, bis es kommt und wer zu lange wartet, hat den passenden Moment vielleicht verpasst und kann den Konkurrenten aus der Ferne zuschauen.

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