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So stärken Eltern ihre Kinder fürs Leben

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HAPPY KID
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Was wünschen sich Eltern in aller Regel für ihre Kinder? Glück, schulische Erfolge, Zufriedenheit mit dem Leben, dauerhafte Freundschaften - das ist es, was uns als Antwort auf diese Frage als erstes in den Sinn kommt.

Es ist wohl keine zu grobe Vereinfachung, wenn wir bei näherer Überlegung zu dem Schluss kommen, dass unsere Kinder, um diese unsere elterlichen Vorstellungen verwirklichen zu können, sich Tag für Tag kompetent und erfolgreich mit den Anforderungen und Notwendigkeiten auseinandersetzen müssen, auf die sie in ihrem Lebensumfeld treffen.

Diese Bewältigungskompetenz bezeichnen wir als Resilienz. Der Begriff Resilienz umfasst die Fähigkeit eines Kindes, mit Druck und Belastungen fertigzuwerden, die täglichen Herausforderungen zu bewältigen, sich angesichts von Enttäuschungen oder unerfreulichen und traumatischen Erfahrungen rasch wieder zu fangen, klare und realistische Zielvorstellungen zu entwickeln, Probleme zu lösen, gut mit den Mitmenschen zurechtzukommen, sich selbst und anderen mit Respekt zu begegnen.

Zahlreiche wissenschaftliche Untersuchungen über Kinder in schwierigen Lebensumständen stützen das Konzept der Resilienz als eines sehr gewichtigen Faktors. Es erklärt, weshalb manche Kinder mit erschreckenden Hindernissen in ihrem Leben fertigwerden und größte Anstrengungen auf sich nehmen, um sich ihren Weg in ein erfolgreiches Erwachsenenleben zu bahnen, während andere ihren frühen Erfahrungen und Lebensumfeldern zum Opfer fallen.

Wir präsentieren das Resilienzkonzept in dieser Weise, weil wir uns wohl alle − unabhängig von unseren ethischen, kulturellen, religiösen oder wissenschaftlichen Überzeugungen − darin einig sind, dass wir alles tun müssen, um unsere Kinder zu lebenstüchtigen Menschen zu erziehen. Dass wir wissen, was getan werden muss, bedeutet allerdings noch nicht, dass wir auch wüssten, wie die Aufgabe zu lösen sein könnte.

Viele von uns betrachten die Welt zunehmend als einen Ort, der dem Großziehen von Kindern eher feindlich gesonnen ist. Es wäre aber keine realistische Lösung, die Mauern rund um unsere Familien höherzuziehen und die Haustür zweimal abzuschließen, um eine offensichtlich toxische Lebenswelt draußenzuhalten.

Die Welt um uns herum als familienfeindlich und für Kinder verderblich zu verteufeln - eine Welt, der wir in Wahrheit doch alle angehören und für deren Zustand wir in einem gewissen Umfang verantwortlich sind -, das wird uns kaum von der unguten Ahnung befreien, dass die Zukunft große Widrigkeiten für unsere Kinder bereithält.

In dieser beunruhigenden Situation sind sich wohl die meisten Eltern darin einig, dass Kinder eine kräftige Dosis Resilienz brauchen - aber sie sind sich nicht so sicher, wo sie anfangen sollen. Nach einer unlängst in den Vereinigten Staaten unter Eltern durchgeführten Umfrage ist die Ansicht weit verbreitet, es sei heutzutage sehr viel schwieriger als noch vor zwanzig Jahren, Kinder zu "guten Menschen"zu erziehen (Donahue 1998):

Zwei von drei der befragten Personen haben das Gefühl, ihre Sache "schlechter"zu machen; drei Viertel geben an, sie versuchten, gewisse Dinge anders zu machen, sie seien aber unsicher, was sie tun sollen oder ob das, was sie tun, letzten Endes sinnvoll ist. Viele meinen, man müsste die Welt um uns herum verändern, aber sie schrecken vor der riesigen Aufgabe zurück, Einfluss auf eine Welt zu nehmen, die sich mit Schallgeschwindigkeit bewegt.

Kein Kind ist gegenüber seinem Umfeld immun. In unserer schnellebigen und stresserfüllten Welt nimmt die Zahl der Kinder, die auf Schwierigkeiten treffen, und das Ausmaß der Schwierigkeiten, mit denen Kinder es zu tun haben, dramatisch zu. Selbst Kinder, die zu ihrem Glück gute Voraussetzungen mitbringen, erleben den Druck in ihrem Umfeld und spüren die Erwartungen, die auf ihnen ruhen.

Wir sollten also nicht alle unsere Energien auf die Veränderung der Welt um uns herum konzentrieren, sondern mit unseren Veränderungsbemühungen beim Umgang mit unseren Kindern ansetzen, wenn wir resiliente Persönlichkeiten erziehen wollen. Am Anfang muss dabei die Erkenntnis stehen, dass wir es uns nicht länger leisten können anzunehmen, dass unsere Kinder schon "prima geraten" werden, solange sie nicht auf besondere Belastungen oder Widrigkeiten stoßen.

Die Begegnung mit Tausenden von Eltern in unseren Sprechstunden und Workshops bestätigt uns immer wieder, dass das Resilienzkonzept in diesem Prozess im Mittelpunkt stehen sollte. Unsere Erfahrungen sagen uns allerdings auch, dass viele wohlmeinende und liebevolle Eltern die Praktiken entweder nicht kennen oder nicht nutzen, die dazu beitragen können, ein lebenstüchtiges Kind zu erziehen.

Das Gefühl, als Eltern überfordert zu sein, belastende Einflüsse aus der Vergangenheit und Unkenntnis, was die neuesten Befunde der Entwicklungspsychologie angeht, sind nur einige von vielen Gründen, die sie daran hindern, Resilienz fördernde Praktiken anzuwenden - wobei diese sich im Grunde von selbst anbieten. Die meisten Eltern sind sich darüber im Klaren, dass Kinder mehr Kompetenzgefühl und Selbstsicherheit entwickeln, wenn sie angesichts von Herausforderungen mit Unterstützung rechnen können.

Als der zwölfjährige MICHAEL von seinen Versuchen, ein Radio aus einem Bausatz zusammenzubauen, genervt war und alles stehen und liegen ließ, reagierte sein Vater, Mr. Burton, ärgerlich: "Ich hab dir doch gleich gesagt, das wird nichts. Du hast einfach nicht die Geduld, die Bauanleitung genau durchzulesen.

"Mr. Burton wusste zwar, was sein Sohn in diesem Augenblick nötig hatte - nämlich Ermutigung und Hilfe, nicht aber Kritik -, aber seine Verärgerung stand einer hilfreichen Antwort entgegen und ließ ihn in einer Weise reagieren, die Michaels Vorsatz, auch bei schwierigeren Aufgaben durchzuhalten, ins Wanken brachte.

Ein ähnlicher Fall: JANE JONES, neun Jahre alt, kam weinend aus der Schule nach Hause und erzählte ihrer Mutter unter Schluchzen, ihre Freundinnen hätten in der Mittagspause nicht mit ihr zusammensitzen wollen und ihr gesagt, sie wollten sie nicht dabei haben. Jane war ratlos und traurig und fragte ihre Mutter, was sie tun sollte. Mrs. Jones wusste, dass die Fähigkeit, Probleme selbst zu lösen - eine Grundkomponente von Resilienz - zum Wichtigsten zählt, was Kinder entwickeln müssen.

Anstatt aber mit ihrer Tochter über mögliche Lösungen des Problems zu sprechen, sagte sie aus einem Gefühl der Angst heraus, Jane solle den Mädchen klarmachen, wenn sie nicht mit ihr spielen wollten, dann wolle auch sie, Jane, nicht mehr mit ihnen spielen.

Dieser mütterliche Rat mag für sich genommen ganz richtig gewesen sein; dass Mrs. Jones ihrer Tochter jedoch gleich ein ganz bestimmtes Vorgehen empfahl, anstatt sie zum Nachdenken über andere Lösungmöglichkeiten zu veranlassen, verbaute dem Kind eine Gelegenheit, seine Problemlösefähigkeiten zu verbessern.

In unserer schnellebigen und stresserfüllten Welt nimmt die Zahl der Kinder, die auf Schwierigkeiten treffen, und das Ausmaß der Schwierigkeiten, mit denen Kinder es zu tun haben, dramatisch zu.

Kinder zu resilienten Persönlichkeiten zu erziehen, ist ein Ziel, das alle Eltern einen sollte - allerdings handelt es sich hier um einen Prozess, der nirgendwo gelehrt wird und der den meisten Eltern noch bis vor ganz kurzer Zeit nicht einmal als besonders wichtig dargestellt worden ist.

Dass das Resilienzkonzept uns als Richtlinie bei unseren elterlichen Praktiken einfach nicht zur Verfügung stand, hat nach unserer Überzeugung die Probleme, mit denen so viele Kinder zu kämpfen haben, noch verschärft - sie sind nicht darauf vorbereitet, künftige Herausforderungen zu meistern. Wenn Eltern vom Begriff der Resilienz nichts wissen, werden ihre Anstrengungen möglicherweise fehlschlagen oder sogar kontraproduktiv wirken.

Das heißt, vernünftiges und kluges Elternverhalten kann nicht zum Zug kommen, weil es an Information fehlt oder weil die verfügbare Information nicht genutzt wird. Unserer Überzeugung nach beschreibt das Resilienzkonzept einen erzieherischen Prozess, der unabdingbar ist, wenn wir unsere Kinder erfolgreich auf die Zukunft vorbereiten wollen.

Wir sollten uns also bei allen unseren Interaktionen mit Kindern von dem Grundsatz leiten lassen, dass wir ihr Resilienzvermögen stärken müssen, so dass sie imstande sind, angesichts der Herausforderungen des Lebens überlegt, vertrauensvoll, zweckgerichtet und empathisch zu handeln. In manchen Kreisen wird der Begriff Resilienz vor allem im Zusammenhang mit jungen Menschen verwendet, die mit großen Belastungen und Schwierigkeiten fertiggeworden sind; Resilienz sollte aber elementarer Bestandteil eines jeden Erziehungsprozesses sein.

Alle Familien entwickeln, basierend auf unzähligen Faktoren, ihre je einmaligen Zielvorstellungen und Werte, und sie können sich in diesem Prozess von einer Reihe Resilienz fördernder Strategien leiten lassen. Die Unterweisung unserer Kinder in Fragen der Freundschaft, der Religion, des sportlichen Verhaltens, im Umgang mit Fehlern, in der Frage des Teilens mit den Geschwistern und in Fragen der Verantwortung gewinnt noch, wenn dahinter ein Verständnis der Komponenten von Resilienz steht.

Jede Interaktion mit unseren Kindern ist für uns Eltern zugleich eine Möglichkeit, ihnen zu innerer Stärke und Widerstandskraft zu verhelfen. Dabei kann das Ergebnis der jeweiligen Transaktion wichtig sein, noch wichtiger ist aber die Lektion, die sich aus der Art des Umgangs mit dem aktuellen Sachverhalt oder Problem ziehen lässt: Sie ist der Nährboden, auf dem der Same der Resilienz aufgeht und gedeiht.

Dieses Buch will Ihnen nicht vorschreiben, welche Werte oder Zielvorstellungen Sie sich und Ihrer Familie setzen sollten. Es will Ihnen vielmehr einen Gedanken nahebringen, von dem wir überzeugt sind:

Wenn Sie sich das Ziel gesteckt haben, Ihr Kind zu einer resilienten Persönlichkeit zu erziehen, dann können alle Aspekte Ihrer elterlichen Bemühungen unter diesem Leitgedanken stehen - ob es darum geht, ihm Werte zu vermitteln, es zur Disziplin und zur Ausdauer bei seinen Aktivitäten zu erziehen, ob es darum geht, dass es sich einzigartig und wertgeschätzt fühlen soll, dass es lernt, Entscheidungen zu treffen und sich mit diesen Entscheidungen wohlzufühlen, oder dass Sie ihm helfen, befriedigende zwischenmenschliche Beziehungen einzugehen.

Mehr zum Thema: Wie überfürsorgliche Eltern ihren Kindern langfristig schaden

In den folgenden Kapiteln beschreiben und erkunden wir die Welt- und Lebensorientierung resilienter Kinder ebenso wie die Welt- und Lebensorientierung von Eltern, die das Resilienzkonzept zum Fokus ihrer Bemühungen gemacht haben, und wir zeigen die Träume und Wunschvorstellungen der Eltern auf, dass und wie diese elterliche Orientierung in spezifische Formen des Umgangs mit den Kindern mündet. Zuvor sollten wir allerdings noch darauf hinweisen, dass in jüngster Zeit die Rolle der Eltern als Beeinflusser des Lebens ihrer Kinder hin und wieder in Frage gestellt worden ist.

Vielen sei vielleicht nicht bewusst, wie verschieden Kinder von Geburt an sind; es könne also sein, dass sie die Erfolge wie auch die Niederlagen ihrer Kinder in größerem Umfang dem eigenen Konto gutschreiben bzw. zur Last legen, als es angemessen wäre. Wir sind allerdings der Ansicht, dass die Eltern ungeachtet dieser - ob angeborenen oder milieubedingten - Unterschiede eine große Rolle in der Entwicklung ihrer Kinder spielen.

Eine gut fünfzigjährige Forschungstätigkeit an Eltern und Kindern - übrigens nicht nur unserer eigenen Spezies, sondern auch anderer Arten wie der Affen - hat durchweg gezeigt, welch großen Einfluss Eltern auf die Entwicklung des Verhaltens und der Einstellungen ihrer Kinder haben.

Schon vor nahezu fünfzig Jahren hat der Experimentalpsychologe Harry Harlow dargelegt, dass Säuglinge zwar selbstverständlich Nahrung brauchen, dass sie aber, wenn sie die Wahl haben, eher Kontakt und Trost als Fütterung bei der Mutter suchen, und dies nicht nur wenn sie unter Stress stehen, sondern auch wenn sie hungrig sind.

Und ein Überblick über die Erziehungsforschung hat unlängst zu dem Schluss geführt, dass "die Ausprägung erblicher Merkmale oft in einem erheblichen Umfang von Erfahrungen wie dem spezifischen Elternverhalten abhängt"(Collins, Maccoby et al., 2000, S. 228). Wie wir zeigen werden, ist es jedenfalls unerlässlich, die Parameter unseres Einflusses zu kennen, damit wir für den Umgang mit unseren Kindern realistische Ziele und Erwartungen formulieren können.

Um die Welt- und Lebensorientierung einer Mutter zu verstehen, der es gelingt, das Resilienzvermögen ihrer Kinder zu wecken und zu stärken, müssen wir zudem die Orientierung oder Perspektive eines resilienten Kindes verstehen. Wir müssen fragen, welche Kennzeichen, Fähigkeiten und Fertigkeiten es im Wesentlichen sind, die zum Resilienzvermögen eines Kindes beitragen, zu seinem hoffnungs- und vertrauensvollen Blick in die Zukunft.

Wenn wir uns ein Bild von der Welt- und Lebensorientierung eines resilienten Kindes machen können, steht uns eine unschätzbare Quelle der Information zur Verfügung, die uns in unseren elterlichen Praktiken und bei unseren Versuchen leiten kann, die Komponenten dieser Orientierung bei unseren eigenen Kindern zu fördern.

Das einleitende Kapitel beschreibt in Kürze die Welt- und Lebensorientierung des resilienten Kindes und die der Mutter, die das Resilienzvermögen ihres Kindes fördert. Diese Grundlage wird Ihnen helfen zu verstehen, was Sie selbst als Eltern tun können, um die Resilienz fördernden Eigenschaften und Merkmale zu hegen und zu kräftigen. Die nachfolgenden Kapitel nennen Strategien zur Förderung des Resilienzvermögens.

Die Welt- und Lebensorientierung des resilienten Kindes Resiliente Kinder verfügen über bestimmte Eigenschaften und/oder haben ein Selbst- und Weltbild, wie wir es bei Kindern, die mit Belastungen und Herausforderungen nicht fertig geworden sind, nicht antreffen. Sie sind imstande, diese Sicht ihrer selbst und der Welt bzw. diese Orientierung in wirksames Handeln umzusetzen.

Sie sind darüber hinaus optimistisch und haben ein hochentwickeltes Selbstwertgefühl. Was trägt zu dieser von Hoffnung geprägten Einstellung und zu diesem Selbstwertgefühl bei? Resiliente Kinder fühlen sich als die, die sie sind, und damit als etwas Besonderes, und sie wissen, dass sie wertgeschätzt werden. Sie haben gelernt, sich realistische Ziele zu setzen und realistische Erwartungen zu hegen.

Sie haben die Fähigkeit zur Problemlösung und Entscheidungsfindung entwickelt und betrachten folglich Fehler, widrige Umstände und Hindernisse eher als Herausforderungen, denen man sich stellen muss, und nicht als Belastungen, denen man besser aus dem Weg gehen sollte. Sie verlassen sich auf konstruktive Bewältigungsstrategien, die ihrer Entwicklung nicht im Weg stehen, sondern sie fördern.

Sie sind sich ihrer Schwächen und Verletzlichkeiten bewusst, sie kennen aber auch ihre Stärken und ihre Begabungen. In ihrem Selbstkonzept herrschen die Vorstellungen von Stärke und Kompetenz vor. Sie haben wirksame interpersonale Fertigkeiten sowohl im Verhältnis zu ihren Altersgenossen als auch im Verhältnis zu Erwachsenen entwickelt und können sich Hilfe und Unterstützung in angemessener und unaufgeregter Weise von solchen Erwachsenen holen, die eben diese Unterstützung leisten können.

Und schließlich können sie diejenigen Aspekte ihres Lebens benennen, die sie beherrschen, und ihre Energien und ihre Aufmerksamkeit auf diese Faktoren richten anstatt auf andere, die sie nur begrenzt oder gar nicht beeinflussen können. Resilienzvermögen ist das, was wir uns für alle Kinder wünschen. Ein resilientes Kind ist ein emotional gesundes Kind, das Herausforderungen mit Erfolg angehen und sich nach einem Rückschlag rasch wieder fangen kann.

Die in schneller Bewegung und Veränderung begriffene Welt des 21. Jahrhunderts erfordert es, dass alle Kinder sich eine von Resilienz geprägte Einstellung und entsprechende Lebensfertigkeiten zu eigen machen.

Ein solches Kind ist in gewisser Weise ein "Ergebnis«; es ist so geworden, wie wir unsere eigenen Kinder werden sehen möchten, es hat ein Selbst- und Weltbild, wie wir es uns für unsere eigenen Kinder wünschen. Wie können wir die einzelne Situation, die einzelne Interaktion mit unseren Kindern so nutzen, dass sich dieses Ergebnis einstellt? Wie und wo müssen wir ansetzen, um das Resilienzvermögen eines Kindes kontinuierlich zu steigern?

Resilienz fördernde Welt- und Lebensorientierung der Eltern Eltern, denen es ein Anliegen ist, resiliente Kinder zu erziehen, haben manchmal eine ganz feste, manchmal auch implizite oder intuitive Vorstellung davon, was sie tun können, um die entsprechende Einstellung und die entsprechenden Verhaltensweisen bei ihren Kindern zu fördern. Solche Eltern kennen und schätzen das, was Resilienz ausmacht, und lassen sich deshalb im Umgang mit ihren Kindern von einer Kombination wichtiger Grundsätze, Vorstellungen und Handlungen leiten.

Allerdings: Die Komplexitäten dieser Kombination zu begreifen, das ist ein fortlaufender Prozess von Herausforderungen, Enttäuschungen, Rückschlägen, aber auch von Erfolgen. Wie eine Mutter es ausdrückte: "Es wäre vielleicht einfacher, wenn die Kinder ein Benutzerhandbuch bzw. eine Landkarte schon mit auf die Welt brächten."Diese Wunschvorstellung kommt allen Eltern von Zeit zu Zeit in den Sinn.

Es wäre ihnen eine Beruhigung, wenn sie an eine Gesamtheit von Handlungsrichtlinien glauben könnten, an einen schnurgeraden Weg, dem sie nur zu folgen brauchten, um ihre Kinder auf das, was vor ihnen liegt, vorzubereiten. So mancher wünscht sich den "wahren«, den garantierten, den goldenen Weg in die Zukunft, aber dieser Weg existiert nicht.

Nichtsdestoweniger können wir uns mit dem Gedanken trösten, dass uns doch eine Reihe von Wegweisern zur Verfügung stehen, die uns helfen, den je individuellen Weg des einzelnen Kindes in Gedanken abzugehen und zu akzeptieren.

Jeder Lebensweg steht zwar unter dem Einfluss einer Vielzahl von Faktoren, zu denen das angeborene Temperament des Kindes, der Stil und die Wertvorstellungen der Familie, die Erziehungserfahrungen und die größere Gesellschaft oder Kultur zählen, in der das Kind aufwächst; aber diese Wegweiser zeigen doch immerhin Grundsätze und Vorstellungen an, die sich auf allen Straßen anwenden lassen und uns bei unserer Aufgabe leiten können, innerlich starke und widerstandsfähige Kinder zu erziehen.

Im vorliegenden Kapitel wollen wir diese wegweisenden Überlegungen skizzieren und zeigen, dass und wie sie die Orientierung und die Handlungsweise von Eltern bestimmen. In den weiteren Kapiteln werden dann die entsprechenden Grundsätze und Vorgehensweisen im Detail unter die Lupe genommen: Sie sind es, die elterliche Praktiken und Überzeugungen bestimmen, die für alle Kinder wichtig sind, nicht nur für diejenigen, die ungewöhnlichen Härten, widrigen Lebensumständen oder traumatischen Erfahrungen ausgesetzt waren oder sind.

Die in schneller Bewegung und Veränderung begriffene Welt des 21. Jahrhunderts erfordert es, dass alle Kinder sich eine von Resilienz geprägte Einstellung und entsprechende Lebensfertigkeiten zu eigen machen. Im Folgenden listen wir die zehn "Wegweiser"auf, mit deren Hilfe sich das Resilienzvermögen unserer Kinder fördern und steigern lässt.

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Vielleicht sehen sie im ersten Augenblick aus wie ganz selbstverständliche Praktiken, wie etwas, das sozusagen auf der Hand liegt und das die meisten vernünftigen Eltern ohnehin befolgen würden. Aber, wie schon gesagt, auch die Grundsätze und Praktiken effizienten Elternverhaltens, die "auf der Hand liegen«, müssen immer wieder überdacht und reflektiert werden, damit wir das wirklich Wichtige nicht aus den Augen verlieren.

Eltern, denen das Resilienzvermögen ihrer Kinder ein Anliegen ist, haben die wegweisenden Überlegungen verinnerlicht: Sie üben Empathie. Sie äußern sich klar und hören aktiv zu. Sie wandeln "negative Skripts"ab. Sie geben ihrem Kind mit ihrer Liebe das Gefühl, als Mensch in seinem eigenen Wert geschätzt und willkommen zu sein. Sie akzeptieren ihr Kind so, wie es ist, und verhelfen ihm zu realistischen Erwartungen und Zielvorstellungen.

Sie verhelfen ihrem Kind zu Erfolgserlebnissen, indem sie seine Kompetenzinseln identifizieren und stärken. Sie geben ihrem Kind Gelegenheit zu erkennen, dass man aus Fehlern lernen kann. Sie wecken Verantwortungsbewusstsein, Mitgefühl und ein soziales Gewissen bei ihrem Kind, indem sie ihm Gelegenheit geben, sich zu beteiligen. Sie lehren ihr Kind, Probleme zu lösen und Entscheidungen zu treffen.

Sie setzen Regeln und Vorschriften, die das Selbstwertgefühl und die Selbstdisziplin ihres Kindes fördern. Machen wir uns nun mit jeder dieser wegweisenden Überlegungen und mit den Grundsätzen und Vorgehensweisen vertraut, für die sie stehen.

Der Beitrag ist ein Buchauszug aus Das Resilienzbuch: Wie Eltern ihre Kinder fürs Leben stärken von Robert Brooks und Sam Goldstein.

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