BLOG

Eine offene Plattform fĂŒr kontroverse Meinungen und aktuelle Analysen aus dem HuffPost-Gastautorennetzwerk

Rob Brouwer  Headshot

Auswandern fĂŒr die Karriere: Wohin zieht es die Deutschen - und warum?

Veröffentlicht: Aktualisiert:
TRAVELING YOUNG WOMAN LUGGAGE
Aitor Diago via Getty Images
Drucken

Seit inzwischen zehn Jahren kann das deutsche Fernsehpublikum einmal pro Woche am Bildschirm dabei sein, wenn sich andere den Traum vom neuen Leben fernab der Heimat erfĂŒllen - oder zusehen, wie dieser Traum bei einigen zerplatzt: Das TV-Format „Goodbye Deutschland! Die Auswanderer" erweckt einerseits bei vielen den Mut, die Koffer zu packen und Deutschland den RĂŒcken zu kehren.

Andererseits zeigt es den Zuschauern jedoch auch die große Bandbreite an Problemen, mit denen Auswanderer in ihrer neuen Heimat konfrontiert werden. Wie denken die Deutschen wirklich ĂŒber Leben und Arbeiten im Ausland? Und in welchen Teilen der Welt versprechen sie sich die grĂ¶ĂŸten Chancen?

Auswanderer ohne Erfahrung

Einen deutlichen Kontrast zwischen Wunsch und Wirklichkeit beim Thema Auswandern zeigen die Ergebnisse einer Umfrage der Jobsuchmaschine Jobrapido: Die große Mehrheit der Deutschen kann sich zwar vorstellen, die Bundesrepublik fĂŒr eine höhere LebensqualitĂ€t oder einen neuen Job zu verlassen, doch lediglich ein Drittel der Befragten hat tatsĂ€chlich bereits einmal diesen Schritt gewagt und berufliche Erfahrungen im Ausland gesammelt.

Vor allem steht dem Traum vom sozialen und wirtschaftlichen Aufstieg in einem anderen Land die Angst gegenĂŒber, den aktuellen Lebensstandard durch einen wagemutigen Neuanfang zu verlieren. Doch ganz so einfach lĂ€sst sich der Entscheidungsprozess nicht zusammenfassen, denn zum Auswandern gehört eine Vielzahl einzelner Entscheidungen, von denen jede das Gelingen oder Scheitern des Auswanderns bewirken kann.

Wie schwer die Entscheidung fĂŒr potenzielle Auswanderer ist, wird besonders deutlich, wenn man bedenkt, dass sie nicht nur ihr soziales Umfeld zurĂŒcklassen, sondern einen gĂ€nzlich neuen Kulturkreis betreten und dessen Art zu leben und zu kommunizieren neu erlernen mĂŒssen. Und das geht weit ĂŒber die bloße Kenntnis der Landessprache hinaus.

Australiens Schönheit zieht nicht nur Studenten an

Viele asiatische LĂ€nder erleben wirtschaftliches Wachstum und bieten dadurch große Karrierechancen. Allerdings unterscheiden sich die kulturellen Gewohn- und Eigenheiten massiv von europĂ€ischen Normen. Möglicherweise ist die Angst vor der tiefgreifenden Umgewöhnung der Grund dafĂŒr, dass China nur von einem Bruchteil der Befragten als Wunschland genannt wird.

Die Umfrageteilnehmer zieht es stattdessen eher in Gefilde sĂŒdlich des Äquators. Genauer gesagt wĂŒrden 40 Prozent - und damit die Mehrheit der Befragten - am liebsten nach Australien auswandern, weil sie die Schönheit des fĂŒnften Kontinents beeindruckt.

Großer Beliebtheit erfreuen sich daher schon seit Jahren die Working-Holiday-Visa, die vor allem jungen Menschen, darunter vielen Studenten, das so genannte „Work and Travel" in Down Under ermöglichen. Damit lĂ€sst sich zwar vor Ort mit Aushilfsjobs oder Praktika ein wenig Geld fĂŒr einen Tauchausflug am Great Barrier Reef oder einen Trip ins Outback verdienen, ein neues Leben fern der deutschen Heimat lĂ€sst sich so jedoch nicht verwirklichen.

Nach solchen Erfahrungen packt das Fernweh viele erst recht, sodass sie ihr Studium am liebsten im Ausland beenden wĂŒrden. Doch oft bleibt es beim Wunsch: Laut den Umfrageergebnissen haben mehr als 80 Prozent der Deutschen nie im Ausland studiert - eine Entscheidung, die knapp die HĂ€lfte von ihnen heute bereut.

Als neue Wahlheimat ebenfalls hoch im Kurs liegt Italien. Das fĂŒr seinen „Dolce Vita"-Lebensstil bekannte Land wurde von mehr als jedem Vierten als Wunschland bezeichnet. Auch die warme Mittelmeer-Sonne und die NĂ€he zur Heimat und dem gewohnten kulturellen Umfeld dĂŒrften dabei eine entscheidende Rolle spielen.

Vom TellerwÀscher zum MillionÀr?

Auch in die USA lockt es die Deutschen beim Streben nach beruflichem Erfolg. Die legendĂ€re Chance, „vom TellerwĂ€scher zum MillionĂ€r" aufsteigen zu können, scheint bei vielen noch immer Hoffnungen zu wecken. Und tatsĂ€chlich ist diese Redewendung realistischer als es scheinen mag: Der Deutsche Wolfgang Zwiener ging 1960 als junger Mann zum Kellnern nach New York.

Nach jahrzehntelanger Arbeit als SpĂŒler und spĂ€ter als Chefkellner in einem der Ă€ltesten und berĂŒhmtesten SteakhĂ€user des Big Apple wagte er den Schritt in die SelbstĂ€ndigkeit. Mit seiner eigenen Dry-Age-Methode verzaubert er inzwischen in zwei stets ausgebuchten Steakhausfilialen in Manhattan die New Yorker Gourmetszene: ein Paradebeispiel fĂŒr den amerikanischen Traum und die geglĂŒckte Entscheidung, „Goodbye, Deutschland" zu sagen - allerdings ohne Kamerabegleitung.

Ihr habt auch ein spannendes Thema?
Die Huffington Post ist eine Debattenplattform fĂŒr alle Perspektiven. Wenn ihr die Diskussion zu politischen oder gesellschaftlichen Themen vorantreiben wollt, schickt eure Idee an unser Blogteam unter blog@huffingtonpost.de.

Auch auf HuffPost:

Lesenswert: