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Bauphysiker warnt vor Terror-Nuklear-Katastrophe

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TIHANGE
JOHN THYS via Getty Images
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Die belgischen Atomkraftwerke Tihange 2 und Doel 3 produzieren eine Panne nach der nächsten. Unglaubliche 18 cm große Risse sind mittlerweile in den Reaktorwänden entstanden. Jetzt machten die Atommeiler auch noch im Zuge der Terrorgefahr Schlagzeilen: Kurz nach den Brüsseler Terror-Anschlägen schickten die belgischen Atomkraftwerke unzählige Mitarbeiter nach Hause: Alle sollten "einer Prüfung unterzogen" werden. Nur ein kleines Kernteam durfte vor Ort bleiben.

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Was dahinter steckt: Schon vor den Anschlägen in Brüssel kam heraus , dass angeblich über drei Jahre lang ein Dschihadist als Sicherheitstechniker im AKW Doel arbeitete, bevor er 2014 zum sogenannten IS/Daesh nach Syrien ging. Desweiteren soll ein Isotopenspezialist, der Zugang zu den Meilern hat, ausspioniert worden sein.

Die eigentliche Gefahr kommt von innen


Was kaum einer weiß: Im Sommer 2014 kam es zur Sabotage. Notabschaltung und schwere Schäden am Block 4 der Atomzentrale bei Antwerpen waren die Folgen. Der Atomexperte Mycle Schneider (Träger des Alternativen Nobelpreises) erklärte kürzlich in einem taz-Interview wie erschreckend einfach es sein kann, ein AKW durch Sabotage einen AKW-Störfall zu provozieren.

Sicherheitsbedenken wurden ignoriert


Eine Katastrophe durch Terrorakte wurde zwar bislang verhindert, doch nach wie vor droht der Ernstfall. Die brüchigen Reaktoren Tihange 2 und Doel wurden im letzten Dezember wieder ans Netz genommen - nach 20 Monaten Stillstand. Erhebliche Sicherheitsbedenken unabhängiger Experten wurden ignoriert. Anfang Dezember 2015 war ich dabei, als wir im belgischen Innenministerium 115.000 Unterschriften gegen den Neustart übergaben.

18 cm große Risse und zunehmend spröder Stahlmantel


All das konnte den Neustart zum Jahresende nicht verhindern, aber der Protest wächst. Mittlerweile unterstützen über 50 Städte, Gemeinden und Landkreise im Rheinland, den Niederlanden und Luxemburg eine Klage: Die bisher geheim gehaltenen Dokumente des Betreibers Electrabel sollen endlich zugänglich gemacht werden und von unabhängigen Experten geprüft werden.

Europaweiter Protest


Der internationale, öffentliche Druck auf die Verantwortlichen in Brüssel muss weiter steigen! Deshalb bitte ich Sie dringend, unseren fortlaufenden Appell auf change.org an die belgische Atomaufsicht zu unterzeichnen.

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