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Zum Welttag der Meere: Die Intelligenz der Fische

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FISH SEA
ROSLAN RAHMAN via Getty Images
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Jedes Jahr werden weltweit zwischen 970 und 2.700 Milliarden Fische gezüchtet, gefangen und getötet. Das sind unvorstellbare Zahlen, die umso stärker wirken, wenn man sich bewusst macht, dass es sich bei Fischen um fühlende, intelligente Lebewesen handelt.

Nachdem sie lange - auch von der Wissenschaft - als bloße »Reflexmaschinen« betrachtet worden sind, wird diese Auffassung mittlerweile von zahlreichen Forschungsergebnissen widerlegt. Sie fördern zum Teil verblüffende Erkenntnisse zutage, die zeigen, dass Fische soziale Lebewesen sind, die erstaunliche kognitive Leistungen vollbringen können.

Selbstbewusstsein

Selbstbewusstsein zum Beispiel: Vor Kurzem haben Wissenschaftler auf den Bahamas den sogenannten Spiegeltest mit Manta-Rochen durchgeführt. Während dieses Versuchs wird Tieren ein Spiegel präsentiert und ihre Reaktion darauf beobachtet. Zu den Arten, die den Spiegeltest bereits bestanden haben, gehören Elefanten, Schimpansen, Delfine - und jetzt auch die Manta-Rochen. Die zwei bahamaischen Versuchstiere versuchten nicht, mit ihrem Spiegelbild zu interagieren, was darauf schließen lässt, dass sie es nicht als Artgenossen interpretierten.

Stattdessen zeigten die Rochen ungewöhnliche Bewegungen und ließen Blasen aufsteigen - vermutlich, um zu überprüfen, ob die Reflexionen im Spiegel sich genau so bewegten wie sie selbst. Das sind äußerst spannende Ergebnisse, denn Selbstbewusstsein würde darauf hindeuten, dass die Rochen auch zu hoch entwickelten kognitiven und sozialen Leistungen in der Lage sind.

Wer meint, dass die Rochen ein Einzelfall sind, irrt: Andere Fischarten legen ebenfalls erstaunliche Verhaltensweisen an den Tag.

Ein Beispiel ist das Jagdverhalten von Zackenbarschen und Riesenmuränen: Möchte der Barsch auf die Jagd gehen, stattet er zunächst der Muräne einen Besuch ab und lockt sie mit übertrieben starken Bewegungen aus ihrem Tagesversteck. Kommt sie heraus, führt der Barsch sie zum Versteck eines Beutefisches. Die schlanke Muräne schlüpft hinein und sucht nach dem Fisch. Erwischt sie ihn, war die Jagd für die Muräne erfolgreich. Kann der Fisch fliehen, wartet draußen bereits der Barsch auf seine Mahlzeit.

Zusammenarbeit

Die Zusammenarbeit während der Jagd ist aus dem Tierreich etwa von Löwen und Wölfen bekannt. In der Entwicklung der Menschheit gilt sie als wichtiger evolutionärer Schritt. Das Verhalten von Rochen und Muräne ist jedoch noch aus einem weiteren Grund interessant: Um die Muräne zur Beute zu führen, muss der Barsch ein gutes räumliches Gedächtnis besitzen.

Er muss sich an das Versteck des Beutefisches erinnern, aber auch den Unterschlupf der Muräne gut kennen. Er sucht nämlich nicht wahllos nach irgendeiner Jagdpartnerin, sondern scheint Muränen zu bevorzugen, mit denen er schon einmal gemeinsam gejagt hat.

Ein faszinierendes Beispiel für einen Fisch, der eine erstaunliche soziale Intelligenz an den Tag legt, ist der Putzerfisch. Wie sein Name schon andeutet, ernährt er sich von Fremdkörpern, die er von den Körpern seiner »Kunden« entfernt. Ein besonders fleißiges Exemplar reinigt an seiner Putzstation über 2.000 Fische am Tag.

Dabei werden Kunden, von denen er weiß, dass sie (etwa wegen der Größe ihres Territoriums) auch eine andere Putzstation ansteuern könnten, bevorzugt behandelt. Andere müssen länger warten. Während eines Putzvorgangs werden die Putzerfische von ihren anderen potenziellen Kunden genau beobachtet und bewertet. Sollte der Service nicht zu deren Zufriedenheit sein, schwimmen sie gegebenenfalls weiter und suchen einen anderen Putzerfisch auf.

Putzerfische haben sich Strategien zur Beschwichtigung zurechtgelegt, um nicht versehentlich von einem der Raubfische, die auch zu ihrem Kundenstamm zählen, gefressen zu werden. Ein wichtiger Punkt dabei ist der Körperkontakt: Die Putzerfische schwimmen über den Kunden und berühren ihn - und das nachweislich häufiger bei Raubfischen als bei harmlosen Exemplaren.

Körperkontakt

Fische finden Körperkontakt angenehm und bitten teilweise sogar darum. Das wissen nicht nur Taucher, die schon einmal Barsche oder Muränen gestreichelt haben. Dass Streicheleinheiten für Fische - wie auch für uns Menschen - therapeutische Wirkung haben können, konnte in einem Versuch mit einem Doktorfisch nachgewiesen werden.

Der Fisch wurde eine halbe Stunde lang in ein Gefäß gesetzt, in dem er nur gerade ausreichend mit Wasser bedeckt war. Wenn er die Möglichkeit hatte, schwamm der Fisch zu einer Putzerfisch-Attrappe, die sich ebenfalls im Gefäß befand und streichelnde Bewegungen ausführte. Beim Kontakt mit der Attrappe nahm der Stresslevel des Fisches - gemessen am Kortisollevel im Blut - deutlich ab.

Fische können nicht nur gestresst sein, sondern auch an einer Depression leiden. Das haben vor Kurzem schwedische Forscher herausgefunden. Sie untersuchten Lachse, die in Farmen gehalten wurden. Auf solchen Farmen sieht man immer wieder zu kleine Fische, die regungslos an der Wasseroberfläche treiben.

Depression bei Fischen

Das Verhalten dieser Fische und auch die chemischen Eigenschaften in ihren Gehirnen sind analog zu den typischen Anzeichen einer Depression, wie man sie auch bei anderen Tieren beobachten kann.

Der Grund für die Depression dürften die völlig unnatürlichen Lebensumständen der Lachse in Aquakulturen sein: Sie wachsen in überfüllten Becken auf, in denen sie ständigen Aggressionen durch ihre Artgenossen und Futterkämpfen sowie unregelmäßigen Veränderungen ihrer Umgebung ausgesetzt sind.

Fische sind zu vielem fähig: Sie sind sich höchstwahrscheinlich ihrer selbst bewusst, kooperieren miteinander, legen vielfältige soziale Verhaltensweisen an den Tag und haben ein Gefühlsleben. Die nachgewiesene Leidensfähigkeit der Fische hält die Fischereiindustrie jedoch nicht davon ab, sie mit qualvollen Methoden zu fangen und ohne Betäubung zu töten. Nicht zuletzt angesichts der oben skizzierten Erkenntnisse ist es jedoch dringend nötig, dass wir unser Bild von Fischen grundlegend überdenken - und damit auch unseren Umgang mit ihnen.


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